Kerstin Gromes ist die neue Spitzenfrau der Grünen im Kreis Gießen.
+
Kerstin Gromes ist die neue Spitzenfrau der Grünen im Kreis Gießen.

Gießener Kreistag

»Ohne uns geht nichts« - Grünen-Spitzenkandidatin Kerstin Gromes im Interview

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
    schließen

Die Grünen sind die Gewinner der Wahl vom Sonntag. Kerstin Gromes, Spitzenkandidatin im Kreis Gießen, spricht im Interview über den Weg in die Mitte der Gesellschaft, Corona und die Landratskandidatur.

Frau Gromes, Sie sprachen in dieser Woche von einer anderen Grundstimmung in unserer Gesellschaft. Wie meinen Sie das?

Schauen Sie auf das Wahlergebnis. Ich bin hochzufrieden damit. Denn es bestätigt, dass wir auf die richtigen Ziele setzen. Wir sind als Grüne mit dem, was wir fordern, in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Insofern gibt es eine veränderte Grundstimmung in der Gesellschaft.

Woran zeigt sich das?

Es gab in den vergangenen Jahren nicht zuletzt ausgelöst durch die Klimaproblematik ein Umdenken der Menschen. Die Fragen lauten: Was passiert in meinem Umfeld? In meiner Stadt? In meiner Region? Die Menschen vor Ort sind wieder mehr bereit mitzuarbeiten. Aber sie wollen zugleich mehr Transparenz, und sie wollen mehr mitgenommen werden. Das zeigt sich etwa in Lich mit der Bürgerbewegung oder bei den »Bürgern für Rabenau«. Aber wir sehen es auch an der Zustimmung zu uns. Zudem hat Corona manches noch verstärkt.

Inwiefern hat Corona da Einfluss?

Die Menschen sind mehr auf ihre Region beschränkt, nehmen diese deshalb intensiver wahr. Wie viel Lebensqualität habe ich in meiner Region? Diese Frage ist für sie wichtiger geworden. Das hat sich durch Corona nochmals verdichtet. Corona war hier bewusstseinschaffend. Aber der Prozess hatte schon vorher angefangen. Jetzt hat sich diese Entwicklung nur verstärkt.

Können Sie das an Beispielen belegen?

Nehmen Sie den Verkehr: Es ist heute eine viel breitere Gruppe in der Gesellschaft, die Wert darauf legt, mit dem Fahrrad zur Arbeit, zur Uni, zur Schule zu fahren. Das ist ein zentrales Thema und erweitert ein altes grünes Thema, die Verbesserung des ÖPNV im ländlichen Raum. Das spielt eine große Rolle. Da müssen wir noch viel stärker rangehen.

Es gibt ja ein Radverkehrskonzept für den Kreis.

Richtig. Ich pendele selbst seit drei Jahren mit dem Rad von Wieseck zum Schulamt. Das sind auf meiner Strecke 7,4 Kilometer. Seitdem entwickele ich einen neuen Blick dafür, was bei Radwegen getan werden muss. Das Radverkehrskonzept liegt mir sehr am Herzen. Wir müssen es in die Umsetzung bringen. Da müssen wir wirklich aktiv werden. Aber dazu braucht es eine finanzielle Grundlage.

Und ein Miteinander von Landkreis und Kommunen.

Ja. Viele der Radwegeverbindungen sind kommunale Aufgabe.

Sie sprachen eben den öffentlichen Nahverkehr an.

Bei den Bussen ist noch Luft nach oben. Für die Menschen ist Zeit eine wichtige Größe. Das Nutzen von Bus und Bahn und das Kombinieren mit dem Rad muss unkompliziert sein, um von A nach B zu gelangen. Der Schnellbus zwischen Gießen und Laubach ist da ein guter erster Schritt. Leider ist es im Moment wegen Corona schwierig, da und auch auf anderen Verbindungen aktuelle ÖPNV-Nutzerdaten zu ermitteln.

Sie sprachen eingangs von den richtigen Zielen, auf die die Grünen setzen. Können Sie ein weiteres nennen?

Die Schulen sind gut aufgestellt. Da hat der Landkreis Gießen unter Christiane Schmahl viel Gutes umgesetzt.

Aber auch da kann man sich natürlich nicht nur auf dem Erreichten ausruhen. Bei der Nachmittagsbetreuung, beim »Pakt«, da wollen wir mit den Elternbeiträgen weiter runter.

Was ist mit Streitthemen wie dem A49-Weiterbau? Viele haben geglaubt, das schade den Grünen.

Hat es nicht. Jedenfalls nicht im Landkreis Gießen. Die Grünen hier haben sich ja auch eindeutig gegen den Weiterbau ausgesprochen. Zudem werden wir hier nicht zuerst damit in Verbindung gebracht. Auch wenn es natürlich bei uns in der Partei Thema war und ist.

Wie geht es jetzt politisch weiter im Kreis Gießen?

Ohne uns geht nichts, denke ich. Aber wie es weitergeht, das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Grundsätzlich reden wir mit allen, außer der AfD. Wenn sich das ein wenig geklärt hat, dann werden wir Grünen in einer Mitgliederversammlung beraten, welches Gesprächsangebot wir annehmen. Ich hoffe, dass es zügig geht.

Denken die erstarkten Grünen jetzt auch über eine eigene Landratskandidatur nach?

Dazu kann ich jetzt noch nichts sagen. Die Kandidatenfrage und weitere Personalien besprechen wir erst einmal parteiintern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare