+

Noch herrscht eitel Sonnenschein auf dem Bau

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
    schließen

Gute Nachrichten in der Krise: Kein Projekt stehe auf der Kippe, heißt es von Hessen Mobil. Nicht anders sieht es beim Bauhandwerk aus: Ob Schüttgut oder Fertigdecken, die Lieferketten hielten. Und im Gegensatz zu den großen Firmen im Raum Frankfurt sei hier der Anteil ausländischer Arbeiter gering, deren Fernbleiben müsse man nicht fürchten. Also eitel Sonnenschein auf dem Bau? Zumindest noch.

Mit einer Reihe organisatorischer Maßnahmen reagiert Hessens Straßenbauverwaltung auf die Corona-Krise. "Wir haben sichergestellt, dass die Arbeit reibungslos weiterläuft. Verkehrssicherheit und Mobilität haben für uns oberste Priorität", wird Gerd Riegelhuth, Präsident von Hessen Mobil, in einer Verlautbarung der Landesbehörde zitiert. Ob der krisenbedingten wirtschaftlichen Probleme anderer Bereiche seien Investitionen in die Infrastruktur wichtiger denn je.

"Stand heute", so Hessen Mobil weiter, würden sowohl routinemäßige Streckenkontrollen durch die Straßenmeistereien als auch größere Baumaßnahmen wie geplant ausgeführt.

Bleibt zu hoffen, dass es dabei bleibt. Summieren sich doch auch im Kreisgebiet die Baumaßnahmen auf mehrere Millionen Euro. Erwähnt seien hier die Fertigstellungen von Brücken im Raum Gießen und die Reihe grundhafter Erneuerungen von Landesstraßen.

Aktuell würden alle Baustellen weiter betreut, inklusive der erforderlichen Abstimmungen mit den Projektbeteiligten, erklärt Sonja Lecher, Pressesprecherin von Hessen Mobil. Um doch anzufügen: "Wir müssen davon ausgehen, dass es Projekte geben wird, die zeitlich neu ausgerichtet werden müssen." Konkretisieren aber lasse sich das heute noch nicht.

Im Großen und Ganzen also läuft es im Straßenbau. Allerdings, räumt Lecher ein, gebe es schon einzelne Berichte über krisenbedingte Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung und beim Einsatz von Facharbeitern. Diese könnten sich auf den Ablauf der Baumaßnahmen auswirken, schloss sie im Konjunktiv.

Kay-Achim Becker, Obermeister der hiesigen Bauhandwerker-Innung, sieht für die Branche im Gießener Land keine Probleme aufgrund der Ausbreitung des Virus - "Stand heute". Was die Baustellen an Material benötigten, werde bislang geliefert. Von Engpässen sei ihm bisher nichts zu Ohren gekommen. Aber: Bedenken, dass sich das ändern werde, sind schon in den Köpfen der Unternehmer. Als ein Beispiel nennt er die Stahlproduktion, ohne die auch der Bausektor nicht auskomme. Als Beispiel aus dem Straßenbau fällt einem da sogleich der "schnöde" Kanaldeckel ein.

Becker, gelernter Bauingenieur und Bauunternehmer, verweist dazu auf den Wohnungsbau: "90 Prozent aller Decken werden heute aus Stahlbetonfertigteilen erstellt." Ein großer Anteil des Importstahls aber stamme nun mal aus Italien.

Noch sind die heimischen Lager voll, halten die Lieferketten. Sollte es aber doch aufgrund von Personalknappheit zu Ausfällen kommen, etwa wenn das einfach besetzte Asphaltmischwerk oder der Hersteller "systemischer" Fertigbauteile dichtmachen muss, seien Hoch- und Tiefbau gleichermaßen betroffen.

Dass die Kollegen im Landkreis kaum auf Arbeitskräfte aus sogenannten Drittstaaten angewiesen seien, für die derzeit Einreisebeschränkungen gelten, fügt Becker auf Nachfrage an. Diese Sorgen hätten eher Großunternehmen, etwa mit Sitz im Rhein-Main-Gebiet. In seinem "Amtsbezirk" ist ihm nichts von einem Arbeitskräftemangel bekannt, sagt Becker, der seit 2019 zugleich Kreishandwerksmeister ist.

Nichtsdestotrotz ist sich auch das Bauhandwerk bewusst, welche Auswirkungen eine Verschärfung der Corona-Krise zeitigen könnte. Auch diese Branche ist ein Rädchen im Getriebe: "Alles läuft über den Baustoffhandel", erklärt Becker. Kommt es in den "Zwischenlagern" für Schüttgüter, Kunststoff- oder Gussrohre zu Engpässen, hat der Bau ein Problem. Dafür aber gibt es momentan keine Anzeichen. Die Produktion läuft, die Lager der Händler sind noch voll. Selbst Bestellungen von Natursteinen würden erledigt, obgleich die vor allem aus China importiert werden.

Virulent sind laut Becker aktuell nur "Abstimmungsprobleme". Wie das? So manche Firmen bäten um Verständnis, dass sie zum Schutz ihrer Mitarbeiter diese weniger rausschickten. "Dann fehlt der direkte Kontakt auf der Baustelle." Und werde gar ein Aufmaßtermin abgesagt, bedeute das eine nicht einkalkulierte Verzögerung.

Insgesamt, so das Fazit von Becker, sei die Lage in seiner Branche "noch zufriedenstellend". Ebenso dürfte seine Prognose bei den Kollegen ankommen: "Wir haben die Hoffnung, mit einem blauen Auge davonzukommen." FOTO: TB

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare