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Drei Mütter und Trainerin Daniela Daschke verbinden beim Kurs "Mamas in Bewegung" Sport mit Kinderbetreuung. Foto: las

Ausfallschritt mit Kinderwagen in Pohlheim

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Nach der Geburt eines Kindes wollen viele Frauen etwas für ihren Körper tun. Wie das gelingen kann, zeigt der TV 07 Watzenborn-Steinberg mit dem Kurs "Mamas in Bewegung"

Nach der Geburt eines Kindes wollen viele Frauen etwas für ihren Körper tun. Für Mütter aber ist es schwierig, das passende Sportangebote zu finden. Beim Kurs "Mamas in Bewegung" vom TV 07 Watzenborn-Steinberg können Frauen Fitness und Baby unter einen Hut bringen.

Kinderwagen als Fitnessgerät

Es ist frostig draußen. Doch das hält die vier jungen Frauen nicht ab. Mit Funktionsjacken und Schals trotzen sie der Kälte. Das allerdings wäre nicht weiter erwähnenswert, hätten sie nicht auch noch ihre Kinder dabei. Das jüngste ist gerade mal acht Monate, das älteste ein gutes Jahr. Dick eingepackt liegen die Babys in den Buggys, während sich ihre Mütter beim Sport mühen. Der Kinderwagen ist in dem Fall weit mehr als ein warmer Hort für die Kleinen, er ist auch noch Fitnessgerät für die Frauen.

Treffpunkt: Altes Wasserwerk

Nach der Geburt eines Kindes wollen viele Frauen etwas für ihren Körper tun. Ein Rückbildungskurs direkt nach der Entbindung ist gang und gäbe, aber dann? Die Frauen gibt es in der Zeit nur im Doppelpack. Und genau das ist häufig das Problem. Angebote für Mamas mit Kind sind nicht überall üblich. Doch wohin mit den Kleinen, wenn weder Partner oder Großeltern greifbar sind? "Die Frauen wissen oft nicht, wohin sie ihr Kind geben sollen, wenn sie Sport machen möchten", sagt Daniela Daschke.

Daschke ist Übungsleiterin beim TV 07 Watzenborn-Steinberg. Der Verein hat das Angebot "Mamas in Bewegung" initiiert. Immer donnerstags treffen sich die Frauen beim alten Wasserwerk. Im Kurs, sagt Daschke, gehe sie auf die besonderen Bedürfnisse des weiblichen Körpers nach der Geburt ein. Das klingt erst einmal recht abstrakt. Genau genommen legt sie neben der allgemeinen Fitness ein Augenmerk auf Beckenboden- und Bauchmuskeln. Letztere müssen nach einer Schwangerschaft wieder neu aktiviert werden.

Koordination, Kraft, Ausdauer

"Es fühlt sich an, als hätte ich ein Loch im Bauch", sagt etwa Kerstin Wessel, eine der übenden Frauen. Und überhaupt, sie habe weit weniger Kraft im Rumpf und sei sich deshalb unsicher, was sie schon alles wieder machen könne und was eben nicht. Es sind Fragen wie diese, mit denen Daschke immer wieder konfrontiert wird und die zeigen, wie wichtig diese Kurse sind.

Vor dem Rumpftraining aber geht es für die Frauen des TV07 erst einmal im Walking-Schritt los. Mit einer Hand wird der Kinderwagen gehalten, mit der anderen Schwung geholt. Koordination, Kraft und Ausdauer, am besten alles zusammen, so sieht die Übungsinhalte bei Daschke aus. Und dafür baut sie ziemlich alles mit in ihre Stunde ein, was sich auf dem Wegesrand bietet. Parkbänke etwa, die Frauen versuchen dort, in der Liegestützposition zu verharren, später dient ein Steinhaufen als Equipment für Sprungübungen.

Pausen sind kein Problem

Dass zwischendurch die kleine Lilly unruhig wird? In diesem Kurs stört das keinen. Im Gegenteil. Ninni Priesemann, Lillys Mutter, setzt kurz aus und kümmert sich um ihre quengelnde Tochter. Pausen zum Stillen, Fläschchen geben oder Windeln wechseln sind in der Gruppe kein Problem, erklärt Daschke. Auch Kerstin Wessel, Mutter der achtmonatigen Mathilda, schätzt genau diese Gemengelage: "Man muss sich nicht blöd vorkommen, dass andere auf einen warten müssen."

Dass die Kleinen während der Übungsstunde der passive Part sind, scheint sie nur wenig zu stören. Manchmal schlafen sie ein, wenn ihrer Mütter mit Ausfallschritten die Kinderwagen über die Feldwege schieben. Die kleine Mathilda, so erzählt ihre Mutter, habe sich am Anfang gar kaputt gelacht über die eigenwillig aussehenden Übungen.

Übungsleiterin Daschke sagt, ihr liege es vor allem am Herzen, dass die Mütter sich wieder wohlfühlen in ihrem Körper. Und sie sollen motiviert werden, Sport zu treiben und "nicht nur etwas für ihr Kind, sondern auch wieder etwas für sich zu machen".

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