_1KREISGIESSEN401-B_1831_4c
+
Ein Ende der geplanten achtzügigen Kita wäre aus Sicht des beauftragten Architektenbüros »okay«, versichert Timo Heise. »Unsere wirtschaftliche Existenz hängt nicht daran.« GRAFIK: PM

Geplante Kita mit acht Gruppen

19 Millionen für Kita-Neubau in Pohlheim? Architekt widerspricht Bürgermeister - »Fahrlässig«

  • vonStefan Schaal
    schließen

19 Millionen Euro soll ein Kita-Neubau laut Pohlheims Bürgermeister kosten. Nun steht der Vorwurf im Raum: Hat der Bürgermeister im Parlament falsche Zahlen genannt, um das Projekt zu stoppen?

Pohlheims Bürgermeister Andreas Ruck muss sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen, den Fraktionen im Parlament wissentlich falsche Zahlen zu einem der größten Projekte der jüngeren Stadtgeschichte vorgetragen zu haben - mit dem Ziel, das Vorhabern zu stoppen.

Der Vorwurf steht nach Äußerungen des Architekten Timo Heise im Raum, der für die in der vergangenen Woche abgeschlossene Planung einer Riesenkita in Watzenborn-Steinberg mit acht Gruppen für 150 Kinder maßgeblich verantwortlich ist.

Kita-Ausbau in Pohlheim verteuert sich um Millionen

Ruck hatte am Dienstag in einer gemeinsamen Sitzung aller Ausschüsse in Pohlheim erklärt, der Bau verteuere sich von ursprünglich geplanten 6,8 Millionen auf 19 Millionen Euro. »Die Zahlen stimmen«, hatte der Bürgermeister erklärt. »Und sie gehen nach oben.« Für den Neubau, den Abriss der alten Einrichtung sowie für den Kauf und den Abriss eines Gebäudes zur Errichtung von Parkplätzen sei von Gesamtkosten in Höhe von zwölf Millionen Euro auszugehen. Mit Aufschlägen und Kostensteigerungen infolge der Corona-Krise müsse man mit 19 Millionen Euro rechnen, sagte Ruck.

Letztere Zahl sei vollkommen aus der Luft gegriffen, erklärt Architekt Heise vom Hamburger Büro »Schaltraum« im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Bürgermeister agiere polemisch, »Herr Ruck nennt für seine Kostenschätzung keine Quelle.«

Architekt bestreitet Kostenexplosion bei Kita-Ausbau in Pohlheim

Erst vor wenigen Tagen hat Heises Architektenbüro der Stadt Pohlheim eine Kostenrechnung zu der geplanten Kita vorgelegt, das Büro war im Jahr 2019 von der Stadt nach einem einstimmigen Parlamentsbeschluss und einem erfolgreichen Architektenwettbewerb mit dem Bau der Kita beauftragt worden. Der Neubau allein soll laut der neuen Kostenrechnung des Büros 10,4 Millionen Euro kosten. Mit erwartbaren Kostensteigerungen auch aufgrund von Corona in Höhe von 350 000 Euro komme man auf eine Summe in Höhe von 10,75 Millionen Euro, sagt Heise. »Ende 2019 hat uns die Stadt einen Kostenrahmen von 10,8 Millionen Euro vorgegeben. Wir sind also voll im Budget. Jegliche Behauptung einer Kostenexplosion ist falsch.«

Ruck hatte den Pohlheimer Fraktionen im Vorfeld der Sitzung am Dienstag dargelegt, wie die Kosten des Kita-Projekts weiter in die Höhe schießen könnten und hatte Modellrechnungen mit Preissteigerungen um fünf, zehn und 15 Prozent aufgelistet. Letztere Kalkulation sei am wahrscheinlichsten, sagte Ruck.

Streit zwischen Bürgermeister und Architekt über Pohlheimer Kita

Heise widerspricht: Die Preissteigerungen seien in der Kalkulation des Architektenbüros bereits einberechnet. Die Schätzung des Bürgermeisters ohne Quellenangabe sei »intransparent und fahrlässig«. Zu der vom Bürgermeister genannten Zahl von 19 Millionen Euro hat der Architekt eine Vermutung: »Die Kita ist offensichtlich politisch nicht gewollt.«

Tatsächlich hatte sich Ruck im Bürgermeisterwahlkampf - wie später die SPD im Kommunalwahlkampf - gegen die Kita ausgesprochen und für eine Einrichtung mit nur vier Gruppen plädiert. »Aus pädagogischen Gründen«, hatte Ruck erklärt. Der Bau einer Kita mit nun weniger als acht Gruppen soll voraussichtlich am kommenden Donnerstag im Parlament beschlossen werden, ein Antrag von SPD, Grünen und FDP ist zu erwarten.

Bau einer kleineren Kita in Pohlheim utopisch

Der Bau einer kleineren Kita an der Stelle und das anvisierte Ziel eines Baustarts noch in diesem Jahr aber sei utopisch, erklärt Architekt Heise. Eher wären noch mal eineinhalb Jahre an Planungen erforderlich, auch aufgrund der Hanglage an dem Standort.

Ein Ende der geplanten achtzügigen Einrichtung wäre aus Sicht des Architektenbüros »okay«, versichert Heise. »Unsere wirtschaftliche Existenz hängt nicht daran.« Er wundere sich allerdings darüber, dass die Architekten zu dem Projekt von der Stadt nicht befragt und sie zu der Sitzung am Dienstag nicht eingeladen waren. »Wir haben unsere Teilnahme angeboten. Der Bürgermeister ist darauf nicht eingegangen.« Statt der Architekten hätten auch Mitarbeiter der Bauverwaltung am Dienstag ihre Expertise abgeben können, sagt Heise. Auch das ist nicht geschehen. Der Architekt ergänzt: »Wir sind doch die Fachplaner.«

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare