Klaus Schuh bei der Ernte der letzten Äpfel im Lehrgarten in Watzenborn-Steinberg.
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Klaus Schuh bei der Ernte der letzten Äpfel im Lehrgarten in Watzenborn-Steinberg.

Obstbau im Gießener Land

Durchwachsene Apfelernte 2021 im Gießener Land – Baumkrankheit breitet sich aus

  • Patrick Dehnhardt
    VonPatrick Dehnhardt
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Die Apfelernte 2021 war durchwachsen. Doch wenn es mal in einem Jahr weniger Früchte gibt, ist dies für die Hobbyobstbauern kein Grund zur Verzweiflung. Sorgen haben sie dennoch.

Gießen/Pohlheim – Der Herbstwind trägt das bunte Laub davon. Einige Bäume sind schon kahl, andere wechseln erst gerade die Farbe. Klaus Schuh betrachtet die roten Früchte des Ontarioapfels, die nun erntereif sind. Mit einem Pflücker holt er ein Exemplar vom Baum. Nebenan leuchten gelbe Quitten.

Die Ernte im Lehrgarten des Vereins zur Förderung des Obstbaus, der Garten und Landschaftspflege Watzenborn-Steinberg (OGV) ist in den letzten Zügen. Die frühen Sorten sind längst gepflückt, liegen im Keller oder sind zu Saft und Apfelmus weiterverarbeitet. Der Apfelwein beginnt derzeit zu gären, die Hefe verwandelt den Fruchtzucker in Alkohol.

Auf den 60 Bäumen wachsen rund 180 Sorten. Dies funktioniert nur, da Schuh auf jeden Baum mehrere Sorten aufgepfropft hat - bis zu 14 Stück- Die einst dünnen Reiser wachsen über die Jahre zu stattlichen Ästen heran, an denen die Früchte gedeihen. So kann der OGV eine große Vielfalt an Sorten präsentieren. Zudem muss man nicht viele Jahre warten, bis ein großer Baum herangewachsen ist und die ersten Früchte trägt, um testen zu können, wie ein Apfel schmeckt. Dafür reichen auch eine handvoll Früchte.

Gießener Umland: „Es war ein mittelmäßiges, leicht schlechtes Apfeljahr“

»Es war ein mittelmäßiges, leicht schlechtes Apfeljahr«, bestätigt der Obstbaumexperte. Im Lehrgarten etwa haben von den 180 Sorten nur 100 getragen. Die Zahl der Früchte war gering. Die Wetterbedingungen hätten im Großen und Ganzen für eine gute Ernte sorgen können. Jedoch gab es schon im Frühjahr einen Fehlstart. Durch die Maifröste flogen zur Blütezeit keine Bienen. Der Lehrgarten war davon besonders betroffen, »das ist hier ein Frostloch«. Wenn im Frühjahr keine kleinen Früchte entstehen, können sie im Herbst logischerweise nicht geerntet werden.

Das, was reif wurde, hätte mit 45 Oechsle eine gute Basis für Apfelwein geboten, sagt Schuh. Dabei komme es jedoch auch darauf an, mehrere Sorten zu mischen. Dies sorge für einen runden Geschmack. »Die Harmonie kommt durch Säure und Zucker.«

Eine schlechte Ernte ist für die Hobbyobstbauern im Landkreis kein Beinbruch. In den letzten Jahren mussten sie jedoch mit zahlreichen Wetterkapriolen kämpfen. Immer wieder gab es Dürresommer. Die Bäume gerieten in Trockenheitsstress, junge Pflanzen mussten häufig gegossen werden, um nicht einzugehen. »Mittlerweile bekommen Äpfel Sonnenbrand. Das kannte man früher in dem Ausmaß gar nicht.«

Apfelernte im Kreis Gießen: Rindenbrand tötet die Bäume

Schuh sieht darin auch die Ursache für eine Krankheit, die sich immer mehr unter Apfelbäumen verbreitet: der Rindenbrand. Da die Bäume durch die letzten Jahre geschwächt sind, hat der Pilz leichtes Spiel. Über Jahre hinweg tötet er den Baum.

Der Pohlheimer Baumfachmann versucht ihn zu stoppen, indem er die betroffenen Stellen der Rinde bis zu den Saftläufen aufschneidet und mit Kupfersulfatlösung behandelt. Die betroffenen Stellen schließen sich zwar nicht mehr, doch der Pilz breite sich auch nicht weiter aus, sagt er.

Gegen Hitze, viel Sonne und wenig Regen kann man außer Wässern wenig tun. Doch einen anderen Stressfaktor kann man minimieren: Wer jetzt Leimringe anbringt, kann die Frostspanner davon abhalten, auf die Bäume zu klettern. Die Weibchen dieser Art können nicht fliegen, sondern müssen auf die Bäume klettern. Dort legen sie ihre Eier ab, aus denen im Frühjahr die Raupen schlüpfen und im Extremfall ganze Bäume leerfressen.

Kompost und Kalk können als Dünger zudem den Baum mit Nährstoffen versorgen. Schuh rät jedoch dazu, dies auf Baumscheiben - von Unkraut befreiten Flächen rund um dem Baumstamm - aufzutragen. »Sonst sorgt man nur für schönes Gras und hilft dem Baum wenig.«

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