Das Wiesnfest in Pohlheim soll stattfinden. Eine neue Empfehlung des Landes könnte den Veranstaltern aber einen Strich durch die Rechnung machen. 
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Das Wiesnfest in Pohlheim soll stattfinden. Eine neue Empfehlung des Landes könnte den Veranstaltern aber einen Strich durch die Rechnung machen. 

Wegen Coronavirus

Licher Wiesnfest wegen Coronavirus abgesagt

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Das Licher Wiesnfest wird 2020 aussetzen. Aufgrund der Entwicklungen rund um das Coronavirus wurde die Großveranstaltung abgesagt. 

Update, 16.3.2020, 15.01 Uhr: Mit Bedauern gibt die Firma Bill Event bekannt, dass das 12. Licher Wiesnfest in Pohlheim abgesagt werden muss. 

Hintergrund: Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, wurde durch die Landesregierung Hessen sowie dem Landkreis Gießen und den damit in Verbindung stehenden Gesundheitsbehörden jede Veranstaltung mit 100 Besuchern untersagt. "Als Veranstalter sind wir natürlich sehr traurig darüber, unseren Besuchern mitteilen zu müssen, dass das allseits beliebte Licher Wiesnfest nicht stattfinden kann. Die Gesundheit der Besucher sowie der Künstler und allen involvierten Mitarbeitern hat jedoch für uns oberste Priorität“, so Carsten Prill, Geschäftsführer von Bill-Event. 

Nachgeholt wird das Großereignis offenbar nicht. Denn offiziell heißt es: "Wer Karten bereits erworben hat, muss dieses Jahr nicht gänzlich auf das Licher Wiesnfest verzichten. Es besteht die Möglichkeit, das Wiesnfest in Stadtallendorf oder Gründau-Lieblos zu besuchen und die bereits erworbenen Karten für Pohlheim gegen Karten der oben genannten Veranstaltungen einzutauschen." Die Veranstaltung in Stadtallendorf findet im Zeitraum vom 04. bis 13. September statt, Gründau-Lieblos vom 18. bis 26. September. 

Die Rückgabe bereits gekaufter Tickets, die nicht für andere Veranstaltungen genutzt werden wollen, läuft über www.licher-wiesnfest-pohlheim.de.

Weitere Entwicklungen rund um das Coronavirus in Gießen und Mittelhessen finden Sie hier

Erstmeldung, 11.3.2020, 18.45 Uhr: Absage folgt auf Absage. Sechs Feuerwehrvereine haben inzwischen ihre Jahresversammlungen gestrichen, vorsorglich wegen Corona. Aus demselben Grund fallen der Biebertaler Ostermarkt und der Hüttenabend des Dünsbergvereins aus. Bei lediglich vier von 270 000 Menschen im Kreis Gießen ist das Coronavirus derzeit nachgewiesen. Auswirkungen der Angst vor dem Virus treffen jedoch Tausende.

Die Sorge geht um, mit Großveranstaltungen zur Verbreitung der Epidemie beizutragen. Bislang sind es nur Einzelfälle, in denen Veranstalter "Stopp" sagen. Noch, wohlgemerkt. Nachdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn appelliert hat, Veranstaltungen mit 1000 und mehr Besuchern abzusagen, hat ein neues Nachdenken eingesetzt. (Lesen Sie auch: Aktuelle Corona-Entwicklung in Mittelhessen)

Mit dem Wiesnfest in Pohlheim ab Ende April und der Gartenmesse La Villa Cotta in Laubach vom 17. bis 19. April stehen in den kommenden Wochen zwei Großveranstaltungen im Landkreis bevor. Nach jetzigem Stand finden beide statt.

Solange es keine behördliche Absage gibt, werde am Wiesnfest nicht gerüttelt, erklärt eine Sprecherin des Veranstalters Bill Event. Anja Hartmann, die La Villa Cotta organisiert, spricht unterdessen von Panikmache. Das Coronavirus habe nicht schlimmere Auswirkungen als eine normale Grippe. "Das Leben ist immer gefährlich", sagt sie. "Ich kann mich auch beim Nasenbohren verletzen." Die Gartenmesse sei im Freien, Besucher bewegten sich dort nicht dicht gedrängt. Selbstverständlich werde man die Gäste informieren, wie sie sich vor Corona schützen können. "Wir werden außerdem Desinfektionsmittel bereitstellen."

Aber: Seit gestern wird auch in Hessen offiziell empfohlen, publikumsträchtige Veranstaltungen einzuschränken. Nachdem ganz Italien als Risikogebiet eingestuft ist, hat das hessische Sozialministerium am Dienstag eine neue Risikobewertung vorgenommen und empfiehlt allen Organisatoren und Gesundheitsbehörden, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen. Beim Landkreis Gießen setzt man auf eine landesweit einheitliche Regelung und will am Donnerstagfrüh das weitere Vorgehen beraten. Bisher liegt die Entscheidung, ob eine Messe, ein Sportfest oder ein Markt stattfindet, beim Veranstalter und den lokalen Behörden. Sie können Auflagen machen, Teilnehmerzahlen begrenzen oder eine Veranstaltung verschieben und streichen.

Vielen Sängern der Region macht die Ausbreitung des Coronavirus bereits einen Strich durch die Rechnung: Eigentlich hätten am 3. und 4. April 1200 Menschen aus zahlreichen Chören in Wetzlar das Musical "Martin Luther King" aufführen sollen. Doch der Termin wurde auf den 17. Oktober verschoben. Man habe die Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums nicht ignorieren können, sagt Daniela Werner. Die Staufenberger Kirchenmusikerin ist eine von zwei Dirigenten für die Aufführung.

In Linden diskutieren die Organisatoren des Marienmarkts, ob dieser am letzten Märzwochenende stattfinden kann. Am heutigen Mittwochabend fällt die Entscheidung.

Verunsicherung ist im Gespräch mit Organisatoren vieler kleinerer Veranstaltungen zu spüren. Das in Laubach geplante Frühjahrskonzert "Blasmusik trifft Gospelchor" wurde in den Herbst verschoben. Die Bezirkslandfrauen planen unterdessen am 20. März ein Frühlingsevent in Gießen mit 230 Besucherinnen. Eine Frau habe ihre Teilnahme wegen Corona abgesagt, berichtet die Vorsitzende Christel Gontrum. "Aber die Veranstaltung findet statt." Man dürfe sich nicht zuhause einsperren. "Sondern das Leben leben."

Ein Sonderfall sind Jahreshauptversammlungen der Freiwilligen Feuerwehren. Sechs derartige Versammlungen sind in den vergangenen Tagen abgesagt worden, in Langgöns, Laubach, Reiskirchen, Hüttenberg, Grünberg und Allendorf/Lumda Die Entscheidung sei "als Vorsichtsmaßnahme zu verstehen", erklärt der Sprecher des Landkreises, Dirk Wingender. Im Fall einer Infektion "müsste eine große Zahl von Einsatzkräften aus einer Gemeinde zeitgleich in Quarantäne."

Und auch so mancher Ostergottesdienst im Kreis dürfte im Zeichen von Corona stehen. Der Verzicht auf Wein beim Abendmahl sei theologisch zu rechtfertigen, sagt Matthias Hartmann vom Evangelischen Dekanat Gießen. Während sich in katholischen Kirchen die Besucher während des Gottesdiensts normalerweise die Hand zum österlichen Friedensgruß reichen, wird dies in diesem Jahr wegen Corona eher entfallen. Alexandra Haustein vom Katholischen Dekanat sagt: "Die Besucher können sich friedlich in die Augen schauen."

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