Nicht nur die Waffen fallen den Beamten auf

  • vonConstantin Hoppe
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Gießen(con). Drei Schüsse fielen während der jüngsten Silvesternacht in einer Kreis- Gemeinde. Ein 63 Jahre alter Mann hatte sie auf seine von ihm getrennt lebende Ehefrau abgefeuert. Die Frau befand sich gerade auf dem Balkon ihrer neuen Wohnung, um das Feuerwerk zu beobachten. Treffen wollte er sie nach eigener Aussage nicht: "Ich wollte ihr nur Angst machen", hatte er vor dem Gießener Landgericht beteuert.

Das dies eine äußerst fragwürdige Version der Tat ist, war an den ersten beiden Verhandlungstagen deutlich geworden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann versuchten Mord vor. Gestern war die zuständige Ermittlungsführerin der Polizei als Zeugin geladen. Sie hatte am 2. Januar die Ermittlungen übernommen und war auch bei der Durchsuchung des Anwesens des Angeklagten am 10. Januar dabei.

"Gleich als wir kamen, teilte er uns mit, dass die Schusswaffe im Schafstall versteckt sei und er die Schüsse auf seine Frau abgefeuert habe", sagte die Kriminalhauptkommissarin. Während der Hausdurchsuchung wurden zwei Revolver sichergestellt: Die Tatwaffe vom Kaliber 22 hatte der Angeklagte auf einem Balken im Schafstall versteckt.

Einen Waffenschein hatte der 63-Jährige allerdings nicht, auch zum Erwerb der Waffen wollte er keine Angaben machen. Der Angeklagte legte bei dieser Gelegenheit auch ein umfassendes Geständnis ab, wobei er aber auch zu diesem Zeitpunkt schon betonte, dass er seine Frau mit den Schüssen nicht habe treffen wollen, sondern ihr nur Angst einjagen wollte. "Er sagte, die Idee dazu sei ihm während des Schafehütens am Silvestertag gekommen", berichtet die Kriminalhauptkommissarin.

Auch ansonsten verhielt er sich während der Hausdurchsuchung durchaus kooperativ: "Er war der erste Beschuldigte eines versuchten Tötungs- delikts, den wir ohne Handschellen mit auf die Wache genommen haben", erklärte die Zeugin.

Während der folgenden Vernehmung hatte sie das Gefühl, dass sich der 63-Jährige vor der Tat keine Gedanken darüber gemacht habe, was deren Ausführung für ihn bedeuten könnte. Er selbst bezeichnete die Schüsse als eine "saublöde Idee".

Doch nicht nur die Waffen fielen den Beamten während der Hausdurchsuchung ins Auge, sie wurden auch auf die Hunde des Landwirts aufmerksam: "Alle Hunde wirkten verängstigt. Im Wohnhaus hauste ein Hund in einem Zwinger wie in einem Loch", berichtet die Polizistin. "Das fand ich so schlimm, dass ich die zuständigen Behörden informiert habe."

Zwar ist der Angeklagte nicht vorbestraft, doch bereits rund zwei Wochen vor der Tat, die momentan vor dem Landgericht verhandelt wird, hatte die Frau des Angeklagten erstmals Anzeige erstattet. Im August soll er ihren Kopf auf einen Anhänger gehauen und danach mit einem Arbeits- gerät auf sie eingeschlagen haben.

Dazu berichtete die Frau von einer verbalen Drohung ihres Mannes: "An dir mache ich mir nicht die Finger schmutzig - da würde ich jemanden kommen lassen, der das für 10 000 Euro macht", soll der Angeklagte in Gegenwart des gemeinsamen Sohn geäußert haben.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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