Blick aufs ehemalige "Geldmacher"-Grundstück, im Herbst soll es hier mit dem Bau eines Drogeriemarkts losgehen. FOTO: TB
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Blick aufs ehemalige "Geldmacher"-Grundstück, im Herbst soll es hier mit dem Bau eines Drogeriemarkts losgehen. FOTO: TB

Pläne für Fitnessstudio storniert

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Grünberg(tb). Der Abrissbagger hat ganze Arbeit geleistet, von den Gebäuden des 2004 geschlossenen Baustoffhandels "Geldmacher" ist nichts mehr zu sehen. "Im Herbst", so Projektierer Johannes Schöb auf GAZ-Anfrage, "beginnen die Arbeiten". Läuft alles nach Plan, soll schon im Frühjahr 2021 in der Göbelnröder Straße geschäftiges Treiben herrschen. Zumindest in der Filiale der Drogeriemarktkette "dm", der Bau eines Fitness-Studios aber wurde sozusagen in letzter Minute storniert.

Hatte der Investor am Montagmorgen noch gegenüber dieser Zeitung die Pläne bestätigt, die bundesweite Franchise-Kette "Clever Fit" als Mieter benannt, kam am Abend, nach der Unterredung mit seinen (Steuer-)Beratern das "Storno". Schöb: "Wir werden das Thema verschieben, bis wir die wirtschaftliche Lage besser einschätzen können."

Der Kemptener verwies auf die großen Fragezeichen hinter der konjunkturellen Entwicklung. "Aktuell stehen wir noch am Anfang der Welle, doch was, wenn sie losrollt, die Leute kein Geld mehr fürs Fitnessstudio haben?" Mit rund 40 Prozent der Investitionssumme dieses Risiko zu gehen, komme nicht infrage. Derzeit, bestätigten sich aber die Befürchtungen nicht - umso besser. Ein halbes oder ganzes Jahr später starten, darauf komme es nicht an.

Geplantes zweigeschossiges Fitnesssstudio mit einer Gesamtfläche von rund 1000 qm ist also "storniert". Nicht aber der langgestreckte Bau zur Gießener Straße hin. Auf rund 700 qm sollen hier die Kunden aus dem Sortiment von "dm" auswählen können. "Wir rechnen damit, das Objekt spätestens im Frühjahr 2021 übergeben zu können", sagte Schöb.

Rund 15 Jahre lange Vorgeschichte

Der hatte nach dem Rückzug des Grünbergers, der einen Fachmarkt für Orthopädieschuhe betreiben wollte, lange nach einem Ersatz gesucht. Optionen dafür hatte das Stadtparlament Anfang 2019 eröffnet: Beschlossener vorhabenbezogener Bebauungsplan wies nicht nur die Zweckbestimmung "Drogerie-Fachmarkt" aus, der ja nur einen Teil der Gesamtfläche von 4000 qm benötigte. Vielmehr schuf der B-Plan im unmittelbaren Anschluss Planungsrecht für zweigeschossiges Geschäftshaus. Das Spektrum legitimer Nutzungen war breit gefasst: darunter "das Wohnen, nicht wesentlich störende Handwerksbetriebe, Büro- und Praxisräume sowie ein Fitnessstudio".

Aus der Bauleitplanung erwähnt seien nurmehr die rund 60 Parkplätze sowie die beiden Ein- und Ausfahrten - eine auf die Göbelnröder Straße, eine andere in Richtung Kleingartengebiet.

Die Baugenehmigung für den Drogeriemarkt, so Bürgermeister Frank Ide dieser Tage, liege vor. Jener fürs Fitnessstudio dürfte ebenso zeitnah eintreffen, sodass es im Herbst losgehen könne - eine Aussage, die am Montagabend fürs Erste zumindest obsolet geworden ist. Zur Erinnerung: Wenn im Frühjahr 2021 die ersten Kunden im Drogeriemarkt Wattebäuschchen und anderes kaufen, wird ein rund 15-jähriger Planungsprozess seinen Abschluss finden. Denn bereits 2005 hatten Grünbergs Stadtverordnete die Aufstellung des Bebauungsplans beschlossen, um den Bereich am Ortseingang einer "städtebaulich geordneten Entwicklung" zuzuführen.

Während die Verlagerung des Edeka-Marktes auf die andere Straßenseite sowie die Vergrößerung des Lidl-Discounters relativ problemlos umgesetzt werden konnten, scheiterten mehrere Anläufe, die nach der "Geldmacher"-Insolvenz entstehende Brache zu reaktivieren. Pläne für die Ansiedlung von Fachmärkten für Elektro, Tiernahrung, Textilien und zuletzt eben für orthopädische Schuhe gingen sämtlich "in die Hose".

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