Ein FFP-2 Mund-Nasenschutz liegt in einem Klassenraum auf einem Tisch.
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Ab kommenden Montag, 22. Februar 2021, soll an den hessischen Schulen für manche Jahrgänge der Präsenzunterricht wieder aufgenommen werden. Der Gesamtpersonalrat der Lehrer hat sich nun mit einem offenen Brief an den Kultusminister gewendet und Kritik geübt.

Offener Brief an den Kultusminister

Lehrer kritisieren die Wiederaufnahme des Unterrichts an den Schulen

  • vonRedaktion
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Der Gesamtpersonalrat der Lehrer beim Staatlichen Schulamt übt in deutlichen Worten Kritik an der teilweisen Wiederaufnahme des Unterrichts für die Klassen eins bis sechs ab dem kommenden Montag.

Gießen – Die Schulen seien angesichts der Pandemie nach wie vor »personell und materiell unzureichend ausgestattet«, erklärt der Personalrat, der mehr als 4000 Lehrer im Kreis Gießen sowie im Vogelsberg vertritt, in einem offenen Brief an Kultusminister Prof. Alexander Lorz. »Wir vermissen Anerkennung unserer Arbeit und Achtung der Bedürfnisse der Schüler.« Diese hätten ein Recht auf qualitativ hochwertigen Unterricht und - wie die Lehrkräfte - einen Anspruch auf Schutz vor einer Infektion.

Schulöffnungen: Personalrat der Lehrer bemängelt Versäumnisse beim Schutz von Schülern und Lehrern

Auch nach einem Jahr mit Corona habe der Einbau von Lüftungssystemen an Schulen so gut wie nicht stattgefunden. Die sorgsame Trennung der Kinder und Jugendlichen in kleinere Gruppen finde ihre Grenze auf dem Schulweg. »Im Schulbus sitzen die Schüler weiterhin bunt gemischt eng beieinander.« Der Gesamtpersonalrat bemängelt, dass FFP2-Masken an Schulen bisher nicht vorgeschrieben, sondern lediglich empfohlen sind. Der Handlungsspielraum gegenüber Schülern, die Masken nicht richtig tragen können oder wollen, sei gering.

Mangelhaft sei weiterhin an vielen Schulen die IT-Ausstattung, die keine synchrone Übertragung aus dem Klassenzimmer nach Hause erlaube.

Offener Brief an den Kultusminister: Hoher Arbeitsaufwand, verletztes Selbstverständnis der Lehrer

Daher weiche man für den Tele-Unterricht oft auf den Nachmittag aus, wenn die Leitungen weniger genutzt werden. »Eine massive Ausweitung der Arbeitszeit bis in den späten Abend ist die Folge. Auch das ist auf Dauer nicht mit geltenden Arbeitsschutzbestimmungen vereinbar.«

Die Lehrer machen in dem offenen Brief deutlich, dass sie sich in ihrem Selbstverständnis verletzt sehen. Die Aufforderung einiger Schulleitungen, es mit dem Unterricht und den Korrekturen nicht so genau zu nehmen, zeige, worauf es bei der Schulöffnung ankomme: »Nicht auf qualitativ hochwertigen Unterricht durch Fachkräfte, sondern auf Betreuung der Kinder durch Aufsichtspersonal.« Der Arbeitsaufwand liege indes weit über dem Normalzustand - »umso mehr, wenn sie als Klassenlehrer noch Beratung, Hilfe und - nicht selten - Seelsorge per Telefon machen müssen.« Die Lehrer »bräuchten tatkräftige Unterstützung statt praxisferner Erlasse«.

Wiederaufnahme des Unterrichts: Das fordert der Personalrat der Lehrer für die Schulen

Es gehe nicht um mehr Geld oder Sonderrechte, betont der Personalrat. Er fordert unter anderem eine verbesserte digitale Ausstattung, kostenfreie FFP2-Masken für alle Lehrer und Schüler pro Präsenztag, eine verbindliche Regelung für den Umgang mit Maskenverweigerern, tägliche Schnelltests für alle Erzieher und Lehrer, praktikable Vorschläge zur Einhaltung der vorgeschriebenen Pausenzeiten beim Tragen von Masken, mehr und häufiger fahrende Schulbusse und ein Konzept für Schüler, die abgehängt wurden.

Vor allem fordert der Personalrat »klare, durchdachte, verlässliche und verständliche Anweisungen für den Umgang mit der Pandemie statt unverbindlicher Empfehlungen«.

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