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Besucher tanzen vor allen neun Bühnen wie hier in der Krokelstraße.

Die Party ist eröffnet

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Die Golden Oldies entführen in Krofdorf-Gleiberg seit Freitag wieder Tausende Besucher in die Musik und das Lebensgefühl der 50er, 60er und 70er Jahre.

Als am Abend die Musik auf den Bühnen einsetzt, zieht hin und wieder ein sanfter Windhauch durch Krofdorf-Gleiberg. Und doch will die Hitze nicht weichen. In der Turnhallenstraße finden die Monotypes derweil den perfekten Song, um ihr Konzert - und die Golden Oldies - zu eröffnen: "It’s a hard day’s night" von den Beatles. "Willkommen in unserem Wohnzimmer", ruft der Sänger anschließend ins Publikum. "Oder sagen wir besser: "Willkommen in unserer Sauna."

Die Oldiefete hat am Freitag zum 30. Mal begonnen. Neun Bühnen, mehr als 50 Livebands und zahlreiche Oldtimerfahrzeuge locken nach Wettenberg. Tausende Menschen flanierten am Freitag durch die Hauptstraße, viele stilecht in selbstgeschneiderten Petticoats, und musterten knallbunte Chevys und glänzende Karosserien der vergangenen Jahrzehnte.

Durch das Getümmel tänzelte auch Heinz Rötting. "Wie es hier heute in Wettenberg aussieht - so hat meine Jugend ausgesehen", sagte der 72 Jahre alte Schleswig-Holsteiner. Dann erinnerte er an eine Zeit, als Rock’n’Roll vor allem eines bedeutete: Rebellion. Die Eltern hätten ihm damals die Musik verboten, erzählte er. Mehrfach sei er als Jugendlicher daher nach Hamburg gereist, um in den "Star-Club" zu gehen. "Ich habe dort Jerry Lee Lewis gesehen. Für Ray Charles habe ich 20 Mark ausgeben. Ein Vermögen." Einmal habe er den "Star Club" betreten, da habe auf der Bühne ein Mann gerade "Be bop a lula" angestimmt. "Der singt ja wie Gene Vincent", habe Rötting laut vor sich hin gesagt. "Ein Mann neben mir hat dann geantwortet: Das ist Gene Vincent."

Am frühen Abend waren die Plätze vor den Bühnen des Festivals etwas leerer als sonst, zweifellos auch aufgrund der Hitze. Als es dunkel wurde, füllten sich dann aber die Gassen wieder wie gewohnt.

Auf dem Sorguesplatz saßen unterdessen drei Frauen in Petticoats bei einem Bier zusammen. Aus Thüringen sind sie nach Wettenberg angereist. "Ich bin zum zehnten Mal hier, weil ich meine verlorene Jugend nachholen will", sagte Viola Hecht, die aus der Nähe von Eisenach kommt. In der DDR sei Rock’n’Roll ja verboten gewesen.

Ihre Freundin Martina Kempf erzählte, sie habe in der DDR Anfang der 80er Jahre über drei Ecken heimlich eine Schallplatte von Joe Cocker bekommen. "Ein Kupel hat die Platte dann aber im heißen Auto liegen lassen", erinnerte sich Kempf. "Sie hat dadurch Wellen bekommen." Die Musik habe daher viele Ausseher. gehabt Aber ich habe die Platte trotzdem laufen lassen."

Vor allem sind die Golden Oldies ein traditionelles Familientreffen, auf dem sich Freunde und Bekannte zum Schwatzen, Trinken und Lachen treffen. Gleichzeitig schlendern indes auch Besucher durch das Treiben, die sich zu Liedern bewegen, die sie einst nicht hören durften. Auf die Frage, ob man bei den Golden Oldies etwas verbessern könnte, sagte Besucherin Pia Floß schmunzelnd: "Vielleicht könnte es im nächsten Jahr nicht mehr so warm sein."

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