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Bürgermeister Dirk Haas und die Belegschaft in der Verwaltung stehen vor großen Herausforderungen. ARCHIVFOTO: JWR

Plötzlich im Krisenmodus

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Vor einer Woche ist Busecks Bürgermeister Dirk Haas aus dem Urlaub zurückgekehrt, nun ist vieles anders als zuvor. Verwaltung, Gremien und Kitas müssen neue Wege gehen - nicht nur in Buseck. Das vielleicht größte Problem seien Bestattungen, sagt Haas.

Als Dirk Haas im Februar Richtung Indien in den Urlaub geflogen ist, schien alles geregelt zu sein. Die Verwaltung arbeitet natürlich weiter, auch wenn der Chef nicht da ist, die Amtsgeschäfte des Busecker Bürgermeisters hat formal die Erste Beigeordnete Angelique Grün übernommen. Alles Routine, alles gesetzlich geklärt. Eine Woche nach Haas‘ Rückkehr, an diesem Donnerstag, sollte die Gemeindevertretung tagen. Auf der Tagesordnung stehen die Ausgestaltung von Stimmzetteln für die Kommunalwahl, die Wahl einer Schiedsperson, die Zukunft der Gemeindewerke und weitere Punkte. Der Haushalt ist beschlossen, doch Themen wie die Kita-Situation oder die Freibad-Reaktivierung harren demnächst weiterer Entscheidungen.

So wichtig und zukunftsweisend all das auch ist: Buseck hat, wie alle Kommunen zurzeit, auf einmal eine weit drängendere Herausforderung zu bewältigen als jene, die auf der Tagesordnung fürs Parlament stehen. "Ob auf dem Stimmzettel Alter und Beruf der Kandidaten stehen, ist zurzeit zehntrangig", sagt Haas. Vergangene Woche hatte noch im Raum gestanden, dass am morgigen Donnerstag ein Busecker "Notparlament" mit weniger Mitgliedern und viel Abstand entscheiden könnte. Nun ist klar: Die Gemeindevertretung vertagt sich.

"Wir werden momentan die Füße stillhalten", sagt der Bürgermeister, "da läuft nichts weg, wir haben jetzt keinen Bedarf für einen Schnellschuss". Doch wie kann sichergestellt werden, dass die Verwaltung nicht mangels Entscheidungen lahmgelegt wird? Haas rechnet für den heutigen Mittwoch mit neuen Regeln auf Landesebene, wonach Kompetenzen teilweise und befristet verlagert werden könnten, etwa von den kommunalen Parlamenten auf die Gemeindevorstände oder Magistrate. Laut Haas wird der Busecker Gemeindevorstand je nach Bedarf weiter tagen, notfalls telefonisch. In diesem Gremium ist ein Umlaufverfahren denkbar: Die Mitglieder könnten nach und nach, etwa per E-Mail, abstimmen.

In Gemeindevertretungen, die aus guten Gründen öffentlich tagen, ist das so nicht möglich. Einiges im kommunalpolitischen Tagesgeschäft, etwa Grundstücksverkäufe, könnten Bürgermeister und Gemeindevorstand auch unter Vorbehalt tätigen, sagt Haas. Die nächste Parlamentsrunde soll im Mai stattfinden. Soweit sich das heute sagen lässt.

Auch in der Verwaltung ist die Situation nun eine andere als sonst. Die Service-Zeiten sind eingeschränkt. Laut Haas arbeiten die Mitarbeiter nun im Schichtbetrieb - manche kommen früh morgens, andere arbeiten von mittags bis 20 Uhr. Der Schichtbetrieb soll vermeiden, dass Büros doppelt besetzt sind. Abstand ist auch im Busecker Schloss das Gebot der Stunde. Derzeit versuche man, die IT so auszubauen, dass die Verwaltungsmitarbeiter bald teils auch von zu Hause arbeiten können. Sowohl die Bürger als auch die Mitarbeiter seien bislang sehr verständnisvoll, sagt Haas, "ich hoffe, es hält an".

Die Organisation der Kitas stellt die Verwaltung vor weitere Herausforderungen. Werden Kinder nur dann weiter betreut, wenn beide Elternteile in einem der zurzeit besonders wichtigen Berufe tätig sind? Vergangene Woche schien es da noch keine ganz klare Linie zu geben. Auch auf einer Bürgermeister-Dienstversammlung soll, so ist aus der Kommunalpolitik zu hören, darüber energisch diskutiert worden sein.

Inzwischen gibt es laut Haas eine einheitliche Regelung: Betreut werden auch Kinder, bei denen nur ein Elternteil in einem kritischen Beruf arbeitet. Die Kita-Leitungen seien angewiesen, sich entsprechende Bescheinigungen des Arbeitgebers vorlegen zu lassen und die familiäre Situation von Fall zu Fall zu prüfen. "Da müssen wir auf die Notwendigkeit schauen", sagt der Bürgermeister.

Die Notbetreuung wird in allen Busecker Kitas angeboten, "in ganz Buseck gibt es vielleicht zehn Kinder, die es nutzen". Es gelte, die Notgruppen weiter möglichst klein zu halten, um das Infektionsrisiko zu minimieren. "Die Lage ist sehr dynamisch", fasst Haas zusammen. Angedacht sei auch, in den Kitas Angebote für die Kinder zu Hause zu schaffen, etwa mit Bastelbögen oder Büchern aus den ohnehin geschlossenen kommunalen Büchereien. Man müsse "mit pädagogischen Mitteln die Familien unterstützen".

In vielen Bereichen müssen sich Bevölkerung und Verwaltung dieser Tage an Neues gewöhnen. "Für die Menschen ist das Thema Beerdigungen am schwierigsten", so die Einschätzung des Bürgermeisters. "Die meisten anderen Sachen sind nicht so zeitkritisch, auch Trauungen können nachgeholt werden." Doch gerade bei Erdbestattungen drängt die Zeit. Und die Vorstellung, dass Trauernde vielleicht teils nicht an Beisetzungen teilnehmen können, schreckt auch Haas.

Ihm zufolge sollen die Friedhofshallen in Buseck vorerst geschlossen bleiben, Trauerfeiern draußen stattfinden. Gerade Zugereiste sollten dann Abstand halten - und man bitte Hinterbliebene darum, Todesanzeigen möglichst erst nach der Beerdigung zu veröffentlichen, um großen Andrang bei Begräbnissen zu vermeiden. Gerade bei diesem Thema werde man "mit Augenmaß vorgehen". Am Dienstag hat das Landesinnenministerium noch einmal klargestellt, dass Bestattungen und Trauerfeiern weiter möglich sind (siehe Seite 17). Allerdings müsse Abstand gewahrt werden.

Es ist nicht nur für Buseck eine schwierige Zeit - von der Wiege bis zur Bahre.

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