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Neugier siegt über Vorsicht

  • Harold Sekatsch
    vonHarold Sekatsch
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Nach 26 Jahren gibt Wolfgang Schleer sein Amt als 1. Vorsitzender der Turn- und Sportfreunde Heuchelheim, einem der mitgliederstärksten Vereine im Landkreis, ab. Sein größter Verdienst ist die Realisierung des neuen Sportgeländes. Aus dieser Zeit stammt auch ein geflügeltes Wort: die Schleersche Fingerprobe.

Wer Wolfgang Schleer auf dem Sportplatz als Mitspieler erlebt hat, kennt ihn als Individualisten, aber auch als jemanden, der seine Stärken zum Wohle der Mannschaft ausspielen möchte. Auch als 1. Vorsitzender der TSF Heuchelheim hat er alles Erdenkliche zum Wohle der Mannschaft, sprich des Vereins, getan. Und das 26 Jahre lang, nachdem er zuvor drei Jahre lang als Jugendleiter bei den Turn- und Sportfreunden tätig gewesen war.

Bei der Mitgliederversammlung heute Abend (19 Uhr/Rustico) tritt er nicht mehr an: Der 72-Jährige legt das Amt des 1. Vorsitzenden in jüngere Hände. Unter seiner Ägide haben die TSF nicht nur vieles erreicht, sondern auch manche Klippen mit Mut, aber auch Ideenreichtum genommen.

Das jüngste Hindernis für die TSF Heuchelheim heißt Corona, und auch hier hat der Verein Tatkraft bewiesen. Trotz der Pandemie wird der Sportbetrieb fortgesetzt. Mit klug ausgetüftelten Systemen in den Abteilungen haben die TSF-Sportler eine Kapitulation vor dem Virus umgangen. "Wir glauben an die Gestaltungskraft des Sports", hatte Schleer im Namen des Vereinsvorstandes ausgerufen.

Als Chef des 2300-Mitglieder-Vereins ist Wolfgang Schleer auch ein Teamplayer, mit klaren Vorstellungen und einer besonderen Maxime, die sein Handeln antreibt: "Neugier siegt über Vorsicht", sagt er. "Mit dieser Neugier kannst du Projekte in Angriff nehmen, und dann kommt es auch zu Innovationen. Ich bin ein totaler Anhänger davon, dass man etwas klar durchdenkt, das mit allen Unwägbarkeiten sieht und dann zu einem Ergebnis kommt. Wenn man das verschriftlichen kann und es auf den Punkt bringt, dann ist alles niet- und nagelfest. Das ist der Königsweg, um zu Lösungen zu kommen."

In die Amtszeit von Schleer fiel die alles andere als leichte Realisierung einer neuen Sportanlage zwischen Schwimmbadstraße und Kahnplätzchen. Hier haben die TSF eine Reihe von Ideen entwickelt, dank derer das Projekt vollendet werden konnte, "denn das alte Gelände am Geiersberg war verschlissen". Mithilfe zahlreicher Mitstreiter, nicht nur im Verein, sondern auch in der Politik, ist ein Sportgelände entstanden, um das die TSF von zahlreichen anderen Vereinen beneidet werden.

Probleme bereitete beim Bau unter anderem der Kunstrasenplatz, bei dem das Partnerunternehmen nicht die erwartete Qualität lieferte. Ein geflügeltes Wort kreierte dabei der Rechtsvertreter dieser Firma, der von der "Schleerschen Fingerprobe" sprach, wenn der TSF-Vorsitzende mit einfachen Mitteln den Untergrund einer Überprüfung unterzog.

Es sind zahlreiche Erfolge, auf die die Heuchelheimer unter Schleers Ägide zurückblicken können. Etwa auf die Verleihung des Hinz-Lindner-Preises des Landessportbundes Hessen. Damit wurde gewürdigt, dass die Tischtennisabteilung der TSF eine Behindertensparte gegründet hat, der inzwischen 25 Sportler angehören. Die Ausrichtung der deutschen Tischtennis-Meisterschaften im Behindertensport 2016, bei denen die TSF als Gastgeber einen hervorragenden Eindruck hinterließen, war ein weiterer Höhepunkt.

Es ist bezeichnend für den Menschen Wolfgang Schleer, dass er immer über all die anderen redet, wenn es um Verdienste in seiner Ära geht. Er sei ein Teil des Teams, in vorderster Reihe zwar. Aber ohne seine Mitstreiter sei das alles nicht möglich gewesen, sagt er. So wird er nicht müde, seine Abteilungsleiter und Mitarbeiter zu preisen. Christine Lenke (Tischtennis) etwa. Oder aber Hans Muhl (Leichtathletik), der maßgeblichen Anteil daran hat, dass mehrfach der Ländervergleich Hessen, Württemberg, Bayern in Heuchelheim stattfindet. Auch Lothar Sequenz wird im Zuge des Sportplatzbaus vom Noch-Vorsitzenden besonders erwähnt. Weitere Trümpfe, die der TSF-Vorsitzende aus dem Ärmel ziehen kann: die Zahl der jugendlichen Vereinsmitglieder (800), die große Zahl an lizenzierten Übungsleitern (zuletzt über 70) und die Möglichkeit, bei den Turn- und Sportfreunden ein Freiwilliges soziales Jahr zu absolvieren. Davon haben in den vergangenen Jahren 15 junge Leute Gebrauch gemacht. "Schule und Verein" ist ein weiteres Aufgabengebiet, das für den scheidenden Vorsitzenden einen hohen Stellenwert besitzt.

Auch wenn der Vorsitzende Schleer, pensionierter Studiendirektor und Inhaber des Ehrenbriefs des Landes Hessen, nicht zur Wiederwahl antritt, will er sein Wissen in der Vereinsarbeit nicht mit in den Ruhestand nehmen. Er stellt sich bei der Mitgliederversammlung der TSF heute Abend zur Wahl auf einen anderen Posten im Vorstand, sozusagen im zweiten Glied. Seine Kenntnisse möchte er dem Verein auch weiter zur Verfügung stellen, zumindest für eine Wahlperiode. Der Abschied aus dem Vorstand der TSF erfolgt also stufenweise; vielleicht hat er später mehr Zeit für andere Freizeitaktivitäten wie Rad- und Bahnfahren, Reisen, Wandern und Fotografieren.

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