+
Die Trachtenfrauen aus zahlreichen Dörfern "rechts der Lahn" bei ihrem Treffen auf der Naunheimer Mühle.

Nicht nur sonntags fein gekleidet

  • schließen

Lahnau (sel). Die Marburger Tracht, die Hüttenberger Tracht, darunter stellen sich Zeitgenossen bis heute prächtige Gewänder aus alten Zeiten vor, auch wenn diese zum Teil prunkvollen Kleidungsstücke im Alltag längst verschwunden sind. Ab und an erblicken sie aber immer wieder das Licht der Öffentlichkeit, bei Trachtenfesten, besonderen Feiern und ähnlichen Anlässen.

Was mittlerweile aber fast gänzlich aus dem Bewusstsein entwichen ist: In früheren Zeiten war Trachtenkleidung in jedem Landstrich, auf allen Dörfern anzutreffen. Dies in Erinnerung zu rufen, haben sich schon vor vielen Jahren auf Initiative von Erna Schütz aus Dorlar Frauen aus zahlreichen Orten "rechts der Lahn" zusammengefunden. Sie haben sich das "Trachtengebiet Mittlere Lahn", das rund 20 Dörfer umfasst, zur Aufgabe gemacht. Dabei geht es um Trachten, wie sie um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert von den Frauen getragen wurden, werktags wie sonntags.

Immer etwas zu tun

Regelmäßig kommen die Frauen - alle zusammengenommen sind es derzeit rund 30 - aus den Dörfern rechts der Lahn zwischen Wetzlar und Gießen zusammen, zumeist in Dorlar. "Offene Trachtentreffen" nennen sich die Zusammenkünfte, die jederzeit für Interessierte offenstehen. Dabei steht die Kleidung der Vor-Vorfahren im Mittelpunkt, das Ausbessern wie das Anprobieren. Bei den Trachten handelt es sich um Original-Stücke, die die Zeiten in Schränken und Truhen überdauert haben.

Erna Schütz weiß viel zu sagen über die Trachten, die vor gut einem Jahrhundert noch zum Alltag gehörten. Und besonders zum Sonntag, denn dann wurde Feiertagstracht getragen. Und genau diese sommerlichen Festtagstrachten, die sich von Dorf zu Dorf in Kleinigkeiten unterschieden, hatten 18 Frauen angezogen, um sich in diesem besonderen Outfit auf der Naunheimer Mühle zu treffen - und zu zeigen.

"Seide auf Leinen" ist laut Schütz eine treffende Bezeichnung dieser Trachtenkleidung für die wärmere Jahreszeit. Um sich dann in Details zu vertiefen. Die feinen Ziertücher etwa sind aus Seide und oft in den Farben Lila, Türkis, Grau und Blau. Das Leinenhemd wird unterm Mieder-Leibchen getragen und hat einen Wulst, der den Bauernrock hält. Überm Rock wird stets eine Schürze getragen, an Sonntagen eine Zier-Schürze, oft aus Seide und mit feinen Spitzen. Um 1900 gab es dazu auch maschinell angefertigte, fein bestickte Schürzen im Jugendstil.

Um diese Zeit trugen alle Mädchen und Frauen sonntags eine Brosche mit den Zeichen Glaube-Liebe-Hoffnung, stilisiert als Kreuz, Herz und Anker. Ein Schmuck, der heutzutage aber nur noch selten zu finden ist. "Für unterwegs" hatten die Frauen und Mädchen seinerzeit ein Beutelchen aus Samt dabei oder auch ein feines Körbchen. "Diese wunderbare Tracht wurde aber ab etwa 1930 nicht mehr getragen", berichtet Erna Schütz.

Getragen werden die Trachten von den Frauen eher selten. Ab und an aber doch, wobei das Ankleiden schon viel Zeit beansprucht, denn alles muss stimmen und passen. So auch dieser Tage beim geselligen Zusammensein auf der Naunheimer Mühle.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare