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Setzt auf Wein und regionale Produkte: Laura Krieger will die ehemalige Dorfgaststätte ihres Großvaters wiederbeleben.

Gastronomie

Zwei Jahre nach Corona-Aus: Enkelin eröffnet Traditions-Gaststätte im Kreis Gießen neu

  • VonChristina Jung
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Im März 2020 schloss in Trais-Horloff die letzte Kneipe. Pandemiebedingt machte Paul Krieger die Schotten dicht und altersbedingt später auch nicht wieder auf. Das soll sich im kommenden Jahr ändern. Seine Enkelin und ihr Vater wollen die ehemalige Dorfgaststätte unter dem Namen »Laura’s Kitchen« wiederbeleben.

Hungen - Ein großer Container steht im Hof. Müll und Bauschutt stapeln sich darin. Dazwischen liegt unscheinbar das ausrangierte Schild einer Gaststättentür. Speiseraum steht in schwarzen Lettern auf goldenem Grund. Ein Stück weiter bilden massenweise Holzprofilbretter einen riesigen Haufen. Daneben reihen sich alte Stühle, vollgepackte Abfallsäcke und noch mehr Ausrangiertes aneinander. Mittendrin steht Laura Krieger und erzählt von ihrem Projekt. Sie will die Wirtschaft ihres Großvaters reaktivieren, die vor rund 20 Monaten pandemiebedingt geschlossen hat. Im November haben sie und ihre Familie im Erdgeschoss des alten Fachwerkhauses in Trais-Horloff mit der Entkernung begonnen.

Gemeinsam mit ihrem Vater Bruno wagt die 25-Jährige diesen Schritt, der das Dorfleben ab Frühsommer 2022 bereichern und auch für Menschen, die ihre Freizeit am nahe gelegenen See verbringen, attraktiv sein soll. Statt auf schwere Hausmannskost wollen die beiden auf wechselnde Gerichte aus saisonalen und regional erzeugten Lebensmitteln setzen, dazu ausgewählte Weine aus dem Rheingau servieren. »Omas gute Küche neu interpretiert«, umschreibt Bruno Krieger das Speisekartenkonzept, an dem gerade gefeilt wird. Gespräche mit potenziellen Lieferanten laufen. Nach den Vorstellungen der Kriegers soll es ein wechselndes kulinarisches Angebot geben, außerdem Themenwochen mit verschiedenen Schwerpunkten und Brunch an den Sonntagen.

Kreis Gießen: Durchaus noch viel Arbeit in »Laura’s Kitchen«

Derzeit allerdings braucht noch viel Vorstellungskraft, wer in den Räumlichkeiten in der Alten Dorfstraße an ein gemütliches Zusammensein bei gutem Tropfen denkt. An den Wänden kein Putz und keine Farbe, die Gefache und Balken des alten Fachwerkhauses liegen frei. Kabel hängen in der Luft. Werkzeug und Baumaterialien stehen herum. 90 Quadratmeter Arbeit.

116 600 Euro sind für Umbau und Modernisierung veranschlagt, sagt Laura Krieger. 24 300 Euro bekam die Familie für die Wiedereröffnung der alten Dorfgaststätte aus dem Förderprogramm LEADER. Im Mai kommenden Jahres würden Vater und Tochter das Lokal gerne eröffnen, doch angesichts viel beschäftiger Handwerker und Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung scheint das kaum zu schaffen. »Das Zeitfenster wird knapp, aber wir haben keinen Druck«, sagt Bruno Krieger. Wenn das Lokal erst später fertig wird, sei das kein Problem. Denn leben müssen die Kriegers davon nicht. »Wir lassen das erstmal nebenbei laufen«, sind sie sich einig.

Laura Krieger ist gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau, arbeitet bei einem Getränkefachhandel in Wettenberg. Ihr Vater Bruno führt im Dorf in vierter Generation eine Bäckerei, zu der heute auch ein kleiner Laden mit Lebensmitteln, eine Metzgerei, eine Post und eine Reinigungsannahme gehören. Ab 2022 werden die beiden zudem Gastronomen sein.

Vater und Tochter kochen selbst in neuer Gastronomie im Kreis Gießen

Kochen wollen Vater und Tochter in »Laura’s Kitchen« selbst. Bruno Krieger hat sich »in die Materie reingearbeitet«, wie er sagt und sich zudem bei zahlreichen Besuchen auf dem Rüdesheimer Schloss inspirieren lassen. Seine Tochter ist quasi in der Gaststätte aufgewachsen. Ihr Großvater betrieb sie seit Mitte der 1980er Jahre, zuletzt allerdings nur noch als Kneipe. »Schon als Kind habe ich hier die Leute bedient oder in der Küche mitgeholfen, wenn größere Feiern im Saal waren«, erzählt sie. Die Gaststätte in der Alten Dorfstraße 15 war ihr Lebensmittelpunkt.

Bis sie ihre eigene Küche eröffnet, steht allerdings noch einiges an Arbeit an. Wände müssen eingezogen, verputzt und gestrichen, Fenster und Türen ausgetauscht, die sanitären Anlagen erneuert werden. 16 Tonnen Bauschutt haben die Kriegers schon entsorgt und immer noch liegt der Außenbereich voll mit sperrigem Müll. Dazwischen hat sich Herbstlaub längst breit gemacht. Blätter jenes Weins, der vom Fachwerkhaus bis in den Biergarten rankt. Wenn er im Frühjahr wieder austreibt, soll sämtlicher Abfall entsorgt sein und mit dem Grün der Blätter im Hungener Stadtteil eine Atmosphäre wie am Rheingau Einzug halten.

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