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Vor jedem Flug überprüft Dominik Nies, ob am Flugzeug alles in Ordnung ist. FOTO: KME

23-jähriger Fluglehrer

Dominik Nies hat seinen Kindheitstraum in Pohlheim verwirklicht

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Er ist schon geflogen, bevor er Auto fahren durfte: Dominik Nies bildet mit 23 Jahren Segelflugschüler in Pohlheim aus. Auf lange Sicht hat er es aber auf größere Maschinen abgesehen.

Der Traum von der großen Freiheit in luftigen Höhen begleitet Dominik Nies von Kindesbeinen an. "Ich wollte schon immer Pilot werden, seit dem achten Lebensjahr." Bei Besuchen am Frankfurter Flughafen mit seinem Vater hat er damals fasziniert die riesigen Maschinen beobachtet. 2011, mit gerade einmal 15 Jahren, hat er dann die Flugausbildung in seiner Heimat Schotten begonnen. Wie kam das bei seinen Eltern an? "Mein Vater fand´s geil, meine Mutter war ein bisschen ängstlich, hat mich aber auch unterstützt."

Der erste Flug ist Nies noch gut in Erinnerung: "Mir war kotzübel. Wenn man unter den Wolken fliegt, haut die Thermik richtig rein. Aber ich habe gesagt: Ich mache das." Unterm Strich hat er rund 20 Monate bis zur Fluglizenz gebraucht - das ist vergleichsweise kurz. Die Ausbildung habe ihn rund 1200 Euro gekostet, sagt er. Einen Autoführerschein kriegt man zu diesem Preis kaum.

23-jähriger Fluglehrer: Erst fliegen, dann Auto fahren

Es klingt kurios: Begleitet Auto fahren dürfen Jugendliche in Deutschland erst mit 17 Jahren, die Flugausbildung kann man aber schon mit 14 beginnen, wie Nies erläutert. "Mit 17 Jahren musste ich einmal meinen Fluglehrer mit dem Flugzeug abholen - ich durfte ja noch kein Auto fahren." Bevor ein Flugschüler alleine abheben darf, müssen zwei Fluglehrer zustimmen. "Da wird eine gewisse Reife vorausgesetzt", sagt Nies.

Er hat diesen Punkt längst überschritten, doch seinen ersten Flug ohne Begleitung wird er nicht vergessen. "Das ist schon was Besonderes. Du denkst: Hinter mir müsste doch einer meckern - aber da sitzt niemand." In seinem Fall gab es wohl auch nichts mehr zu meckern.

Allmählich lernte der junge Flieger, die einsame Zeit im Luftraum zu genießen. "Wenn man zum Beispiel den Sonnenuntergang sieht - da gibt es schon geile Momente. Man vergisst oben die Probleme unten. Man sollte aber auch keinen Stress mitnehmen." Respekt habe er vor jedem Flug, aber keine Angst.

23-jähriger Fluglehrer: Kein elitärer Sport

Nies hat nicht nur das Fliegen an sich, sondern auch die Gemeinschaft lieb gewonnen. "Auf dem Flugplatz in Pohlheim sind wir wie eine Familie", sagt der 23-jährige Student der Betriebswirtschaftslehre. Man duzt sich, kümmert sich gemeinsam um die Flugzeuge. "Man hat Verantwortung und lernt, Regeln zu beachten." Auch sei das Segelfliegen kein elitärer Sport.

Inzwischen unterrichtet Nies vier junge Segelflugschüler in Pohlheim, er ist schnell vom Flugschüler zum Lehrer geworden. Neben seiner Segelfluglizenz musste er dafür 100 Flugstunden und 200 Starts vorweisen, hat außerdem Schulungen in Pädagogik und Didaktik besucht. Die Theorietests haben seine Schützlinge schon in der Tasche, auch zu Wetterkunde, Technik und mehr wurden sie abgefragt. Die praktischen Prüfungen stehen noch aus. Nies ist kaum älter als seine Schüler, trägt als Lehrer aber eine enorme Verantwortung. Wie reagiert er, wenn ein Schüler mal Panik in der Luft bekommt? "Da muss man eine klatschen", sagt Nies. Zwar habe er das selbst noch nicht getan, aber es könne im Fall der Fälle ein Mittel sein. "Wenn man blockiert ist, nennen wir das Hyperstress. Das sollte als Pilot eigentlich nicht passieren."

Brenzlige Situationen im Cockpit - darauf muss man als Flieger gefasst sein. Auch Nies hat solche Momente schon erlebt. Etwa als er am Horizont einen kleinen Punkt sah - ein Flugzeug, mit dem er ein paar Sekunden später hätte kollidieren können. Zum Glück gibt es auch im Luftraum feste Regeln: "Beide weichen nach rechts aus."

23-jähriger Fluglehrer: Keine Panik

Für Fluglaien ist es eine Horror-Vorstellung, dass auch die Technik einmal versagen könnte. Einen routinierten Segelflieger, der das Gleiten ohne Motor gewöhnt ist, sollte auch das nicht aus der Ruhe bringen. Nies darf mittlerweile auch Motorsegler, Ultraleichtflugzeuge und reine Motorflugzeuge steuern. "Wenn der Motor abschmiert, kriegen die Motorflieger eher Panik."

Wer in solchen Situationen keinen kühlen Kopf behält, ist als Pilot wohl fehl am Platze. "Ruhe bewahren, einen Plan B haben, schnelle Entscheidungsfindung" - all das sei in der Luft wichtig. "Man muss alle zwei bis drei Sekunden eine Entscheidung treffen. Da bist du immer dabei, das ist eine Konzentrationssache." Regler und Startklappen kontrollieren, Höhe und Geschwindigkeit anpassen - da muss man erstmal den Überblick behalten. Und damit nicht genug: "Die dritte Dimension ist schwierig - das hat man im Auto nicht." Was müssen Flugschüler noch mitbringen? Nies spricht über Teamfähigkeit und Besonnenheit, "wir brauchen keine Typen, die den Obermacker machen". Nicht zuletzt braucht es körperliche Fitness. Lungenvolumentest, EKG, ein Test auf Farbenblindheit - all das hat auch Nies erfolgreich hinter sich gebracht.

23-jähriger Fluglehrer: Große Zukunftspläne

Zurzeit geht es auf dem Flugplatz in Watzenborn-Steinberg eher gemächlich zu. Die reinen Segelflugzeuge sind nicht in Betrieb. Im Winter sei es zu feucht, um mit ihnen zu fliegen, erklärt Nies.

Momentan ist er etwa alle zwei Wochen dort, im Sommer fast jedes Wochenende. Nies freut sich bereits darauf, dass die Saison endlich wieder losgeht - und hat schon Ideen für Ziele, die er ansteuern möchte: "Dieses Jahr will ich noch mal hoch an die See." Auch über die Innenstädte von Frankfurt und Berlin wird es ihn wohl wieder einmal ziehen - und Richtung Alpen. Distanzen, für die Nicht-Flieger am Boden einen halben Tag brauchen, kann er im Nu überwinden.

Vor allem aber hofft Nies, im Sommer einen weiteren wichtigen Schritt in Sachen Fliegen gehen zu können. Der Berufswunsch, den er als Achtjähriger angesichts der großen Passagierflugzeuge in Frankfurt hegte, beflügelt ihn noch immer. Wenn alles glatt läuft, will er in ein paar Monaten mit der Ausbildung zum Berufspiloten beginnen.

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