Wirkt wie ein Hotel, ist aber das neue Seniorenzentrum Am Limes in Hungen. Am Dienstag ziehen die ersten Bewohner ein, am Freitag stellte Geschäftsführerin Sabine Ammon einem kleinen Besucherkreis die Einrichtung vor. FOTO: US
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Wirkt wie ein Hotel, ist aber das neue Seniorenzentrum Am Limes in Hungen. Am Dienstag ziehen die ersten Bewohner ein, am Freitag stellte Geschäftsführerin Sabine Ammon einem kleinen Besucherkreis die Einrichtung vor. FOTO: US

Pflege à la carte

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Es wirkt wie ein behagliches Hotel und arbeitet nach einem ungewöhnlichen Konzept: Im neuen Seniorenzentrum Am Limes in Hungen können die Bewohner ihre Pflegeleistungen ganz individuell auswählen.

Den neuen Bewohnern, die nächsten Dienstag im Seniorenzentrum Am Limes erwartet werden, kommt eine besondere Rolle zu. Sie sind die ersten, die in das funkelnagelneue Haus einziehen. Und sie tun das in einer besonderen Zeit. "Gerade ältere Menschen trifft die Corona-Krise besonders hart", weiß Sabine Ammon. Sie ist die Geschäftsführerin der neuen Einrichtung, die sie mit ihrem Team behutsam und Schritt für Schritt aufbauen möchte.

Wegen des Lockdown mussten in den vergangenen Wochen etliche Besichtigungssonntage abgesagt werden. Auch das geplante Einweihungsfest kann nicht stattfinden. Stattdessen führte Ammon am Freitag eine handverlesene Besuchergruppe aus Politik und Verwaltung durch das neue Seniorenzentrum, das über 71 Apartments verfügt und von der Onesta Holding GmbH nach einem innovativen Konzept betrieben wird: Pflege à la carte.

Soviel kann man wohl sagen: Die Besucher zeigten sich durchweg beeindruckt. Die Fußböden in Holzoptik, die bunten Ohrensessel und die Möbel im modernen Landhausstil erinnern eher an ein behagliches Hotel als an ein Altenheim. Wobei "Heim" für die neue Einrichtung in Hungen nicht das richtige Wort ist. "Wir gelten als Altenwohnanlage", sagte Ammon auf Nachfrage. Weil zur Einrichtung aber auch ein ambulanter Pflegedienst und eine Tagespflege gehören, bekommen die Bewohner hier auch die Pflege, die sie in ihrer speziellen Situation wünschen und brauchen.

Mit allen Mietern der Apartments schließt der Betreiber nach eingehenden Gesprächen einen Vertrag über individuell vereinbarte Leistungen ab. Einen festen Pflegesatz gibt es nicht. "Bezahlt werden nur die tatsächlich erbrachten Leistungen", erläuterte Ammon. Heißt konkret: Wer das Rundum-Sorglos-Paket möchte, bekommt es, frisch gekochte Mahlzeiten, Tagespflege, Wäsche- und Reinigungsservice inklusive. Wer sein Essen lieber selbst zubereitet, kann das in der eigenen Pantry-Küche tun. Wer gerne lange schläft, bekommt die Körperpflege zum gewünschten späteren Zeitpunkt. Und wer einen externen Pflegedienst beauftragen möchte, kann auch das machen. "Die Leute, die hier wohnen, entscheiden über das Was, Wann, Wo und Wie", sagt Ammon. Wegen dieser Flexibilität könne sie auch Fragen nach den Kosten nicht beantworten. "Jeder zahlt was anderes." Die Preise seien aber mit denen in vollstationären Einrichtungen vergleichbar. "Eher etwas niedriger."

Klar strukturiert ist die Tagespflege mit insgesamt 70 Plätzen. Es gibt einen Bereich für Menschen mit Demenz, in dem die Pflege einen hohen Stellenwert hat. Im Senioren-Treff nebenan gehe es eher um Freizeitgestaltung, um gemeinsames Kochen und Backen, um Gespräche, um Aktivitäten. "Heute hatte ich einen schönen Tag", mit diesem Gefühl sollen die Leute abends nach Hause gehen", sagt Ammon. Wobei "zu Hause" nicht unbedingt eines der Apartments in den oberen Stockwerken sein muss. Auch externe Besucher sind willkommen. Tageweise, wochenweise oder auch übers Wochenende, je nachdem, wie der Bedarf in den Familien gerade ist. Einen Fahrdienst gibt es auch.

Langsam beginnen

Momentan aber ist an eine Umsetzung dieses offenen Konzepts nicht zu denken. Solange die Bedrohung durch Sars-CoV-2 besteht, werde man die Tagespflege auf die Bewohner beschränken, die der Betreuung bedürfen, sagt die Geschäftsführerin. Und auch das schicke Bistro im Eingangsbereich werde erst seinen Betrieb aufnehmen können, "wenn der Spuk vorbei ist" und dem Virus mit einem Impfstoff Einhalt geboten werden kann.

Auch in normalen Zeiten wäre das Seniorenzentrum nicht von Null auf Hundert hochgefahren worden, berichtet die Geschäftsführerin, die auf Erfahrungen mit einer nach dem gleichen Konzept arbeitenden Einrichtung in Wetzlar zurückgreifen kann. "Am Anfang herrscht immer Tohuwabohu. Man muss sich Zeit nehmen, bis die Dinge sich eingespielt haben." Diese Geduld, davon ist Ammon überzeugt, zahlt sich aus. "Wer sich einen schlechten Ruf einhandelt, wird den nicht mehr los." Vor dem größten Problem der Branche, dem Pflegenotstand, fürchtet sie sich jedenfalls nicht. Es gebe ausreichend Personal und viele Bewerbungen: "Wer hier mal drin war, findet das wohl ganz nett."

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