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»Nicht mit dem Finger auf Opfer zeigen«

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Von: Jonas Wissner

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Immer wieder versuchen Betrüger, insbesondere ältere Menschen am Telefon in die Falle zu locken. SYMBOLFOTO: DPA © DPA Deutsche Presseagentur

Gießen (jwr). Es ist eine perfide Masche, die für Betrüger offenbar lukrativ ist und die Polizei stetig beschäftigt: Schockanrufe, mit denen teils gezielt ältere Menschen unter Druck gesetzt werden, um an deren Erspartes zu kommen. Neben dem Enkeltrick seien auch im Zuge der Corona-Pandemie weitere Varianten hinzugekommen, so Jörg Reinemer, Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen.

2021 habe es erneut mehrere Festnahmen nach Enkeltrick-Betrügen gegeben. »Der Strauß der Methoden ist kunterbunt und groß. Die Opfer werden am Telefon gehalten und durch massive psychische Beeinflussung dazu gedrängt, dass sie an ihr Geld gehen«, erläutert Reinemer das Vorgehen der Straftäter. Die Angerufenen würden so »massiv unter Druck gesetzt und sind wie in einem Tunnel«.

Wahrscheinlich hohe Dunkelziffer

Die Betrüger, meist aus dem Ausland, seien »geschult, gewieft und hinterhältig«. Die Zahlen in diesem Deliktsfeld sind laut Reinemer weiter »sehr hoch«, eine abschließende Auswertung für 2021 im Rahmen der Kriminalstatistik steht indes noch aus. Wahrscheinlich sei, dass es eine hohe Dunkelziffer gebe.

So erstaunlich es scheinen mag, dass solche Methoden immer wieder zum Erfolg führen, so wichtig ist es aus Sicht des Polizeisprechers, Opfer nicht zu stigmatisieren: »Wir hatten 2021 viele Fälle, wo Opfer gesagt haben: ›Ich kannte das Phänomen!‹ Aber sie sind in dem Moment dann so überrumpelt und so unter Druck gesetzt, dass ihnen keine Zeit zum Nachdenken bleibt. Später sagen viele: ›Was habe ich denn da gemacht?‹« Es könne »fast jeden treffen; da sollte man auf keinen Fall mit dem Finger auf die Opfer zeigen«.

Vielmehr sei geboten, schon im Vorfeld aufzuklären. So gebe es beispielsweise eine Partnerschaft zwischen der Polizei und den Gießener Banken. »Dort werden Mitarbeiter geschult, es passiert viel«, sagt Reinemer. Auf diesem Weg könne man, wenn erste Hinweise kommen, über eine Art Frühwarnsystem informieren.

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