Lückebachaue

Deshalb wollen Anwohner der Lückebachaue ihre Spazierwege zurück

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Die Landschaft zwischen Linden und Pohlheim in der Lückebachaue ist eine Idylle. Anwohner wehren sich nun dagegen, dass man dort nicht mehr spazieren darf.

Ein Rascheln dringt aus dem Schilf. Es ist ein Reh. Vögel zwitschern, das sanfte Plätschern des Lückebachs ist zu hören. Cornelia John lebt seit 16 Jahren am westlichen Rand von Watzenborn-Steinberg und genießt es, hier zu spazieren. Doch seitdem der Bereich der Lückebachaue zwischen Pohlheim und Linden im Sommer vergangenen Jahres zum Naturschutzgebiet erklärt worden ist, darf die Idylle nicht mehr durchquert werden. Dagegen wehren sich John und weitere Anwohner. Sie haben eine Bürgerinitiative gegründet.

Ihr Ziel ist, das Gebiet für Spaziergänger wieder freizugeben. Sie haben 450 Unterschriften gesammelt. Ende dieser Woche wollen sie die Liste den Bürgermeistern von Linden und Pohlheim übergeben. "Wie sollen wir unseren Kindern Natur nahebringen, wenn diese nicht mehr erlebt werden darf", erklärt John. Die grüne Oase vor ihrer Haustür biete den Familien "Naherholung nach Feierabend zum Nulltarif."

Die Pohlheimerin nimmt das Gebiet an einem späten Nachmittag mit Nachbarn in Augenschein. "Die Verhältnismäßigkeit ist nicht gegeben, sagt Steffen Scheffler. Direkt am Naturschutzgebiet befinde sich Gewerbe, Lärm durch Lkw und Lichtverschmutzung nachts seien groß. "Und Traktoren dürfen weiter durch das Gebiet fahren." John fügt hinzu: "Spaziergänger mit Hunden sind doch hier nicht der größte Störfaktor für die Vogelwelt. Das ist nicht nachvollziehbar." Zudem laufe immer wieder die Kanalisation über, das Areal werde dadurch regelmäßig vermüllt. Die Anwohner merken außerdem an, dass die Vogelwelt in dem Gelände durch Hochspannungsleitungen gestört würde. "Wir sind für die Natur", betont John. "Wir haben nichts gegen ein Naturschutzgebiet. Aber die Natur hat unter uns Spaziergängern doch nicht gelitten."

Neues Wegekonzept angedacht

Thorsten Haas, Sprecher des Regierungspräsidiums, widerspricht. Die Lückebachaue müsse vor möglichen negativen Veränderungen geschützt werden, erklärt er. Hierzu zähle auch die Beeinträchtigung durch Beunruhigung für die Fauna, "insbesondere der Vögel durch Spaziergänger mit Hunden." Der Bereich sei noch nie offiziell zum Durchgang erlaubt worden, betont Haas. Natur könne nur dann erlebt werden, "wenn sie entsprechend geschützt und dadurch noch vorhanden ist und bleibt."

Angedacht sei in dem Naturschutzgebiet ein Spazierweg mit Informations- und Aussichtspunkten, der aber nicht durch das Brutgebiet führt. Derzeit werde ein mögliches Pflegekonzept für das Naturschutzgebiet bearbeitet. In diesem Zusammenhang werde auch über ein späteres Wegekonzept nachgedacht. Ziel wäre, dass man das Areal auf offiziellen Wegen betreten könnte. Von einem Bereich des Naturschutzgebiets bliebe die Bevölkerung aber weiterhin ausgeschlosen. Eine Lösung, mit der auch die Anwohner leben können, scheint möglich. Es ist doch viel effektiver", sagt Anwohner Kurt Eisenbeis, "wenn man solche Pläne mit den Bürgern gemeinsam macht."

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