Will Bürgermeister werden: Sozialdemokrat Benjamin-Sebastian Unverricht. FOTO: SO
+
Will Bürgermeister werden: Sozialdemokrat Benjamin-Sebastian Unverricht. FOTO: SO

Aus der Opposition ins Rathaus

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
    schließen

Seit 2011 sitzt die SPD in Heuchelheim in der Opposition. Seit 2009 stellen die Sozialdemokraten nicht mehr den Bürgermeister. "Das soll anders werden", sagt Benjamin-Sebastian Unverricht. Der Anwalt und Oppositionschef tritt nächstes Jahr als Bürgermeisterkandidat an.

Jetzt hat der Heuchelheimer Bürgermeister Lars Burkhard Steinz einen ersten Herausforderer. Gegen den Christdemokraten, der nach eigenem Bekunden im kommenden Jahr eine dritte Amtszeit anstrebt, tritt Benjamin-Sebastian Unverricht an. Der Heuchelheimer SPD-Chef, der für eine verjüngte und personell erneuerte Partei am unteren Bieberbach steht, hat am Donnerstag seine Kandidatur öffentlich gemacht. Insidern waren seine Ambitionen schon länger bekannt. "Ich gehe davon aus, dass ich mich mit Herrn Steinz messen werde. Dem sehe ich mit Spannung entgegen", sagt der 38-Jährige selbstbewusst.

Der lokale Parteivorstand der SPD hat sich einmütig auf Unverricht als Kandidaten verständigt. Formal nominiert werden muss er gleichwohl von einer Mitgliederversammlung seines SPD-Ortsvereins im Laufe des Sommers.

Bereits im Winter hat Unverricht sich intensiv mit seiner Frau, mit der Partei und mit Freunden beraten. Das Ergebnis stand schnell fest. Die Opposition müsse eine personelle Alternative anbieten. Der 38-jährige Fachanwalt für Medizinrecht ist in der zweiten Wahlperiode Fraktionsvorsitzender der SPD in der Heuchelheimer Gemeindevertretung und präsentiert sich dort als überaus eloquenter Oppositionschef. Den SPD-Ortsverein mit seinen rund 120 Mitgliedern führt Unverricht jetzt im dritten Jahr.

Rund ein Jahr vor dem Wahltermin sei es an der Zeit, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, so Unverricht. Eben um den Bürgern Gelegenheit zu geben, ihn als Kandidaten kennenzulernen. Und er will die Zeit nutzen, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Wobei dies in Zeiten von Corona eben nicht so einfach ist: Viele der "natürlichen" öffentlichen Bühnen - Kirmes, Sommerfest, Martinsmarkt - fehlen eben.

Insofern will Unverricht auf persönliche, direkte Ansprache setzen und zudem auf Facebook und Instagram, um pandemiebedingte Defizite auszugleichen. Zudem wolle er keinen konfrontativen Wahlkampf, sondern auf Sachthemen setzen und integrieren. "Zu meinem Konzept gehört, alle mitzunehmen und auch Christdemokraten anzusprechen - auch wenn ich im Herzen Sozialdemokrat bin." Ob er Unterstützung von anderen Oppositionsparteien wie etwa von den Grünen erhält, ist noch offen. Zumal auch die Grünen über einen eigenen Kandidaten nachdenken.

Unverricht weiß: Bei zentralen Themen unterscheiden er und Steinz sich nicht unbedingt wesentlich. Allerdings will er "anders, besser, bürgernäher" kommunizieren, verspricht er. Bürger sollten sich gehört und verstanden fühlen. Sie dürften nicht das Gefühl haben: "Die da oben entscheiden." Und er will Entscheidungen schneller vorantreiben, Projekte zielgerichteter und zeitnaher umsetzen. "Die Feuerwehr ist so ein Thema, das schon weiter sein könnte", sagt der Oppositionschef. Das Gutachten liege schon lange auf dem Tisch. Für ein ins Auge gefasstes Grundstück stehe Geld bereit. Nur: Gekauft sei es noch nicht. Auch das Projekt Kinzenbacher Schule nennt er als Beispiel: Mit viel Bürgerengagement gestartet, dümpele das Vorhaben jetzt vor sich hin.

In Heuchelheim - respektive Kinzenbach - hat Unverricht seine Zelte recht früh aufgeschlagen. "19 Jahre Essen, 19 Jahre Hessen", scherzt der gebürtige Nordrhein-Westfale. Er kam zum Jura-Studium nach Gießen, lernte hier seine Frau Nadja kennen, die er in Kinzenbach heiratete, wo er seit 2006 wohnte. 2011 dann der Umzug nach Heuchelheim, wo auch der dreijährige Sohn in die Kita geht. In der Gemeinde ist Unverricht nach eigenem Bekunden nicht nur familiär und politisch heimisch geworden. "Wir fühlen uns hier wohl", sagt er.

Noch kein Wahltermin

Wann gewählt wird, steht noch nicht fest. Aber es deutet vieles drauf hin, dass die Bürgermeister-Direktwahl zusammen mit der Bundestagswahl im Juni 2021 stattfinden könnte. Die Amtszeit des Bürgermeisters in Heuchelheim beginnt im Dezember 2021.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare