Tiefe Gräben vor der Haustür: Eine Anwohnerin berichtet, dass sie von dem Beginn der Bauarbeiten überrascht worden sei. FOTO: PM
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Tiefe Gräben vor der Haustür: Eine Anwohnerin berichtet, dass sie von dem Beginn der Bauarbeiten überrascht worden sei. FOTO: PM

Baustelle

Ärger um Glasfasernetz: Plötzlich Gräben vor dem Haus

  • vonLena Karber
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Wegen der Verlegung des Glasfasernetzes konnten Anwohner in Holzheim am Dienstag nicht vom Grundstück fahren. Hat das zuständige Bauunternehmen versäumt, sie zu informieren?

Als sie am Dienstag durch Presslufthammer-Lärm geweckt worden sei, habe sie sich noch nichts dabei gedacht, berichtete eine Anwohnerin der Straße Am Hasenberg in Holzheim. Doch als sie dann zu einem Arzttermin aufbrechen wollte, war die Überraschung groß: direkt vor ihrem Grundstück war die Straße aufgerissen, sodass sie nicht vom Hof fahren konnte.

Zwar hatte die Deutsche Glasfaser in der vergangenen Woche über den Beginn des Ausbaus des Glasfasernetztes in Dorf-Güll und Holzheim informiert. In der Pressemitteilung hatte das Unternehmen jedoch angekündigt, "die Anlieger so früh wie möglich mit einer entsprechenden Information im Briefkasten" zu informieren, bevor die Bauarbeiten in einer Straße beginnen. Und eben diese Information vermisste die Anwohnerin. Zudem hätten die Mitarbeiter vor Ort weder Deutsch noch Englisch gesprochen. So habe es mehr als 20 Minuten gedauert, bis einer der Bauarbeiter eine Platte beschafft habe, über die sie mit ihrem Auto fahren konnte, erzählt sie. Ihren Arzttermin habe sie wegen der unerwarteten Verzögerung absagen müssen.

"Pohlheim wirbt ja damit, dass es lebens- und liebenswert sei. Ich finde es weder lebens- noch liebenswert, wenn man morgens aufsteht und hat plötzlich einen Graben vor der Einfahrt", sagte sie und nahm die Stadt in die Kritik. Auf solche Vorhaben müsse ihrer Meinung nach die Bauamtsleitung ein Auge haben. Sie habe noch am gleichen Tag eine E-Mail an die Stadtverwaltung geschrieben - ohne eine Antwort zu erhalten. Nicht einmal eine Nachricht, dass man ihr Anliegen weiterleiten oder sich mit ihr in Verbindung setzen werde, habe sie zurückbekommen, ärgert sich die Anwohnerin.

Obwohl in der Pressemitteilung der Deutschen Glasfaser explizit darauf hingewiesen worden war, dass die Bauprozesse "in enger Zusammenarbeit von Stadtverwaltung und Bauleitung" geschehen würden, wies Bürgermeister Udo Schöffmann die Verantwortung in einer Stellungnahme an diese Zeitung zurück. Der tägliche Baufortschritt könne nur von der Baufirma eingeschätzt werden, und die Pflicht zur Information obliege dem bauausführenden Unternehmen, hieß es darin. Der Fall sei jedoch "sehr bedauerlich" und man werde die Beschwerde weitergeben sowie "die Einhaltung der Informationspflicht anmahnen".

Auch die Deutsche Glasfaser sieht die Verantwortung bei dem bauausführenden Unternehmen, also in diesem Fall bei der spanischen Firma Verne Technology. Spätestens 48 Stunden vor Beginn der Arbeiten, die ohnehin nur für wenige Stunden zu Einschränkungen führen würden, erfolge ein "Posteinwurf durch den Generalunternehmer", teilte Dennis Slobodian von der Deutschen Glasfaser mit. Und bei Problemen könne man sich an den Bauleiter des Generalunternehmers vor Ort wenden, der an seiner gelben Weste zu erkennen sei und Deutsch spreche.

Slobodian berichtete außerdem, der Bauleiter der Deutschen Glasfaser vor Ort habe sich wegen des Falles mit dem zuständigen Bauleiter von Verne in Verbindung gesetzt und die Firma noch einmal für das Thema Information "sensibilisiert". Ein Fehler vonseiten des Unternehmens liege jedoch nicht vor. "Uns wurde bestätigt, dass der Posteinwurf in der Straße durchgeführt wurde", sagte Slobodian. Vielleicht habe die Anwohnerin den Zettel für Werbung gehalten oder übersehen.

Die Anwohnerin ist sich jedoch sicher, dass keine Information erfolgt ist. "Keiner in unserer wirklich überschaubaren Siedlung wusste, dass an diesem Tag die Straße aufgerissen wird", sagte sie. Und eine Familie aus der Nachbarschaft unterstützt diese Version. Die Kommunikation mit den Arbeitern sei "fast unmöglich" gewesen, und ein Familienmitglied sei wegen der unerwarteten Verzögerung zu spät zur Arbeit gekommen, berichtete sie. "Unserer Meinung nach ist es eine Unverschämtheit, dass wir nicht einmal ansatzweise darüber informiert wurden, dass Bauarbeiten stattfinden werden."

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