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Uli Schmunk beeindruckt durch den positiven und offenen Umgang mit seiner Krebserkrankung.

»Nur nichts in sich hineinfressen«

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Ulrich Schmunk hat Krebs, zwei Operationen hinter sich und steckt mitten in der Chemo. Aber er hat Wege gefunden, positiv mit seiner Erkrankung umzugehen. Offenheit ist ihm wichtig. Deshalb erzählt der Bellersheimer seine Geschichte und wirbt für regelmäßige Vorsorge.

Vor etwas mehr als einem Jahr stand Uli Schmunk noch in der Bütt. Im grünen T-Shirt mit der Aufschrift Ü-60: Das war damals sein Thema bei der Bellersheimer Fassenacht. In diesem Jahr gab es keine Elferratssitzung. Aber wenn es eine gegeben hätte - Schmunk wäre erstmals seit Jahrzehnten nicht dabei gewesen. Der 63-Jährige ist seit sieben Monaten außer Gefecht. Genauer gesagt seit dem 5. August. An diesem Tag erhielt er eine niederschmetternde Diagnose: Darmkrebs.

Das Wort »niederschmetternd« allerdings will auf Schmunk nicht so richtig passen. Der Mann hat mehrere Operationen hinter sich, eine Lungenembolie überstanden und befindet sich am Ende einer sechsmonatigen Chemotherapie. Aber er hat seine Haare behalten, eine gesunde Gesichtsfarbe und macht auch sonst einen vitalen Eindruck. »Ich bin ein zuversichtlicher Typ«, sagt er über sich. »Ich glaube, dass es gut ausgeht. Aber ich weiß, dass es auch schiefgehen kann.«

Mit diesem Optimismus beeindruckt der Bellersheimer seine Mitmenschen. Andere Patienten, zum Beispiel. Und Patricia Rembowski, die Sprecherin der Asklepios-Klinik in Lich, die die Geschichte dieses Patienten exemplarisch auf Instagram erzählt, um anderen Menschen Mut zu machen. »Der Herr Schmunk ist ein Super-Typ«, sagt sie. Sein Umgang mit der Krankheit sei überwältigend.

Der gebürtige Rodheimer, der als Prokurist für einen Baustoffhändler arbeitet, ist ein geselliger Typ. Fußball, Fassenacht, Ski-Club, früher auch Feuerwehr: Er hat sich überall eingebracht und einen großen Freundeskreis. Das, und natürlich der große Rückhalt in der Familie, hilft ihm jetzt über die schwierige Zeit hinweg. »Man darf nichts in sich hineinfressen, sondern muss offen reden«, findet er.

Und so erzählt er ganz unumwunden von der siebenstündigen Operation, in der ihm das Team um den Licher Chirurgen Dr. Thilo Schwandner nicht nur einen fünf Zentimeter großen Tumor aus dem Enddarm, sondern auch ein Stück Dickdarm und Metastasen aus der Leber entfernt hat. Eine 33 Zentimeter lange Narbe und - vorübergehend - ein künstlicher Darmausgang sind ihm davon geblieben. Bei einer Nachuntersuchung wurden weitere Metastasen festgestellt. Es folgten eine zweite OP und, wohl als Begleiterscheinung der Chemo, eine periphere Lungenembolie. »Jetzt muss ich ein paar Monate lang Blutverdünner nehmen«, berichtet der Patient. Aber mit der Behandlung an sich, sowohl in der Licher Klinik, in der seine Tochter arbeitet, als auch bei seinem Gießener Onkologen, ist er hochzufrieden. »Es läuft alles reibungslos«, sagt er. Blut- und Leberwerte seien top, und er habe nie wieder einen erhöhten Tumormarker gehabt.

Wunsch: Wieder arbeiten gehen

Noch steht ihm der letzte und achte Zyklus seiner Chemotherapie bevor. Danach kann Schmunk seinen Blick auf den 30. März richten. An diesem Tag wird ein Kontroll-CT gemacht und der Stoma soll zurückverlegt werden. Eine Reha steht auch noch auf dem Plan. Danach möchte er wieder arbeiten gehen. »Man muss sich Ziele setzen«, findet Schmunk. Ob er diesen Plan dann auch realisieren kann, wird sich weisen. »Das mache ich von meinem Gesundheitszustand abhängig.« Lange wird sein Berufsleben ohnehin nicht mehr währen. Am 1. Januar 2022, seinem 64. Geburtstag und nach 48 Jahren im Job, wird er in Rente gehen. Das war schon vor der Diagnose so geplant. Eine Angewohnheit aus dem Krankenstand will er dann auf jeden Fall beibehalten: »Ich habe angefangen zu kochen. Das macht mir Spaß.«

Seine Erkrankung kam für Schmunk wie aus heiterem Himmel. Eine Darmspiegelung acht Jahr zuvor war ohne jeglichen Befund verlaufen, er hatte keinerlei Beschwerden. Erst wenige Wochen vor der Diagnose hatte er Blut im Stuhl entdeckt. Bei einer engmaschigeren Kontrolle wäre der Krebs wohl in einem früheren Stadium festgestellt worden, glaubt er.

Deshalb macht er sich für die Früherkennung stark. »So eine Darmspiegelung ist ja keine große Sache. Ich kann jedem nur empfehlen, regelmäßig zur Vorsorge zu gehen.« Einige Männer aus seinem großen Bekanntenkreis hat er schon überzeugen können. »Die haben sich überwunden und einen Termin ausgemacht.«

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