Oper in Amsterdam zeigt den "Rosenkavalier"

Die feine Personenführung überzeugt: Die Oper in Amsterdam zeigt den "Rosenkavalier" von Richard Strauss. Sir Simon Rattle am Pult.

De Nederlandse Opera Amsterdam gilt neben dem Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel als eins der ambitioniertesten Musiktheater in Westeuropa. Die Amsterdamer Oper am Waterlooplein ist zurzeit noch die Heimat des künstlerischen Direktors Hein Mulders, der 2013 das Essener Aalto-Theater übernehmen wird. Und sie gehört auch zu den Stammhäusern von Willy Decker, dem scheidenden Intendanten der Ruhrtriennale. Decker ist zugleich der Spiritus Rector ei-ner glanzvollen Produktion von Richard Strauss' Komödie "Der Rosenkavalier", die an der Amstel zurzeit in großer Besetzung gezeigt wird. Und zwar unter der musikalischen Leitung von Sir Simon Rattle, ebenfalls einem langjährigen Freund des holländischen Theaters.

Mit einem filigran ausgearbeiteten "Rosenkavalier" machte Decker bereits vor fast 25 Jahren in Aachen Furore. An der Grundkonzeption hat sich wenig geändert. Die Bühnenwände von Wolfgang Gussmann, die die feine Welt der dekadenten Wiener k.u.k-Monarchie aus den Angeln zu heben droht, geraten in Amsterdam in eine beängstigende Schieflage. Ansonsten geht Decker mit dem verwöhnten Adels-"Bagagi" milde um.

Den Luxus der Marschallin, tagelang über ihr fortschreitendes Altern klagen zu können, hinterfragt Decker ebenso wenig kritisch wie die aufgeblasene Arroganz des Barons Ochs von Lerchenau, den der stimmlich nicht mehr taufrische Kurt Rydl in eher konventioneller Komödiantentradition poltern lässt.

So überzeugt Deckers Inszenierung vor allem durch die feine Personenführung, mit der das Beziehungsgeflecht der Protagonisten ausgefeilt wird. Dabei setzen Anne Schwanewilms als Marschallin und Michelle Breedt als Octavian in einem ansonsten eher mittelmäßigen Umfeld die stärksten vokalen Akzente.

Und Sir Simon, der Pultstar der Berliner Philharmoniker, hielt sich im Orchester mit derben Tönen zurück. Rattle folgte Strauss' Musik flexibel und organisch atmend, wenn auch mit teilweise etwas extremen Tempi. Ein Opernabend, der auf dem Papier mehr Glanz verspricht als die Aufführung einhalten kann. Pedro Obiera

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