Vier Familien auf einem Hof

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Früher waren es drei Grundstücke, heute ist es eins. Das Anwesen in der Weidegasse 9 bis 11 in Langsdorf bietet auf 1500 Quadratmetern vier Familien Platz. Gemeinsamer Treffpunkt ist nicht selten der inmitten der sieben Gebäude liegende Hof, und der steht am Sonntag auch für interessierte Besucher offen.

Wein rankt sich am Fachwerk empor. Darunter blüht in leuchtendem Blau der Lavendel. Zwei Stühle laden zum Verweilen ein. Daneben plätschert Wasser in einen alten Futtertrog. Gefäße wie dieses finden sich einige auf dem Hof in der Langsdorfer Weidegasse, die meisten bestückt mit blühenden Pflanzen. Aber auch anderes erinnert an frühere Zeiten. Ein alter Ofen etwa, eine Backform aus Gußeisen oder das Schild, das über den ehemaligen Stallungen hängt: Schmiedemeister Walter Rühl steht darauf. Seine Nachkommen leben mittlerweile mit ihren Kindern, teils sogar schon Enkeln, hier im alten Ortskern. Vier Familien, drei Generationen, ein Anwesen. Wenn es am Sonntag im Licher Stadtteil zum dritten Mal heißt "Mach dej Gärde un Heeb off", dann sind auch die Familien Rühl und Ebert wieder mit von der Partie.

Mehr noch. Die dritte Auflage der Veranstaltung beginnt auf ihrem Hof und zwar mit einem Taufgottesdienst. An die 100 Besucher werden erwartet. "Stühle und Bänke sind schon geordert", sagt Alexander Ebert. Neben dem Hof seiner Familie stehen drei weitere offen, außerdem vier Gärten. Ins Leben gerufen hatte die Veranstaltung 2015 Petra Roth. Damals wurde in Langsdorf gerade "Zehn Jahre Dolles Dorf" gefeiert. Für Roth ein willkommener Anlass. "In Norddeutschland öffnen Privatleute häufig ihre Gärten für die Öffentlichkeit. Das fand ich toll und wollte so etwas auch für hier", erzählt sie. An normalerweise nicht zugänglichen Plätzen sollen sich die Besucher deshalb an diesem Tag umschauen dürfen und verweilen.

Beides kann man gut in der Weidegasse 9 und 11. Liebevoll haben Jutta Ebert und ihr Bruder Roland Rühl mit ihren Familien die historischen Gebäude in viel Eigenleistung saniert, einiges um- und anderes neu gebaut. Abends und am Wochenende wurde viel gearbeitet. "Sonntage kenne ich eigentlich nicht", sagt Alexander Ebert. Seinem Schwager ist das 4,80 Meter hohe Tor aus massiver Douglasie zu verdanken, das seit vier Jahren das Entrée zum Grundstück bildet. "Ich bin durch die Dörfer gefahren und habe mir Anregungen geholt", erzählt Rühl. Als Vorbild diente dem ausgebildeten Schreiner ein Tor aus der Muschenheimer Hessengasse. Drei Monate hat der Langsdorfer an der Holzkonstruktion gearbeitet, die mit ihren Schnitzereien und Inschriften heute ein Blickfang in der Straße ist.

Roland Rühl lebt im ältesten der insgesamt sieben Gebäude, die im Carré um den großen Innenhof stehen, der häufig Treffpunkt für alle ist. Die Weidegasse 9, gebaut im Jahr 1670, ist allerdings nicht das Elternhaus der Geschwister, es wurde von ihrem Vater vor vielen Jahren gekauft, ebenso wie ein weiteres angrenzendes Grundstück in der Lugge.

Aufgewachsen sind Jutta Ebert und Roland Rühl in der Weidegasse 11, die wegen Schwammbefalls aber einem Neubau weichen musste. Heute wohnt die jüngere Tochter von Jutta und Alexander Ebert dort. Gleich dahinter befinden sich die ehemaligen Stallungen, wo mittlerweile eine Hoftoilette untergebracht ist und darüber – einst das Büro des Schmiedemeisters – das kreative Reich der Hausherrin. Die traditionellen Quiltarbeiten, die Jutta Ebert dort zaubert, stellt sie am Sonntag aus.

Nebenan haben sie und ihr Mann 1985 eine der alten Scheunen abgerissen und neu gebaut, angrenzend wohnt über der früheren Schmiede ihre ältere Tochter mit Familie. Mit der Schreinerei von Roland Rühl, die daran angrenzt, schließt sich das Carré auf dem rund 1500 Quadratmeter großen Grundstück.

Und wie funktioniert das gemeinsame Leben auf dem Hof? "Eigentlich sehr gut", sagt Jutta Ebert. "Aber natürlich muss man sich arrangieren." Heißt konkret: Rücksicht auf die anderen nehmen. Nicht so laut Musik hören, wenn einem am frühen Sonntagmorgen danach ist. Und anderweitig Abstriche machen. So, wie früher eben. Sie selbst ist es nicht anders gewohnt. Denn weg von zu Hause wollte die 53-Jährige nie. Ihren Kindern geht es ebenso. Platz ist noch da, ein Ausbau einer noch vorhandenen Scheune möglich. Der neunjährige Enkel hat bereits Bedarf angemeldet.

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