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Plötzlich sind die Poller weg

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Jahrzehntelang war der Weg am Bahndamm in Launsbach für den Durchgangsverkehr mit Pollern gesperrt. Die sind jetzt weg, um für ein neues Wohngebiet eine weitere Ausfahrt zu schaffen. Eine Gefahr für Fußgänger und Radler? Denn dort gibt es weder einen Gehweg noch Laternen.

Kinder kicken dort, sind mit dem Roller oder dem Rad unterwegs. Hundehalter führen Waldi oder Hasso aus - das ist seit Jahrzehnten das prägende Bild auf dem Verbindungsweg zwischen der Lahnstraße und den Kirchgärten entlang des Bahndammes in Launsbach. Bis vor wenigen Wochen. Jetzt fahren dort auch Autos.

Das schmale Sträßchen, das offiziell noch nicht einmal einen Namen hat, ist seit diesem Frühling nicht mehr für den Durchgangsverkehr gesperrt. Die Poller sind weg, ein Abschnitt ist als Einbahnstraße ausgewiesen.

Asterweg soll entlastet werden

Der Grund: Die Öffnung des Weges soll den Asterweg entlasten, die zentrale Zu- und Abfahrt zum neuen Wohngebiet "Hinter dem Dorf".

Anlieger aus den Kirchgärten, wie Familie Steinhagen, deren Grundstück an das Sträßchen am Bahndamm angrenzt, sind nicht glücklich mit dieser Lösung. Denn gerade in den Hauptverkehrszeiten morgens und Spätnachmittags sei die ehedem ruhige Ecke jetzt gut frequentiert, berichten sie.

Bislang konnten Kinder dort unbehelligt vom Autoverkehr auf der Straße spielen oder ihre ersten Fahrversuche mit Roller, Dreirad oder Fahrrad unternehmen. Das geht jetzt nicht mehr ganz so unbeschwert. Auch wenn sich der Verkehr in Grenzen hält.

Was die Anwohner darüber hinaus wurmt: Dass es mit der Kommunikation zwischen Rathaus und Bürgern nicht geklappt hat. "Eines Tages im März waren die Poller weg, das Einbahnstraßenschild stand da", berichtet Marc Steinhagen. Warum man die Anwohner nicht wenigstens mit einem kurzen Schreiben informiert hat oder - etwas persönlicher - zu einer kurzen Anlieger-Info einmal zusammengebeten hatte, das bleibt unklar.

Jetzt, wo die Straße durchgängig befahrbar sei, werde die fehlende Straßenbeleuchtung zum Problem, befürchtet er. Gerade in der dunklen Jahreszeit könnten Fußgänger dort schnell übersehen werden. Denn einen Gehweg gibt es an dem schmalen Sträßchen nicht.

Fußgängern empfiehlt Bürgermeister Thomas Brunner auf Anfrage ohnehin den Weg "durch den schönen historischen Dorfkern".

Bei dem Weg zwischen Lahnstraße und Asterweg handelt es sich, so die Auskunft aus dem Rathaus, um eine Einbahnstraße für Pkw und Radfahrer. Letztere dürfen auch in beide Richtungen fahren. Und da es keinen Gehweg gibt, gebe es auch keine Straßenbeleuchtung.

Probleme sieht der Bürgermeister dennoch nicht. Schließlich sei die Straße kerzengerade und somit übersichtlich. Und das Verkehrsaufkommen liege ja im Bereich einer Anliegerstraße. Mit Blick auf die fehlende Beleuchtung gibt er auch Naturschutz-aspekte zu bedenken: Schließlich handele es sich beim angrenzenden Bahndamm um ein geschütztes Gebiet. Deshalb sei auch die Frage von "Lichtverschmutzung" zu bedenken. Gleichwohl will Brunner prüfen lassen, was sich in Sachen Beleuchtung machen lässt.

Ausfahrt am Friedhof?

Gäbe es denn eine Alternative zum Öffnen des Weges entlang der Bahn, um den Asterweg und die eine Zufahrt zum Wohngebiet hinter dem Dorf mit seinen rund 25 Häusern zu entlasten? Denn die Leistungsfähigkeit dieser einen Zu- und Abfahrt über den Asterweg wird als "grenzwertig" eingeschätzt.

Auch die Zufahrt über den Vorplatz des Launsbacher Friedhofs auf die Landstraße wurde geprüft. Denn dies wäre ohne Weiteres möglich. Auch da wären nur zwei Pfosten zu entfernen, um für das Wohnviertel "Hinter dem Dorf" eine zweite Zu- und Abfahrt zu erschließen, die zudem noch kürzer ist.

Bürgermeister Brunner spricht auf Nachfrage da von "schlechter Einsehbarkeit und Konflikten mit den Friedhofsbesuchern", die befürchtet werden. Ergo sei dies "aus verständlichen Gründen ... abgelehnt" worden.

Der Bürgermeister spricht bei der jetzigen Lösung von einer "gerechten Verteilung der Verkehrsströme". Die Öffnung am Bahndamm sei "bewusst erst nach der Abwicklung eines großen Teils der Baustellen" erfolgt.

Die Alternative wäre die Fahrt durch den alten Ortskern, was bis zur Öffnung auch immer wieder vorkam und wegen der engen Straßen viel gefährlicher sei. FOTO: SO

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