"Wenn ich an Haustüren klingele, bin ich erstaunt, wie viele Pohlheimer mich schon kennen", sagt Andreas Ruck. Am 1. Noveber tritt er bei der Bürgermeisterwahl an. FOTO: SRS
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"Wenn ich an Haustüren klingele, bin ich erstaunt, wie viele Pohlheimer mich schon kennen", sagt Andreas Ruck. Am 1. Noveber tritt er bei der Bürgermeisterwahl an. FOTO: SRS

"Es fehlt an Kommunikation"

Bürgermeisterwahl in Pohlheim: So läuft der Wahlkampf für Herausforderer Andreas Ruck

  • vonStefan Schaal
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In zehn Wochen wählen die Pohlheimer ihren Bürgermeister. Während Amtsinhaber Udo Schöffmann wegen Corona auf einen Haustür-Wahlkampf verzichtet, zieht Herausforderer Andreas Ruck durch die Ortsteile und besucht Menschen. "Corona bremst gewaltig", sagt der parteilose Kandidat. Sein großes Wahlkampfthema hat er sich indes bereits ausgesucht.

Wer sich mit Andreas Ruck unterhält, erlebt einen Kandidaten im Wahlkampfmodus. Die Augen sind aufgerissen, er gestikuliert, schnell gesprochene Sätze sprudeln aus ihm heraus. Ruck sitzt draußen vor einem Eiscafé in Garbenteich. Und wenn sein Nebenmann, der Pohlheimer SPD-Vorsitzende Peter Alexander spricht, wird Ruck nach wenigen Sekunden unruhig. Denn er will reden. Und sich präsentieren. 73 Tage hat er noch, bis dahin sollen ihn möglichst viele Pohlheimer kennen.

Ruck will am 1. November Pohlheims Bürgermeister werden. Während Amtsinhaber Udo Schöffmann (CDU) wegen der Corona-Pandemie auf einen Haustür-Wahlkampf verzichtet, zieht der parteilose, von der SPD nominierte Herausforderer derzeit durch die Ortsteile und besucht Menschen. "Der Amtsinhaber hat’s leichter und hat mehr Möglichkeiten, durch Handlungen bei den Pohlheimern im Gespräch zu sein", sagt Ruck. An 1000 Türen habe der Herausforderer nun in den vergangenen Wochen bereits geklingelt, erzählt er.

Der 51 Jahre alte Bad Schwalbacher verbringt sechs Tage in der Woche in Pohlheim. Den Job als Vertriebler bei der Telekom erledige er inzwischen vor allem morgens und nachts, berichtet er. In Pohlheim sei er derweil erstaunt, wie die Menschen ihn aufnehmen. "Wenn ich an Haustüren klingele, bin ich erstaunt, wie viele Pohlheimer mich schon kennen. Mir wird nicht die Tür zugeschmissen, auch nicht von CDU-Anhängern." Die Pandemie sorge für Einschränkungen räumt er ein. "Corona bremst gewaltig". Häufig allerdings werde er zu Gesprächen kurzerhand draußen in Gärten eingeladen. "Dann werden gleich noch die Nachbarn gerufen, und wir diskutieren dann für 30, 45 Minuten."

Die heiße Wahlkampfphase beginnt am 1. September, ab diesem Zeitpunkt dürfen in der Stadt Wahlplakate aufgehängt werden. "Die Plakate werden gerade gedruckt", berichtet Ruck. Das große Thema für seinen Wahlkampf habe er allerdings bereits entdeckt. "Unterm Strich ist es die Kommunikation, die in Pohlheim fehlt." Zwischen der Stadt auf der einen Seite und den Vereinen, Kirchen und Feuerwehren auf der anderen Seite. "Auch untereinander mangelt es an Kommunikation", sagt er. "Wo kann der eine dem anderen helfen? Da ist ein großes Loch." Freilich kritisiert er damit auch den Amtsinhaber. Bei den früheren Outlet-Plänen und dem Vorhaben des Gewerbegebiets in Garbenteich werde man bisher "erst auf Druck und Nachfrage informiert", ergänzt der SPD-Vorsitzende Alexander.

Das Gewerbegebiet befürworte er, sagt Ruck. "Dem können wir uns nicht verschließen", sagt er. "Wir brauchen die Weiterentwicklung der Stadt." Allerdings müsse sich solches Gewerbe ansiedeln, "das viele Leute beschäftigt und das außerdem seinen Firmensitz in Pohlheim hat, damit die Einnahmen hier wieder sprudeln." Außerdem, ergänzt Ruck, "muss dort alles getan werden, um die Ansiedlung von Gewerbe möglichst umweltfreundlich umzusetzen."

Ruck will in seinem Wahlkampf weitere Themen setzen: "Die Stadtteile müssen stärker zusammenwachsen", sagt er. Der Bürgermeisterkandidat spricht sich für ein Jugendparlament in Pohlheim aus und für Kindergärten "dort, wo sie auch gebraucht werden." Den Neubau der Kita in der Kirchstraße in Watzenborn-Steinberg mit acht Gruppen lehnt er ab. "Das wäre aus pädagogischer Sicht eine Katastrophe." Bei acht Gruppen würde in der Kita ständige Unruhe herrschen.

Und Ruck greift ein Thema auf, das eigentlich erledigt und beschlossen schien: Er spricht sich gegen Straßenbeiträge aus. Gerade erst sind im Pohlheimer Stadtparlament wiederkehrende Beiträge beschlossen worden. "Die kann man ja wieder abschaffen", sagt Ruck. Dafür müsste die SPD in Pohlheim allerdings auch ein für sie günstiges Ergebnis bei der Kommunalwahl im Frühjahr kommenden Jahres einfahren.

In den Gesprächen mit Pohlheimern hat Ruck zahlreiche Ideen und Vorschläge gesammelt. Bürger sollten in Pohlheim stärker in politische Entscheidungen einbezogen werden, fordert er. "Es soll vereinfacht werden, dass die Pohlheimer selbst Themenschwerpunkte setzen und Anträge im Parlament stellen können. Hier fehlt das Bewusstsein dafür, dass man so etwas überhaupt machen kann." Für einen Moment hält Ruck inne. "Da wären wir wieder beim Thema Kommunikation."

Neun Monate ist es erst her, da wäre Ruck beinahe Bürgermeister in Bad Schwalbach geworden. Erst in einer Stichwahl war er im Dezember 2019 unterlegen. Weil die SPD in Bad Schwalbach ihn damals nicht nominiert hatte, war er aus der Partei ausgetreten, um als unabhängiger Kandidat anzutreten. Ein wunder Punkt? "Nein", sagt Ruck. "Darauf bin ich hier bisher nicht angesprochen worden." Aufgrund seiner Parteilosigkeit werde er in Pohlheim neben der SPD auch von den Grünen und der FDP unterstützt. "Parteilos ist das einzig Wahre in dieser Zeit.",

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