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Paris - Blasbach - Krofdorf - Warschau

  • Rüdiger Soßdorf
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Die Bundesstraße 49 im Lahntal wird zwischen Gießen und Wetzlar täglich von 28 000 bis 30 000 Autos befahren und verbindet via A 480 und B 429 die Autobahnen 5 und 45. Parallel zur B 49 sollte zwischen Blasbach und Krofdorf eine Autobahn gebaut werden. Die Idee ist längst begraben. Teilstücke, Rampen und Tunnel gibt es noch.

Es waren die euphorischen 1970er Jahre, erinnert Eugen Reichwein lächelnd an Pläne, eine Autobahnverbindung von Montabaur durch den Westerwald bis nach Gießen zu schaffen. Seinerzeit entstand auch das große Wetzlarer Kreuz. Das einzige Autobahnkreuz Deutschlands übrigens, das mit seinen direkten Rampen wie ein Malteserkreuz angelegt ist, verweist Reichwein auf eine Besonderheit. Als Regionaler Bevollmächtigter für Westhessen bei der Landesverkehrsbehörde "Hessen mobil" kennt er die Straßen und ihre Geschichte wie kaum ein anderer.

Die große Autobahn durch den Westerwald wurde nie gebaut. Ebensowenig der Lückenschluss zwischen der A 45 bei Blasbach und dem Ausbauende der A 480 im Gleiberger Feld in der Gemarkung Wettenberg. Bei Blasbach endet die Autobahn im Nichts. Tunnel führen noch unter der breiten Trasse hindurch, etwa ins Mehlbachtal zu Freizeitgrundstücken und einem riesigen Steinbruch. Nahe Krofdorf endet die A 480 am Umspannwerk. Die beiden Tunnel nahe Blasbach und die Straßenstummel blieben in der Landschaft erhalten. Letztere werden von der Straßenmeisterei teils als Lager genutzt. Metallgitter versperren die Zufahrt.

Denn ein Abriss respektive Rückbau würde hunderttausende Euro kosten, erläutert Reichwein. So werden die Bauwerke nur alle drei respektive sechs Jahre geprüft. Die einfache Prüfung schlägt mit 1000 Euro zu Buche, die große Bauwerksprüfung alle sechs Jahre kostet rund 6000 Euro. Ein aufwändiger Abriss stünde dazu in keinem Verhältnis.

Den geplanten Lückenschluss über neun Kilometer zeigt bis heute die Benennung: Beide Autobahnteilstücke - jenes vom Gießener Nordkreuz bis Wettenberg und jenes bei Blasbach - tragen die Bezeichnung A 480. Berechnungen zufolge hätte eine durchgehende A 480-Verbindung die Fahrzeit um rund drei Minuten verkürzt. Doch der Preis wurde als zu hoch angesehen. Der Weiterbau zwischen Blasbach und weiter im Norden von Waldgirmes, Dorlar, Atzbach und Kinzenbach bis Krofdorf- wurde nicht mehr vollzogen, weil es einen zu starken Einschnitt in Natur und Landschaft bedeutet hätte. Womöglich hätte es sonst Auseinandersetzungen geben können, wie man sie heute beim Weiterbau der A 49 erlebt. Denn in den Ortschaften hatte sich schnell Widerstand formiert, organisiert in der ""Aktionsgemeinschaft zur Verhinderung des Baues des Autobahnteilstückes Wetzlarer Kreuz - Krofdorf". Die Argumentation der Gegener: Dass die A 480 keine Entlastung für den Ost-West-Verkehrs bringe, genauso wenig wie eine bessere Anbindung Mittelhessens ans Fernstraßennetz. Wegen des ungünstigen Bodenprofils werde die Straße unverhältnismäßig teuer. Ins Feld geführt wurden zudem "fatale Folgen für das Klima sowie die Zerstörung eines Landschaftsschutzgebiet und einen wichtigen Naherholungsraums". Unterstützung erhielten die A 480-Gegner von der damaligen rot-grünen Landesregierung unter der Führung von Hans Eichel (SPD). Das Nein zu diesem Autobahnprojekt stand im Koalitionsvertrag.

In einem Brief an den Bundesverkehrsminister Günter Krause (CDU) Anfang der 1990er verwies die Aktionsgemeinschaft darauf, dass die Trasse "auf dem ökologischen Wissensstand der 50er Jahre" basiere. Die Gegner sprachen von einem "längst totgeglaubten Fernstraßenprojekt". Eine Funktion als Teil der Magistrale Paris-Warschau sei von der "Sauerlandlinie" (A 45), der B 49 zwischen Gießen und Wetzlar und dem "Gießener Ring" mit Anbindung an die Autobahn Kassel-Frankfurt (A5) übernommen. Mittelhessen sei ohnehin schon überdurchschnittlich von Fernstraßen durchzogen.

Doch sollte es bis ins Jahr 2015 dauern, bis die Pläne endgültig offiziell ad acta gelegt wurden. Das geschah im Bundesverkehrswegeplan, der regelmäßig eine Überprüfung und alle 15 Jahre Fortschreibung erfährt.

Heute gibt es die relativ leistungsfähige Bundesstraße 49 im Lahntal, so Eugen Reichwein. Zwischen Gießen und Wetzlar ist sie zudem vierspurig. Und es gibt Pläne, dort zusätzlich Standstreifen anzulegen, um die Strecke noch sicherer zu machen. Dort sind immerhin 28 000 bis 30 000 Fahrzeuge im Tag unterwegs.

Auch das Wetzlarer Kreuz soll im Zuge des Ausbaues der A 45 als Knotenpunkt umgebaut werden. Entweder dauerhaft oder als Provisorium. Aber es ist nötig, da die A 45- und B 49-Anschlüsse sind nicht leistungsfähig genug sind. Denn es wird ab dem Jahr 2027 eine Umleitungsstrecke gebraucht, wenn in Wetzlar Ersatz für die Hochstraße (B 49) geschaffen wird.

Nahe Blasbach hört die A 480 auf: Ein Rampe führt ins Tal; die Trasse selbst endet darüber im Wald. Ein Tor verschließt die Zufahrt, ein Tunnel führt unter der toten Trasse hindurch. FOTOS: SO

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