Beim Neubau der Kindertagesstätte "Sonnenschein" soll der Entwurf des Architekturbüros Schaltraum zum Zuge kommen.
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Beim Neubau der Kindertagesstätte »Sonnenschein« soll der Entwurf des Architekturbüros Schaltraum zum Zuge kommen.

Für sieben Millionen Euro

Pohlheim: So soll die größte Kita im Kreis Gießen aussehen

  • vonStefan Schaal
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Ab Mitte kommenden Jahres soll in Watzenborn-Steinberg für rund sieben Millionen Euro die größte Kita im Gießener Land gebaut werden. Der Widerstand gegen das Projekt ist immens.

  • In Pohlheim ist eine Kita mit acht Gruppen geplant.
  • Gegen die Größe regt sich Widerstand vor allem in der SPD.
  • Der scheidende Bürgermeister Udo Schöffmann (CDU) hat kein Verständnis für die Kritik.

In einem halben Jahr sollen die Bagger rollen: Für rund sieben Millionen Euro soll ab Mitte kommenden Jahres in Watzenborn-Steinberg die größte Kita im Kreis Gießen entstehen - mit 150 Kindern in acht Gruppen. Der Bau ist beschlossen, die Pohlheimer SPD unterdessen - bestärkt durch den kürzlichen Wahlsieg ihres Bürgermeisterkandidaten Andreas Ruck - will das Großprojekt im Fall eines Erfolgs bei der Kommunalwahl stoppen.

»Wir sollten das Vorhaben zurückfahren«, fordert Horst Biadala (SPD). Sollte sich nach der Kommunalwahl am 14. März eine neue Mehrheit ergeben, »würden wir uns für eine Kita mit nur vier Gruppen einsetzen.«

Pohlheim: Künftiger Bürgermeister will kleinere Kita

Im kommenden Frühjahr allerdings werden die Planungen bereits in vollem Gange sein, das Hamburger Architekturbüro »Schaltraum« ist beauftragt. »Im Frühjahr wäre noch nicht zu viel Geld verbrannt, um Änderungen vorzunehmen«, sagt Biadala.

Es wird keine Flur-Kita, sondern eine Hallen-Kita.

Timo Heise, Architekt

Auch der ab 1. Februar amtierende Bürgermeister Ruck spricht sich für eine Kita mit nur vier Gruppen aus. »Zum Wohl der Kinder«, sagt er. Ein pädagogisches Konzept sei bei acht Gruppen schwer durchzusetzen. Auch die Corona-Pandemie verdeutliche, dass eine kleinere Einrichtung zu bevorzugen sei, in der nicht zu viele Kinder an einem Ort betreut werden. Dass die neue Kita an der viel befahrenen Ludwigstraße errichtet werden soll, sei ebenfalls kritisch zu sehen.

Pohlheim: Bau soll laut Architekt anderthalb bis zwei Jahre dauern

»Eine planerische Herausforderung«, räumt Architekt Timo Heise ein, der ab Anfang kommenden Jahres die Vorbereitungen des Baus intensiver angehen wird. Die Herausforderung wolle man organisatorisch mit zwei Geschossen lösen, auf denen jeweils 80 Kinder in vier Gruppen untergebracht seien. »Und es wird keine Flur-Kita«, betont Heise. »Es wird eine Hallen-Kita.« Die Kinder und ihre Eltern würden morgens nicht durch enge Gänge zur Garderobe und den Räumen gehen. Stattdessen ist auf beiden Stockwerken ein jeweils 350 Quadratmeter großes lichtdurchflutetes Foyer geplant, die Eingänge zu den Gruppenräumen sollen daran angrenzen.

Der Bau werde anderthalb bis zwei Jahre dauern, erklärt der Architekt. Die neue Kita soll neben der bisherigen Einrichtung »Sonnenschein« als weitgehende Holzkonstruktion auf einer 4500 Quadratmeter großen Fläche hinter dem Parkplatz an der Volkshalle entstehen und die alte Kita auch ersetzen. Mit rund sieben Millionen Euro ist der Kindergarten eines der größten Bauprojekte der Stadt Pohlheim in den vergangenen Jahrzehnten.

Pohlheim: Kita mit „Kiss-and-drop-Zone“

Morgens und nachmittags, äußern Kritiker des Bauprojekts, sei in der viel befahrenen Ludwigstraße in Watzenborn-Steinberg an dem Kindergarten nach der Fertigstellung ein zusätzlich erhöhtes Verkehrsaufkommen zu erwarten, wenn Eltern ihre Kinder zur Kita bringen und abholen. »Es ist ein größerer Parkplatz auf der Fläche der bisherigen Einrichtung geplant«, sagt Heise. Im Idealfall sollen Eltern beispielsweise morgens, so erklärt Heise, in einer »Kiss-and-drop-Zone‹« ihre Kinder schnell küssen, umarmen und dann im Kindergarten abgeben können.

Bürgermeister Udo Schöffmann (CDU) hat derweil wenig Verständnis für die Kritik an dem Kita-Neubau. »Was heißt denn zu groß?«, sagt er. In Rosbach in der Wetterau gebe es ebenfalls eine Kita mit acht Gruppen, diese sei aber räumlich wesentlich kleiner als die geplante Einrichtung in Pohlheim. »Jede der acht Gruppen erhält bei uns einen eigenen Differenzierungs- und einen Schlafraum«, erklärt Schöffmann, Besprechungsraume und Cafeterias für Eltern seien zudem geplant.

Pohlheim: Alte Kita nicht mehr sanierungsfähig

Die Kinder könnten die Gruppenräume nach draußen verlassen, ohne durch das Foyer gehen zu müssen, Staus oder Gedränge werde es nicht geben. Selbst an Übernachtungsmöglichkeiten für Erzieher sei gedacht, sollte es zukünftig dafür einen Bedarf geben. Die neue Kita solle mindestens für die kommenden 50 Jahre bestehen.

Ein Ausstieg aus dem bereits beschlossenen Projekt käme der Stadt teuer zu stehen, sagt Schöffmann. »Die Planungsaufträge sind vergeben.« Die Gestaltung der Kita sei bisher nicht im Stadtparlament diskutiert worden, weil es einen Architektenwettbewerb gab, den das Büro »Schaltraum« gewonnen habe. Die alte Kita an dem Standort stammt aus den Fünfziger Jahren, sei nicht mehr sanierungsfähig und müsse ersetzt werden.

Es entsteht nicht nur die größte Kita im Kreisgebiet, sondern auch die zukunftsfähigste.“

Udo Schöffmann

In Watzenborn, betont der Bürgermeister, entstehe nicht nur die größte Kita im Kreisgebiet, »sondern auch die schönste und die zukunftsfähigste Kita.«

Abends sollen Vereine in der Kita trainieren

Für die neue Kita in Watzenborn-Steinberg ist auch ein Mehrzweckraum geplant, den Pohlheimer Vereine nutzen können. Ihr Interesse haben bereits Tanzgruppen der Mollys und des TV07 Watzenborn-Steinberg angemeldet, die bisher auf dem harten Boden der Volkshalle trainieren.

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