Pistole könnte für Klarheit sorgen

  • Rüdiger Soßdorf
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Gießen(so). Hat der junge Mann nicht nur eine Mitarbeiterin des Rewe-Getränkemarktes in Steinbach überfallen, sondern auch in Butzbach versucht, eine Angestellte auszurauben? Das will Richter Heiko Söhnel am Landgericht Gießen herausfinden. Angeklagt ist ein 27 Jahre alter Maurer wegen beider Überfälle, die sich binnen zehn Tagen im Juli 2018 ereignet haben. Die Tat in Steinbach hat der Mann vollumfänglich eingeräumt. Den Überfall auf die Angestellte des Rewe-Getränkemarktes in Butzbach streitet er aber ab.

Dabei seien die Tatabläufe nahezu identisch, berichtete eine ermittelnde Polizistin gestern im Zeugenstand. In beiden Fällen wurde eine Markt-Mitarbeiterin auf dem Parkplatz abgepasst, in beiden Fällen wurde eine Schreckschusspistole abgefeuert, um das Opfer zu überraschen. In beiden Fällen hatte es der Täter auf die Tageseinnahmen abgesehen. Und in beiden Fällen war der Mann vor Ort. Das ergab eine Auswertung der Handydaten. Im Falle von Butzbach nicht verwunderlich. Schließlich wohnt er ganz in der Nähe des Tatorts.

Weitere Parallele: In Steinbach wie in Butzbach ging der Räuber leer aus. In Steinbach entriss er der stellvertretenden Marktleiterin die Tasche mit deren privaten Einkäufen und erbeutete unter anderem eine Melone, Fertigsuppen und ein angebissenes Würstchen im Schlafrock. Das erhoffte Geld war schon früher am Tag zur Bank gebracht worden. In Butzbach forderte er von der Verkäuferin auf dem Parkplatz ebenfalls Bargeld und zerrte ihr dann Papiere aus der Hand: Die Tagesabrechnungen und Kassenbons. Das Geld bekam er auch da nicht. Der freimütig eingeräumte Grund für den Überfall in Steinbach: Geldnöte.

Die Schreckschusspistole, so sagt der Angeklagte, habe er schon wenige Tage nach der Tat in Steinbach in ein Gebüsch geworfen. Mit dem Überfall in Butzbach will er nichts zu tun haben. Jetzt wird die Waffe gesucht - um herauszufinden, ob die in beiden Fällen gefundenen Patronenhülsen aus der gleichen Pistole abgefeuert wurden. Mehrere Zeugen des Überfalls in Butzbach konnten den Angeklagten nicht als Täter identifizieren. Sein Gesicht hat dort keiner gesehen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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