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Andy Hoffmann und Natascha Bender aus Hungen wollten eigentlich Mitte April standesamtlich und am 1. Mai kirchlich heiraten. Das Coronavirus bringt die Planung nun aber ziemlich durcheinander. FOTO: PM

Hochzeiten und Corona

Nur noch das Brautpaar: So wird im Kreis Gießen jetzt geheiratet

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Es sollte der schönste Tag im Leben werden: Die Hochzeit. Das Coronavirus macht Liebenden aber einen Strich durch die Rechnung. Zwei Paare erzählen ihre Geschichte.

Natascha Bender hat schon einfachere Zeiten erlebt. Bereits vor einigen Wochen, mit Beginn der Corona-Krise, hat sich eine schwere Entscheidung angebahnt, die sie nun von Tag zu Tag mehr beschäftigt: Hochzeit absagen oder durchziehen? Eigentlich wollte die 22-Jährige am 23. April ihren Freund Andy Hoffmann (36) vor dem Standesamt in Lich heiraten, am 1. Mai schließlich wollte sich das Paar aus Hungen in einer freien Trauung erneut das Jawort geben. Diese Pläne hat das Coronavirus ordentlich durcheinander gebracht.

Erst 99 Personen, dann 49, danach fünf und jetzt zwei - mit den Kontaktbeschränkungen haben sich die Chancen auf ein rauschendes Fest drastisch minimiert. Besonders Eheleute in Spe haben daran zu knabbern, fiebern sie doch Monate, wenn nicht Jahre, auf ihre Hochzeit hin. Es soll der perfekte Tag werden. Eine ausgelassene Feier mit Familie, Freunden und Bekannten, doch daraus scheint erst einmal nichts zu werden.

Hochzeiten: Absagen oder nicht?

Indes scheinen viele Paare in der Umgebung die Hoffnung noch nicht aufzugeben, das offenbart zumindest ein Blick in lokal verortete Hochzeits-Gruppen auf sozialen Plattformen. Ihr Motto: Es könnte bald alles wieder besser und anders kommen. Dass viele bis zur letzten Minute mit einer Absage warten, ist irgendwie verständlich. Immerhin steckt hinter dieser Feier nicht nur viel Arbeit, sondern auch eine Menge Geld.

"Ich bin regelrecht Amok gelaufen, als das alles angefangen hat", sagt Bender. Es sei vor allem die Ungewissheit gewesen, die an den Nerven gezerrt hätte: Kommen die strengen Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen noch vor dem Trautermin oder vielleicht erst danach? Kann die Hochzeit noch stattfinden oder muss alles abgesagt werden und vor allem: Können wir überhaupt heiraten?

Hochzeiten: Keine Gäste erlaubt

Eheschließungen an sich sind aktuell noch möglich - wenn auch nicht so glamourös wie vielleicht geplant. Die Städte und Gemeinden im Kreis Gießen lassen neben dem Standesbeamten nur noch das zu trauende Paar in die Räumlichkeiten. Daneben gilt vor allem eins: Abstand halten. Ob noch zusätzliche Maßnahmen greifen werden, etwa ein Mundschutz bei allen Anwesenden oder eine Scheibe zwischen Standesbeamten und Brautpaar, ist derzeit unklar. Neue Termine werden zunächst nicht vergeben.

In den Kirchen verhält es sich ähnlich. Das Evangelische Dekanat Gießen etwa, zu dem auch Biebertal, Heuchelheim, Linden, Langgöns, Fernwald und Pohlheim gehören, sagt auf Anfrage, dass neben einem Pfarrer nur das Brautpaar zugelassen wird. Damit wäre theoretisch auch eine kirchliche Hochzeit möglich. Dass ein Paar aber tatsächlich unter diesem Umständen heiraten will, hält das Dekanat für unwahrscheinlich.

Hochzeiten: Paare bleiben weitestgehend entspannt

Robert (25) und Hannah (24) aus Pohlheim, die seit vergangener Woche beide Schröder heißen, hatten zumindestens mit der standesamtlichen Hochzeit noch Glück. Sie durften zehn Personen mitbringen und im Anschluss privat mit gut 30 Leuten feiern. Die kirchliche Hochzeit jedoch, zwei Tage später, fiel aus. "Das war absehbar", sagt Robert Schröder, "darum haben wir uns darauf schon eingestellt."

In irgendeiner anderen Form hätten sie die Hochzeit in diesen Zeiten auch nicht machen wollen, sagt er: "Dann hätten wir sehr wahrscheinlich auf die älteren Gäste verzichten müssen, und es hätte nur ein Gesprächsthema gegeben: Corona." Mittlerweile haben er und seine Frau sich mit der Situation abgefunden. "Es ist ja alles gemacht und geregelt und verheiratet sind wir ja auch schon", sagt der Pohlheimer, "jetzt braucht es nur noch einen neuen Termin für die Kirche."

Corona: Datum im Ring erinnert an die Zeit

Entspannt sind dieser Tage vor allem die Paare, die die standesamtliche Hochzeit schon hinter sich oder Termine erst im Sommer haben. Wer jedoch alles auf einen Tag in den nächsten Monaten gesetzt hat, schläft schlechter - so zumindest liest es sich aus den mehr oder minder verzweifelten Nachrichten von Eheleuten in Spe im Netz.

Natascha Bender und Andy Hoffmann gehen die Situation mittlerweile entspannt an. "Ich bin fast schon erleichtert", sagt Bender, "jetzt habe ich wenigstens viel mehr Zeit alles zu planen und vorzubereiten." Ob sie den Termin am 1. Mai absagen und verschieben werden, wissen sie noch nicht - eine Entscheidung wollen sie spätestens Anfang April treffen.

Vom standesamtlichen Termin haben sie sich jedoch schon verabschiedet. "Wir haben abgesagt, weil wir uns im Kreis unserer Liebsten trauen lassen wollten", sagt Hoffmann, "und die Behörden gehen nicht davon aus, dass das so bald möglich ist."

Einzig das Datum in den fertigen Eheringen wird später an diese Zeiten erinnern. "Wir werden das Datum durchstreichen lassen und das neue kommt dann daneben", sagt Bender. Eine Geschichte, die sie später dann wenigstens ihren Enkeln erzählen könne.

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