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Schuhe machen zehn Prozent der Verkaufsfläche in Outlet-Centern aus.

"Ein verschenktes Jahr"

4 Gründe, warum die Outlet-Pläne in Pohlheim gescheitert sind

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Die Pohlheimer Outlet-Pläne gehören der Vergangenheit an. "Das Projekt ist gestorben", erklärten die Investoren am Freitag. Auch ein Autobahnanschluss wird nicht kommen. Welche Unternehmen sich nun auf dem Gewerbegebiet in Garbenteich ansiedeln, ist wieder völlig offen.

Kurz und knapp fiel die Erklärung aus. "Das Projekt ist gestorben", sagte Sebastian Sommer, Geschäftsführer des Outlet-Investors Neinver, am Freitagabend. "Es ist leider nicht zu realisieren." Die Outlet-Pläne in Pohlheim sind somit bereits im Frühstadium gescheitert. Vor einem Monat trafen die Investoren die Entscheidung. "Ende Mai war der Sack zu", bestätigt auch Pohlheims Bürgermeister Udo Schöffmann. Dafür gibt es vor allem vier Gründe

Grund 1: Der abgelehnte Autobahnanschluss 

Entscheidend für die Outlet-Pläne war die Frage, ob an der A 5 eine neue Anschlussstelle eingerichtet werden kann. Das haben die Investoren immer wieder klargestellt. Ein Factory-Outlet-Center sei ein touristisches Ziel, betonten sie. Ohne Autobahnanschluss seien die anvisierten drei Millionen Besucher jährlich nicht zu erreichen. Das Bundesverkehrsministerium allerdings erklärte gegenüber der Gießener Allgemeinen Zeitung bereits im Januar dieses Jahres, dass der Bau eines Outlet-Centers kein ausreichender Grund sei, um eine neue Autobahnabfahrt zu genehmigen. Anschlussstellen müssen zudem mindestens acht Kilometer auseinanderliegen, die Auffahrt bei Fernwald liegt deutlich näher zu Pohlheim. Bürgermeister Schöffmann erklärte, man habe mit dem hessischen Wirtschaftsministerium über den gewünschten Autobahnanschluss gesprochen, sei dort aber auf eine ablehnende Haltung gestoßen. Was immer sich im Gewergegebiet in Garbenteich nun ansiedeln wird: Die geplante Anschlussstelle an der A 5 wird nicht kommen.

Grund 2: Keine Mehrheit in der Regionalversammlung 

Laut Regionalplan Mittelhessen sind Outlet-Center nur in Oberzentren zulässig, Pohlheim ist aber als Unterzentrum ausgewiesen. Die Regionalversammlung hätte daher den Outlet-Plänen und einer Abweichung vom Regiionalplan zustimmen müssen. Dort sitzen allerdings Gegner des Projekts beispielsweise aus Gießen, Wetzlar und Marburg, die sich gegen das geplante Großprojekt eingesetzt haben. Nach mehreren Gesprächen im Hintergrund mit Mitgliedern der Regionalversammlung sind die Investoren offenbar zur Erkenntnis gekommen, dass eine Mehrheit in der Regionalversammlung für das Outlet-Projekt nicht realistisch war. "Hätten wir ein Ja in der Regionalversammlung gehabt, wären wir das Risiko eingegangen", sagte Schöffmann am Freitag.

Grund 3: Die Grünen in der Landesregierung 

Das entscheidende Datum für das Scheitern der Pohlheimer Outlet-Pläne liegt acht Monate zurück: Das Ergebnis der Landtagswahl am 28. Oktober 2018 und die erneute Regierungsbeteiligung der Grünen dürfte die Investoren schwer getroffen haben. Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir hat mehrfach geäußert, die Pläne für das Outlet-Center und einen Autobahnanschluss Pohlheim skeptisch zu sehen. "Wir haben im Wirtschaftsministerium keinen Befürworter gehabt", sagte Schöffmann am Freitag. Beim Autobahnanschluss hätte auch das hessische Wirtschaftsministerium zustimmen müssen, fügte der Pohlheimer Bürgermeister hinzu.

Grund 4: Zu hohes Risiko für die Investoren

"Bei einer Ablehnung in der Regionalversammlung hätten wir auch den Klageweg gehen können", sagte Sommer vom Outlet-Investor Neinver. Bevor ein Factory-Outlet-Center errichtet ist, könnten nach seiner Erfahrung durch Gerichts- und Genehmigungsverfahren zehn Jahre ins Land gehen. In diesem Zeitraum entstehen bisweilen Kosten in einem einstelligen Millionenbereich. "Wir sind bei solchen Projekten auf eine lange Reise gefasst. Wir müssen aber politisch und planungsrechtlich auf soliden Beinen stehen", sagte Sommer.

Ein "verschenktes Jahr"

Am 19. August haben die Pohlheimer in einem Bürgerentscheid über das Projekt abgestimmt. Dabei sprach sich eine Mehrheit von 54,9 Prozent gegen die Outlet-Pläne aus. Doch das Ergebnis reichte nicht, weil das Quorum von 25 Prozent denkbar knapp verfehlt wurde. 

Es bleibt fragwürdig, warum es danach ein knappes Jahr gedauert hat, um zu der Erkenntnis zu kommen, die Outlet-Pläne nun zu beerdigen. Peter Alexander, Vorsitzender der SPD-Fraktion in Pohlheim, spricht von einem "verschenkten Jahr". Die Stadt Pohlheim hat auch darauf verzichtet, Gutachten in Auftrag zu geben.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Investoren Jörg Fischer und Frank Smajek, die die Gewerbefläche entwickeln wollen, fangen wieder bei null an. "Schade", sagte Fischer. "Ein Outlet-Center wäre für die Region dienlich gewesen." Nun begebe man sich wieder auf die Suche. Die Stadt Pohlheim habe alle Fäden in der Hand. "Jetzt gehen wir an Plan B", sagte Smajek. Er machte deutlich, dass derzeit keinerlei Ideen existieren, was nun auf der Gewerbefläche entstehen soll. Es komme darauf an, wer sich für die Flächen interessiert. Mit dem knapp 40 Hektar großen Areal verfüge man über ein "fast einmaliges Gebiet" bundesweit.

Man habe "im Verborgenen" gearbeitet, da Gegner das Vorhaben ansonsten hätten schlecht reden können, sagte Schöffmann am Freitag im Rahmen einer Sitzung des Stadtparlaments. Plötzlich richtete er einen Appell in Richtung der Zuschauer, wo Vertreter der Bürgerinitiative saßen. "Ich hoffe, die Zeit der Verunglimpfungen ist vorbei", sagte er - und erntete Gelächter. Eines wird sich derweil ohne Zweifel nicht ändern: das Spekulieren darüber, was sich nun in Garbenteich-Ost ansiedelt.</p>

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