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"Ein bisschen Angst habe ich schon", sagt Silke Freese, Erzieherin der Kita Sonnenschein, während sie auf einer Liege mitten im Saal der Volkshalle in Watzenborn-Steinberg Platz genomen hat.

Bluten für den guten Zweck

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Pohlheim (srs). Silke Freese wendet den Blick ab. Sie ballt die linke Hand zur Faust zusammen und hält sie vor den Mund, als würde sie gleich hineinbeißen. "Ein bisschen Angst habe ich schon", sagt die Erzieherin der Kita Sonnenschein, während sie auf einer Liege mitten im Saal der Volkshalle in Watzenborn-Steinberg Platz genommen hat. Denn gleich wird es pieksen. "Ich hoffe, mir kommen nicht gleich die Tränen." Freese spendet zum ersten Mal in ihrem Leben Blut. Allein ist sie dabei aber nicht. Sie und 40 weitere Mitarbeiter der Pohlheimer Stadtverwaltung ließen sich gemeinsam von Helfern des Deutschen Roten Kreuzes freiwillig Blut abnehmen.

"Team Pohlheim" steht auf ihren weißen Shirts. Nadja Lang, die seit einem Jahr für das Betriebliche Gesundheitsmanagement der Stadt verantwortlich ist, hat das gemeinsame Blutspenden organisiert. Aus einer im Juli gestarteten Umfrage heraus ist die Aktion entstanden. Gutes tun sei das Ziel, erklärt Lang. "Das Motto ist: Die Mitarbeiter der Stadt Pohlheim helfen Leben retten." Außerdem helfe das gemeinsame Blutspenden, den Teamgeist zu stärken. "Alle Abteilungen sind vertreten."

Dass das Vorhaben gelingt, verdeutlichen immer wieder kleine Situationen. "Und, hast du schon?", fragt eine Frau schmunzelnd ihre Kollegin. "O’zapft, meine ich?". Eine andere erzählt anfangs - halb im Scherz, halb im Ernst - sie verspüre "Todesangst". Sie fügt hinzu: "Ich bin doch erst 23." Als eine Kollegin aufsteht und sich mit unsicherem Blick zum Blutspenden aufmacht, rufen ihr die anderen zu: "Wir lieben dich."

Wenige Augenblicke nach dem ersten Piekser ist die Erzieherin Freese unterdessen beruhigt. Sie habe es kaum gemerkt. Alleine, sagt sie, hätte sie vermutlich nie Blut gespendet. Die gemeinsame Teilnahme der Kollegen habe sie dazu ermutigt.

Außerdem, fügt Freese hinzu, habe sie viel Vertrauen in derartige Aktionen gewonnen - denn die Spender müssen zunächst mehrere Stationen durchlaufen, bevor sie jeweils einen halben Liter Blut abgeben können. Mit einem Lichtbildausweis muss man sich anmelden, in einem kleinen provisorischen Labor wird zunächst Blut aus dem Ohr abgenommen, danach sitzt man einer Ärztin für ein kurzes Gespräch gegenüber. Erst dann wird das Blut abgenommen.

Auch Bürgermeister Udo Schöffmann nimmt an der Aktion teil. Beim Weißbierfest sei die Idee des gemeinsamen Blutspendens entstanden, erzählt er. "Blut ist das Lebenselixier, das man nicht künstlich ersetzen kann." Daher sei die Blutspende so wichtig. Carsten Nowak, Leiter des Ordnungsamts, betont: "Eine tolle Idee." Auch selbst könne man jederzeit in die Situation geraten, auf Blut angewiesen zu sein. "Und spenden kann eben fast jeder." Lang erklärt unterdessen: "Wir hoffen, die Aktion etabliert sich in den kommenden Jahren zu einer Tradition."

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