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Bürgermeister Frank Ide und Amtsleiter Gerhard Schildwächter mit den Kolleginnen vom Bürgerbüro.

»Persos« statt Paillettenkleider

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Grünberg (tb). Das Schild »Mode für Sie« hängt noch an der Fassade. Doch der Schein trügt, schon im Vorjahr hat die Boutique an der Ecke Marktplatz/Barfüßergasse zugesperrt. Statt »Mode für Sie« gibt es jetzt »Persos«, Pässe, Meldebescheinigungen - und das für beiderlei Geschlecht. Vom Ober- ins Erdgeschoss des Stadthauses umgezogen nämlich ist Grünbergs Einwohnermelde- und Passamt.

40 000 Euro: Elektrik als Preistreiber

»Ein abgespecktes Bürgerbüro«, wie Rathauschef Frank Ide bei der Eröffnung am Freitag sagte. Für mehr, also das andernorts übliche komplette Spektrum an Dienstleistungen, ist in den Räumen kein Platz. Dennoch freute sich der Bürgermeister: Schließlich sei ein Wunsch in Erfüllung gegangen, den er vor 15 Jahren schon geäußert, dafür aber nie eine Mehrheit gefunden habe (Hauptargument war, ein Laden in 1A-Lage nicht zu »opfern«, die Red.).

Nicht gelten ließ Ide auch das Argument der Gegner, wonach die Digitalisierung über kurz oder lang dieserart Dienstleistung überflüssig machen werde. Gerade im ländlichen Raum, war er sich mit Fachbereichsleiter Gerhard Schildwächter einig, begehrten die Bürger weiterhin eine persönliche Ansprache. Daran werde selbst das 2022 umzusetzende Online-Zugangsgesetz nichts ändern. Als Beispiel nannte der Verwaltungschef die Beantragung eines Personalausweises, für den ein Fingerabdruck zu erfassen ist.

Pass- und Meldeamt einer Kommune sind mehr als andere Abteilungen gefragt. Doch war es in Grünberg eben für Menschen mit Handicap oder Mütter mit Kinderwagen nur über die Treppe zu erreichen. Zur Not verabredete man sich im Rathausfoyer nebenan. Damit ist es jetzt vorbei, der Zugang in die hellen, freundlichen Räume ist sogar - dank einer kleinen Rampe - komplett barrierefrei.

Vier Arbeitsplätze sind in dem Büro eingerichtet, sogar ein Platz für einen Azubi findet sich hier. Weiterer Vorteil: Mit dem Zugewinn parterre ließ sich die angespannte »Büro-Situation« entzerren, im Obergeschoss etwa gibt es jetzt erstmals einen Pausenraum. Erinnert wurde an dieser Stelle an frühere Diskussionen, den Raummangel mit der Nutzung des Brauhauses zu beheben. Das aber hätte - neben Rat- und Stadthaus - einen dritten Verwaltungsstandort bedeutet. Nicht gut, waren sich da Ordnungsamtsleiter Schildwächter und Bürgermeister Ide einig. Zu den Kosten: Ebenso wurde diese Baustelle am Ende mit rund 70 000 Euro teurer als gedacht, was vor allem an der notwendigen Komplettsanierung der Elektrik gelegen haben soll, die allein mit 40 000 Euro zu Buche schlug. Dass dies eine langfristige Investition sei, das betonte Ide hernach. Und das auch, sofern wegen vermehrter Onlinenutzung das Bürgerbüro weiter »abgespeckt« werden sollte: »In diesem Fall«, so Ide, »würden wir eventuell andere Dienstleistungen hierher verlagern.« Nur: Für die an sich ideale Kombination mit dem Tourismusbüro fehle der Platz, dieses bleibt daher samt Empfang im Rathausfoyer.

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