Günter Titsch
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Günter Titsch

Chorgesang als Lebenswerk

  • vonRoger Schmidt
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Pohlheim (rge). Es gibt sicherlich nicht viele Menschen, die ihr gesamtes Leben einer Sache verschrieben haben und damit weltweit Erfolge feiern. Günter Titsch ist einer von ihnen. Am heutigen Donnerstag feiert der weltweit größte Organisator von Chorwettbewerben sein 75. Lebensjahr.

Titsch hat aus seinem Hobby als junger Chorsänger nach und nach mit dem von ihm gegründeten Förderverein Interkultur ein weltumspannendes Choruniversum geschaffen. Die von ihm ins Leben gerufene Chorolympiade, heute World Choir Games genannt, ist bei Sängern in der gesamten Welt bekannt.

Aufgrund der Pandemie gibt es keine große Geburtstagsfeier. Titsch hat derzeit auch viel zu tun mit seinem Team, die Umplanung von Veranstaltungen mit Partnern rund um den Globus sind aufgrund von Corona beherrschendes Thema bei Interkultur.

Am 28. Januar 1946 in Heidenpiltsch (Sudetenland) geboren, kam er nach der Vertreibung mit seiner Familie nach Dorf-Güll. Seine Jugend verbrachte er in Grüningen, arbeitete als Steuerbevollmächtigter, dann als EDV-Berater für einen Computerkonzern, bevor er 1976 den Schritt in die Selbstständigkeit wagte.

Schon in früher Jugend zog es ihn zum Chorgesang, der später sein berufliches Leben bestimmen sollte. Bei Eintracht Grüningen war der Jubilar aktiver Sänger und auch Vorsitzender.

Titsch knüpfte in den 70er Jahren Kontakte nach Ungarn und organisierte 1980 Chorreisen von und nach Zirc. »Mit Liedern für den Frieden, für die Freundschaft«, war das Motto der Sänger aus Zirc, als sie zum Gegenbesuch nach Grüningen kamen, erinnert sich Titsch. 1990, nach dem Fall der Mauer, wurde diese langanhaltende Verbindung offiziell mit der Städtepartnerschaft zwischen Zirc und Pohlheim besiegelt.

1988 gründete Titsch Interkultur. Heute kann er auf eine erfolgreiche Entwicklung zurückblicken, die mit der ersten Chorolympiade 2000 in Linz in Österreich seinen Anfang nahm. Hundertausende Sänger aus aller Welt besuchten seitdem alle zwei Jahre die World Choir Games, unter anderem in China, Deutschland, Lettland, Korea, Österreich, Russland und den USA.

Soziales Engagement für die Gemeinschaft ist Titsch wichtig. Neben seinem Amt als Interkultur-Präsident ist er Ehrenvorstandsmitglied des Sängerbundes Hüttenberg-Schiffenberg. Für seine Aktivitäten um den Kulturaustausch wurde ihm 2006 der Kulturpreis Europa verliehen. Schon früh erhielt er den Ehrenbrief des Landes Hessen. Die Deutsche Sporthilfe unterstützt er als Kuratoriumsmitglied.

Eine besondere Auszeichnung erhielt Titsch 2009 in China. Er wurde für seine Verdienste um den deutsch-chinesischen Kulturaustausch zum Ehrenbürger der Stadt Xiamen ernannt. Zahlreiche internationale Auszeichnungen aus Österreich, Ungarn, Italien, Korea, USA und China wurden ihm angetragen. Als Höhepunkt wurde ihm 2012 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Große Unterstützung erhielt er zu dessen Lebzeiten vom ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel, dem Ehrenpräsidenten von Interkultur.

In seinen Planungen für dieses Jahr stehen noch die 11. World Choir Games Flandern in Belgien und die deutsche Chormeisterschaft in Koblenz. Eine Unbekannte ist dabei nach wie vor die Entwicklung der Corona-Pandemie. Einen ersten Lichtblick sieht Titsch aufgrund der jetzt möglichen Impfungen.

Zumindest sei man bereit, wenn es wieder mit dem Chorsingen los gehen darf. »Chorgesang hat keine Lobby, deshalb tue ich alles, um den Sängerinnen und Sängern eine Stimme in Politik und Öffentlichkeit zu geben«, sagt der Jubilar und berichtet von seinem aktuellen Briefwechsel diesbezüglich mit Kanzleramt und Ministerpräsidenten.

Zu den Gratulanten an seinem 75. Geburtstag zählt Günter Titsch seine Partnerin Wang Qin, die Familie mit seinen drei erwachsenen Kindern, deren Partner mit zwei Enkeln und zahlreiche Weggefährten. FOTO: RGE

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