Die Ludwigstraße in Watzenborn-Steinberg ist regelmäßig verstopft. Anwohner leiden unter dem Lärm, die Autofahrer unter dem stockenden Verkehrsfluss – glücklich ist mit der Situation niemand. (Archivfoto: no)
+
Die Ludwigstraße in Watzenborn-Steinberg ist regelmäßig verstopft. Anwohner leiden unter dem Lärm, die Autofahrer unter dem stockenden Verkehrsfluss – glücklich ist mit der Situation niemand. (Archivfoto: no)

Diskussion über Verkehrsberuhigung: Täglich grüßt die Ludwigstraße

Pohlheim (chh). Bereits 1992 titelte die Gießener Allgemeine: "Lärm und Abgase in der Ludwigstraße unerträglich." Und schon damals war von einem "Dauerbrenner" die Rede. In dieser Woche diskutierte der Bauausschuss über verkehrsberuhigende Maßnahmen – erneut.

Die Anwohner forderten 1992 verkehrsberuhigende Maßnahmen für Friedrich-Ebert-Straße, Ludwigstraße, Wilhelmstraße, Gießener und Grüninger Straße. Der damalige Bürgermeister Hermann Georg verwies auf ein in Auftrag gegebenes Gutachten über eine Verkehrszählung. Das Ergebnis werde noch für dieses Jahr erwartet. Und heute, 24 Jahre später? Diskutieren die Mitglieder des Bauausschusses wieder über verkehrsberuhigende Maßnahmen rund um die Ludwigstraße. Und der Erste Stadtrat Ewald Seidler (FW) verweist wieder auf eine in Auftrag gegebene Verkehrszählung, deren Ergebnisse noch dieses Jahr präsentiert würden. Wer am Montagabend im Sitzungssaal des Rathauses saß, hätte meinen können, er sei in einer Zeitschleife gefangen.

Dieses mal hatte die CDU das Thema auf die Tagesordnung gebracht. Ihr Wunsch: Der Magistrat solle mit den zuständigen Stellen auf Landesebene erörtern, welche verkehrsentlastenden Maßnahmen für Watzenborn-Steinberg umgesetzt werden könnten. Dabei sollten Baumaßnahmen und verkehrslenkende Regelungen geprüft werden. Peter Alexander von der SPD konnte sich mit dem Antrag anfreunden – kein Wunder, hatte seine Fraktion doch schon mehrfach Anträge zu diesem Thema gestellt.

Alleine die Ergebnisse fehlten noch, betonte Alexander. Er verwies auf einen SPD-Antrag vom November letzten Jahres, wonach den Ausschussmitgliedern die Ergebnisse der Verkehrszählung von Hessen Mobil mitzuteilen seien. "Jetzt haben wir inzwischen Juli und noch immer nichts gehört", ärgerte sich der SPD-Fraktionsvorsitzende. Auch Eckart Hafemann von den Grünen bemängelte die "unbefriedigende Beantwortung", woraufhin Erster Stadtrat Seidler die Ergebnisse für Oktober dieses Jahres ankündigte.

Umgehungsstraße "Spekulation"

Der FDP-Stadtverordnete Fabian Schäfer wollte im CDU-Antrag indes ein verstecktes Plädoyer für eine erneute Debatte um eine Ortsumgehung sehen. "Es wäre fatal, wenn wir das Thema wieder in den Ring werfen würden." Zum Hintergrund: Vor ziemlich genau sechs Jahren hatte das Parlament den Bau einer Umgehungsstraße abgelehnt, unter anderem, weil dadurch das Naherholungsgebiet "Obersteinberg" zerstört und die Bewohner des Baugebiets "Oberweg" massiv beeinträchtigt würden. CDU und FW waren seinerzeit für den Bau, nur ein Abweichler aus den eigenen Reihen verhinderte den Beschluss. Nach der jüngsten Kommunalwahl haben CDU und die Freien Wähler die Mehrheit zurückerobert.

Christdemokrat Engel dementierte jedoch vehement, dass der Antrag auf eine Umgehungsstraße abziele. "Das ist reine Spekulation. Daran haben wir überhaupt nicht gedacht." CDU-Fraktionsvorsitzender Matthias Jung fügte hinzu, es gehe lediglich darum, Zahlen und Fakten über Emission und Feinstaub zu erhalten. "Dann müssen wir uns mit den Bürgern zusammensetzen und überlegen, was möglich ist. Eine Umgehungsstraße würde ohnehin wahnsinnig viel Geld und Zeit verschlingen." Reimar Stenzel (Grüne) schien der Gedanke an eine Umgehungsstraße hingegen zu gefallen. "Man kann keine Brücke bauen oder Watzenborn untertunneln. Es gibt keine Möglichkeit außer einer Umgehungsstraße. Wir stecken verkehrsmäßig in einer Sackgasse. Mit einer Verkehrszählung kommen wir da nicht raus. Die stellt nur fest, dass es mehr Verkehr gibt."

Die Präsentation von Hessen Mobil im Oktober wird zeigen, ob Stenzel recht behalten wird. Der Antrag der CDU wurde einstimmig abgesegnet. Welche Konsequenzen daraus resultieren, steht jedoch in den Sternen. Für die Anwohner bleibt zu hoffen, dass die Pohlheimer Gremien nicht noch 2040 darüber diskutieren werden, wie der Verkehr in Watzenborn beruhigt werden kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare