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Lena und Manuel Lemp bieten gemeinsam mit "Bubi" ihr Hundetraining jetzt online an. FOTO: PM

Online-Kurse für "Problemfelle"

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Wegen der Coronavirus-Pandemie haben auch Hundeschulen derzeit geschlossen. Das Training sollte dennoch nicht ausgesetzt werden, sagt Lena Lemp. Sie leitet das Hundezentrum Miteinander in Atzbach und setzt nun auf Online-Kurse: "Das ist mehr als nur eine Notlösung."

Es dauert eine Weile, bis die Teilnehmer die Hürden der Technik gemeistert haben und mitsamt ihren Vierbeinern in die Kamera blicken. Doch Lena Lemp bleibt entspannt, es ist schließlich das erste Mal, dass das Gruppentraining nicht auf der grünen Wiese, sondern via Bildschirm stattfindet.

Seit zehn Tagen darf in hessischen Hundeschulen nicht mehr trainiert werden - zumindest nicht vor Ort. Doch das Verbot von sogenanntem "Präsenztraining" bedeutet laut Hundetrainerin Lemp nicht, dass die Erziehung nun ruhen darf: "Wenn man jetzt sagt, die Hundeschule findet nicht mehr statt und deswegen trainiere ich nichts mehr mit meinem Hund, dann könnte das problematisch werden." Es sei wichtig, nicht nur etwas zur Beschäftigung zu machen, sondern auch in der Erziehung am Ball zu bleiben.

Das von ihr geleitete Hundezentrum Miteinander versucht daher, sein Angebot so gut wie möglich online weiterzuführen. Dinge, die normalerweise auf dem Trainingsplatz in Atzbach geübt werden, zum Beispiel dem Hund beizubringen, sich auf ein bestimmtes Codewort hin neben den Füßen seines Herrchens zu positionieren, funktionieren auch im Wohnzimmer. Und das geht so: Erst macht einer der Trainer gemeinsam mit Lemps Hund "Bubi" die Übung vor, dann machen die Teilnehmer sie nacheinander vor der Kamera nach und Lemp korrigiert.

Bei den meisten klappt das gut, ein Hund hat es sich jedoch etwas zu gemütlich gemacht: Er schläft die meiste Zeit und steht während der gesamten Stunde nicht auf. Sein Frauchen nimmt es mit Humor und beschließt, das Gezeigte später mit ihrem Vierbeiner zu üben. Und auch Lemp ist mit der Unterrichtsstunde trotzdem zufrieden. Dass ein Tier mal nicht mitmachen wolle, komme auch auf dem Hundeplatz vor, sagt sie.

Bei dem Aufbau des Online-Angebots profitiert die Hundeschule davon, dass bereits eine digitale Infrastruktur und entsprechende Kenntnisse vorhanden waren. Einzeltrainings bieten Lemp und ihr Team bereits seit eineinhalb Jahren auch online an, Anmeldungen liefen seit Längerem über die Homepage und eine Facebookgruppe gibt es schon seit Gründung der Hundeschule selbst, auch wenn dort bislang recht wenig los war. Das ändert sich jetzt.

Lemp nutzt die Plattform, um Videos von Tricks zum Nachmachen zu posten. "Bevor den Leuten zu Hause mit ihrem Hund langweilig ist, können sie etwas üben", sagt sie. Gleichzeitig möchte sie die Mitglieder zum Mitmachen animieren. "Man muss nun erst einmal schauen, dass das Online-Angebot für die Menschen präsent wird und sie sich dann auch trauen, selbst Videos hochzuladen, die wir besprechen können."

Natürlich gebe es auch Einzelne, bei denen etwa die Internetverbindung eine Teilnahme an den Online-Kursen verhindere, aber ansonsten sei das Feedback bisher "durch die Bank weg positiv", berichtet Lemp. Zwei ehemalige Kunden, die nach ihrem Studium nach Augsburg und Karlsruhe gezogen seien, hätten sich am Samstag direkt "zurückgemeldet" - erfreut darüber, dass sie durch die Online-Kurse nun wieder die Angebote des Hundezentrums wahrnehmen können. Und auch andere Teilnehmer hätten bereits den Wunsch geäußert, das Angebot beizubehalten, um sich die Fahrerei zu sparen.

Aus Sicht der Hundetrainerin bieten die Online-Kurse durchaus Vorteile. "Manche Hunde müssen auf dem Hundeplatz 20 oder 30 Meter von der Gruppe entfernt stehen, da sie sonst zu aufgeregt sind", erzählt sie. "In einer ruhigen Umgebung können sie jetzt ganz konzentriert arbeiten." Für viele Menschen und Tiere könnte das Online-Angebot daher "ein echter Mehrwert" sein. "Je mehr ich das mache, desto begeisterter bin ich", sagt Lemp. "Das ist mehr als nur eine Notlösung. Ich bin sehr zufrieden damit, wie es bisher läuft."

Ganz unproblematisch sei die durch das Coronavirus hervorgerufene Situation gerade für junge Hunde jedoch nicht. "Im Endeffekt kann ein Hund immer lernen, aber natürlich gibt es in der Welpenphase und in der Jugendentwicklung eine sogenannte Sozialisierungsphase. Dass Hunde jetzt durch Corona den Umgang mit bestimmen Reizen nicht so gut lernen können, wird mit Sicherheit ein Problem", vermutet sie. Den Hunden würden auf lange Sicht durch das Paradigma der sozialen Distanzierung bestimmte Erfahrungen fehlen.

Jungen Hunden beizubringen, nicht auf jeden Hund zuzurennen und nicht jeden Menschen anzuspringen, der an ihnen vorbeiläuft, sei im Rahmen von Präsenzstunden einfacher. Doch in den Online-Kursen könnten die Übungen trotzdem vorgemacht und erklärt werden. Die Hundehalter sollten dann entsprechende Situationen suchen oder zu Hause im Familienkreis nachstellen, rät Lemp. "Die Menschen müssen nun ein bisschen mehr abstrahieren, damit der Hund hinterher keine Sozialisierungsdefizite hat."

Auch im Hinblick auf die Veränderungen des Alltagslebens im Zuge der Corona-Pandemie hat Lemp einen Ratschlag: Dass die Menschen mehr Zeit zu Hause verbringen, berge die Gefahr, dass die Hunde zu wenig Ruhe bekommen - gerade wenn Kinder im Haushalt seien. "Sowohl für uns als auch für die Hunde hat sich der Alltag in den vergangenen Tagen gewaltig geändert", sagt sie. "Aber wir können uns darüber informieren und es verstehen, das können Hunde nicht. Deshalb müssen wir ihnen helfen, mit dieser veränderten Routine klarzukommen und dafür sorgen, dass sie genug Ruhezeiten bekommen."

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