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Wo der Ortsdiener zweimal bimmelt

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Kraft seines Amtes als Marktwächter gab Michael Kuster (im Foto links)gestern in sämtlichen Ortsteilen Rabenaus bekannt: "Ludwig von Gottes Gnaden Großherzog von Hessen gestattete 1812 den Untertanen des Patrimonialgerichts Londorf, alljährlich drei Vieh- und Krämermärkte abzuhalten." Frei und ungehindert dürfe für alle Zeit jeder Untertan Handel treiben, jedoch "ohne Betrug und Gefährdung von Mensch und Tier."

Nur: Der Michaelismarkt schlief wenige Jahre später bereits ein: "Die Londorfer waren offensichtlich sehr vergesslich." Erst 1989 wurde er von Bürgermeister Eckl neu zum Leben erweckt. Mit einer kleinen Änderung. Kuster: "Anstelle mit lebenden Tieren zu handeln, sollte neuzeitlich lieber das durstige und hungrige Vieh auf zwei Beinen verköstigt werden."

Erste Station der Rundreise war Rüddingshausen. Bevor Kuster die Aufgaben eines Ortsdieners versah und den Markt bekannt machte, sorgten die Kanoniere des SV Londorf mit ohrenbetäubenden Böllerschüssen für die gebotene Aufmerksamkeit - geradezu wohltuend da die sonoren Klänge der Alphornfreunde Ohmtal. Wie es Tradition ist, erfreut der Marktwächter die Zuhörer hernach stets mit einem humorigen Rückblick aufs Dorfgeschehen. Beim Fasching, da war er sich sicher, erhielten diese "Ringshäuser" einen Orden: Die vier, so war es ihm geflüstert worden, hatten per Telefon beim Hähnchenauto Schweinshaxen geordert - jeder jeweils vier Portionen! Wie reimte Kuster da zu Recht: "Besser ist’s auf dieser Welt, wenn man sich abspricht, bevor man bestellt."

"Wo hat man’s hier besonders schwer, in der Feuerwehr. Es fängt schon an mit solche Sache, keiner will mehr Feuerwehrhauptmann mache. Also fährt man jetzt zum Üben in den Nachbarort da drüben. Die ham ja genug Ärger mit ihrem Gerätehaus. Aber darüber lass ich mich heute net aus" - versprach’s in Odenhausen und hielt sich doch nicht (ganz) dran: Denn nach dem Bericht von "Reifenspende" der hiesigen Floriansjünger fürs Geilshäuser Feuerwehrauto kam Kuster zum Schluss: "Wie dieser Zirkus weitergeht, wahrscheinlich in den Sternen steht."

"Michel" für Helmut Prellberg

Den Angriff eines Huhns auf einen Menschen gab er in Geilshausen zum Besten: "Am Radweg kam es aus ’nem Stall, bracht’ einen Radfahrer zu Fall. Der konnt’ nur noch wimmern, doch statt sich um das Opfer zu kümmern, lief das Huhn ganz einfach weg, und ließ ihn liegen im Dreck." Nun zog der Tross hinauf nach Allertshausen. Dort bestimmt die Schließung der "Schönen Aussicht" das Dorfgespräch. Den Saal der Kneipe, so Kuster, könnten ja die Boule-Spieler nutzen: "Wenn’s regnet, werd ihr net nass, habt im Trockene viel mehr Spass." Gute Idee, doch leider machen die "Aussicht" am Jahresende zu, "dann ham auch solche Gedanke Ruh."

In Kesselbach mähte ein Feuerwehrkamerad den kompletten Rasen am Gerätehaus. Allzu menschlich, überkam ihn dabei ein dringendes Bedürfnis, was ein böser Bube ausnutzte: "Da hat doch jemand ganz unverhohlen, in der Pinkelpause den Mäher gestohlen", fasste Kuster das schändlich’ Tun mit wohlgesetzten Worten.

Von einer unheimlichen Begegnung der Londorfer Art erzählte er auf der letzten Station: "Wie ein Ufo" stieg dort ein Bürostuhl empor - so lange, bis er gegen die Schwerkraft verlor. Der Besitzer hatte ein gebrochenes Stuhlbein schweißen wollen, dabei war der Gasdruckzylinder explodiert - zum Glück ist nichts passiert.

Bald darauf hatten der Marktwächter und seine Leibgarde den Alten Schulhof erreicht, wo Kuster - seine Amtszeit endet nach zwei Jahren - noch einmal zweimal bimmelte, der 31. Michaelismarkt offiziell eröffnet wurde.

Bürgermeister Florian Langecker lüftete dann das Geheimnis, wer heuer zur Würdigung seiner Verdienste ums Gemeinwohl den "Rabenauer Michel" erhält: Helmut Prellberg aus Odenhausen. (tb/Fotos: tb)

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