»Der Personalmarkt ist umkämpft«

  • vonPatrick Dehnhardt
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Als Erste-Hilfe-Ausbilder und Rettungssanitäter hat er einst angefangen, nun sitzt Oliver Meermann im Landesvorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe. Im Interview spricht der 51-jährige Laubacher über die Herausforderungen, die Corona mit sich bringt, und die angespannte Personalsituation im Pflegebereich.

Herr Meermann, wie hat sich die Arbeit des Rettungsdienstes durch die Pandemie verändert?

Die ohnehin anstrengende Arbeit im Rettungsdienst wird durch die Pandemie weiter erschwert. Im ersten Lockdown im Frühjahr haben sich die Einsatzzahlen etwas reduziert, da es weniger Verkehrsunfälle gab und geplante Operationen verschoben wurden. Seit dem Herbst ist jedoch ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen, da sich mehr Menschen infizieren, ins Krankenhaus müssen oder von einer Klinik in eine andere verlegt werden.

Und dann ist da ja auch noch das Arbeiten in Schutzkleidung...

Ja, die zusätzliche Belastung durch die Arbeit im Vollschutz mit Kittel, Handschuhen und Maske kommt da hinzu. Die aufwendige Desinfektion der Fahrzeuge und Geräte kommt auch noch hinzu. Zudem unterstützen unsere Mitarbeiter die Test- und Impfzentren und sind mit mobilen Test- und Impfteams im Einsatz.

Was bedeutet die Pandemie für die Alten- und Pflegeeinrichtungen der Johanniter?

Unser Personal in den ambulanten Pflegediensten ist genauso gefordert wie unser Rettungsdienst. Unsere Tagespflege in Buseck etwa mussten wir aufgrund des Lockdowns im Frühjahr zeitweise schließen und konnten nur eine Notbetreuung anbieten.

Hat sich die Lage dort mittlerweile wieder entspannt?

Wir können noch immer nicht so viele Tagespflegegäste aufnehmen wie gewohnt. Das bedeutet für uns natürlich finanzielle Einbußen, schlimmer trifft es jedoch die Tagespflegegäste und ihre Familien. Die Familien sind auf die Entlastung angewiesen, und unsere Pflegegäste vermissen die Gemeinschaft und das gewohnte Miteinander.

Man sagt, die Pandemie wirkt wie ein Brennglas und zeigt die schwelenden Probleme in aller Deutlichkeit. Bei Ihnen auch?

Ja, die Pandemie hat den Fachkräftemangel noch einmal deutlicher gemacht. Der Personalmarkt im Rettungsdienst ist seit Jahren hart umkämpft. Das Notfallsanitätergesetz und die daraus resultierenden längeren Ausbildungszeiten, in denen wir das Personal nicht voll einsetzen können, haben die Situation noch verschärft. Das Interesse an der Arbeit im Rettungsdienst ist jedoch hoch, die jungen Leute wollen Notfallsanitäter werden.

Also gibt es mehr Interessenten als Plätze?

In Mittelhessen haben wir auf elf Ausbildungsplätze nicht selten zwischen 140 und 180 Bewerberinnen und Bewerber. Es ist jedoch so, dass jeder Verband nur eine gewisse Zahl an Notfallsanitätern ausbilden darf.

Im Bereich der Pflege ist es jedoch eher umgekehrt, oder?

Da ist die Lage sehr angespannt. Wir könnten deutlich mehr Pflegekunden betreuen, wenn wir mehr Personal hätten. Hier hoffen wir, dass die neue generalistische Pflegeausbildung dazu führt, dass sich mehr junge Menschen für eine Ausbildung in der Pflege entscheiden.

Man muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass der Pflegebedarf in Zukunft noch einmal steigen wird.

Das stimmt, der Bedarf ist jetzt schon hoch und wird weiter steigen. Die Menschen werden immer älter und benötigen daher auch mehr Unterstützung. Früher fand das eher im Familienverband statt. Es war ja oft auch so, dass sich die Frauen um Haus und Kinder gekümmert haben, da haben sie auch die Betreuung der älteren Angehörigen übernommen. Heute wohnen und arbeiten die wenigsten noch in ihrem Geburtsort. Viele zieht es berufsbedingt in die größeren Städte, da kann man sich nicht mehr so um seine Angehörigen kümmern, wie das vielleicht noch vor 20 Jahren der Fall war.

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