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"Phantom" über Laubachs Friedhof

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Die Digitalisierung birgt Risiken, aber auch vielfältige Chancen. Nicht zuletzt für die Kommunen. Wie öffentliche Verwaltung effizienter gestaltet werden kann, dafür ist die Kartierung von Laubachs Friedhöfen ein Beispiel.

Mit leisem Surren entschwebt die Drohne in den Himmel über Ruppertsburg. Kurz darauf, und das 35 Zentimeter kleine Teil ist fürs bloße Auge nicht mehr auszumachen. In 100 Metern über dem Friedhof des Laubacher Stadtteils stoppt Usman Ahmad ihren Drang zu Höherem - theoretisch könnte sie noch gut fünf Kilometer weiter, nach deutschem Gesetz aber ist bei 100 Metern Schluss.

Ahmad, studierter Geograph und Mitarbeiter des Pohlheimer Unternehmens Kommunal Consult Becker, hat die Lizenz zum Fliegen mit sogenannten UAVs. Die Abkürzung steht für Unmanned Aerial Vehicle, unbemannte Fluggeräte. Firmen bieten eigens Lehrgänge zum Erwerb des "Drohnen-Führerscheins" an.

Ahmad steuert eine "Phantom 4", so die Typbezeichnung des unbemannten Fluggeräts. Ein kleiner schwarzer Kasten, die Basisstation, holt sich das GPS-Signal für die nötige Orientierung. "Die Lageabweichung beträgt nicht mal vier Zentimeter." Auf der Unterseite der Drohne sitzt eine kleine Kamera. Doch mit einer erstaunlichen Bodenauflösung von 3,5 Zentimetern bei besagter Flughöhe.

"Sie können damit das Unkraut zwischen Pflastersteinen erkennen", sagt Thomas Becker, Geschäftsführer von KC Consult. Für den Einsatzzweck der "Phantom" an diesem Morgen passen die 100 Meter. Viel weniger allerdings wäre wegen der gut 15 Meter hohen Bäume auf dem Ruppertsburger Friedhof ein Problem. Braucht es doch den Überblick für die perfekte Nachbearbeitung der Daten, für das Zusammenführen der Einzelaufnahmen.

Der Hinweis, dass die Software des Systems die Erdkrümmung herausrechnet, möge am Ende des (laienhaft erklärten) Technikparts stehen.

Kosten liegen bei rund 10 0000 Euro

Öffentliche Verwaltung sollte die Vorteile der Digitalisierung nutzen, betont Becker. Nicht zuletzt für die effiziente, kostensparende Bewirtschaftung kommunaler Infrastrukturen, mithin für die Friedhöfe. "Da hängt ja auch eine Gebührenkalkulation dran."

In Laubach gibt es neun Friedhöfe. Als 1984 letztmals alle kartiert wurden und daraus Papierpläne im DIN-A1-Format entstanden, hatten sich noch Vermesser auf den Weg gemacht. Ein zeitaufwendiges, vergleichsweise teures Unterfangen. Dafür brauchten die Pohlheimer jetzt gerade mal einen Tag.

Für Andreas Stuff, Leiter des Laubacher Hauptamtes, sprechen auch ganz praktische Gründe für die digitale Alternative. Gab es bisher Veränderungen auf einem Friedhof, etwa die Anlage von Rasengräbern, wurde das schon mal per Hand mit Stift und Pritt-Kleber auf den Plan übertragen. "Nicht gerade State of the Art".

Zudem, so weiter Stuff, wichen die (alten) Unterlagen des Öfteren von der Realität ab. Da könne es schon mal vorkommen, dass geplante Erweiterung um ein Gräberfeld gar nicht möglich war, weil ein Weg anders als auf dem Papier angelegt wurde. "Mag sein, dass ein Baum im Weg stand." Dieserart Hindernisse dürften bei künftigen Planungen, etwa für (anonyme) Rasengräber oder eine Urnenwand, nicht mehr auftauchen.

Dank digitaler Kartierung und Verknüpfung mit den Datensätzen der städtischen Friedhofssoftware sind nun für jedes Grab die Koordinaten am Bildschirm abzurufen. "Wie lange dauert die Ruhefrist" ist nur eine Frage, die viel leichter zu beantworten ist. "Mit der Kartierung besitzen wir eine sichere Basis für die künftige Friedhofsverwaltung", lautet das Fazit Stuffs. Die Kosten gibt der Amtsleiter mit rund 10 000 Euro an, wovon das Land jedoch aus dem Programm "Starke Heimat" einen Anteil von 75 Prozent fördere.

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