Grünes Licht für die Lumdatalbahn-Reaktivierung - hier ein Abschnitt in Allendorf/Lumda - gibt es nach wie vor nicht, aber neue Signale.
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Grünes Licht für die Lumdatalbahn-Reaktivierung - hier ein Abschnitt in Allendorf/Lumda - gibt es nach wie vor nicht, aber neue Signale. ARCHIVFOTO: JWR

Mögliche Reaktivierung

Neuer Prüfbericht: Lumdatalbahn für 26 Millionen Euro?

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Um die Lumdatalbahn ist es während der Corona-Monate ruhig geworden. Nun stehen neue Zahlen im Raum - und Landrätin Anita Scheider berichtet von einem Gespräch in Berlin, das die Reaktivierung näher gebracht habe.

Zwar hatten die Verfechter der Lumdatalbahn-Reaktivierung emsig weiter getrommelt und um Unterstützung geworben, etwa bei einer Sonderfahrt nach Nürnberg im September. Doch mancher gewann den Eindruck, dass zuletzt noch mehr Gras über die alten Gleise gewachsen, die Reaktivierung auch im Zuge der Corona-Herausforderungen aus dem Fokus und Richtung Abstellgleis geraten ist.

Hinter den Kulissen wurden jedoch weitere Gespräche geführt. Von neuen, aus ihrer Sicht »weiteren wichtigen Schritten« berichtete Landrätin Anita Schneider am Mittwoch bei einem digitalen Pressegespräch zum aktuellen Planungsstand. Ob in einigen Jahren zwischen Londorf und Lollar wieder Züge fahren, ist weiter offen. Doch nun steht eine neue, bedeutende Zahl im Raum: Laut Schneider liegt seit 9. Oktober der Abschlussbericht für die Leistungsphasen I und II vor. Die Planung hatte der RMV an ein externes Büro vergeben.

Bislang wurde über Infrastrukturkosten für die Reaktivierung von insgesamt knapp elf Millionen Euro gesprochen. Diese Schätzung stammt aus einer Machbarkeitsstudie von 2018 und beruht, wie die Landrätin betont, auf einem Preisindex von 2006. Nun nennt der Abschlussbericht laut Schneider eine deutlich höhere Summe. Das Land geht von 32,5 Millionen Euro aus, wobei ein Viertel als Puffer für mögliche Preissteigerungen mit veranschlagt sei (siehe Infokasten). Liefe alles glatt, würde es nach Rechnung des Landes also um 26 Millionen Euro gehen. »Diese Kostenentwicklung basiert auf einer grundhaften Erneuerung der Bahnanlagen«, wovon die Machbarkeitsstudie noch nicht ausgegangen sei.

Neue Zahlen zur Lumdatalbahn: Komplizierter Fahrplan zur Reaktivierung

So deutlich sich die Schätzung von 2018 und die neue Summe unterscheiden, so wenig sind sie aus Schneiders Sicht vergleichbar: »Die Machbarkeitsstudie konnte nur eine Tendenz darstellen.« Dass die angenommenen Kosten sich bei genauerer Betrachtung noch deutlich erhöhen könnten, hatte Schneider selbst bei Veranstaltungen mehrfach geäußert.

Kompliziert ist der Fahrplan auf dem Weg zur möglichen Wiederinbetriebnahme auch deshalb, weil viele Akteure dabei zumindest potentiell eine Rolle spielen: etwa der Kreis, das Land und der Bund. Und lange schien es, als warte einer auf den anderen.

Schneider informierte nun über ein Gespräch, das sie Ende Oktober unter anderem mit Vertretern des Bundesverkehrsministeriums, des Landes sowie den Verbünden ZOV und RMV geführt habe. Es zeichne sich ein gemeinsamer Weg ab, den die Landrätin als »sehr positiven Prozess« versteht. Ankerpunkt ist eine Novelle des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes aus dem Frühjahr, die für Streckenreaktivierungen in ländlichen Räumen neue Kriterien vorsieht, um die Förderfähigkeit zu prüfen. Auch auf Landesebene gab es parallel Überlegungen, wie kleinere Infrastrukturprojekte wie die Lumdatalbahn passgenau betrachtet werden können, ohne sie wirtschaftlich mit weit größeren Vorhaben wie etwa neuen S-Bahn-Linien zu vergleichen. Solche Kriterien könnten am Ende über die Förderfähigkeit entscheiden, weil unterm Strich der Nutzen die Kosten überwiegen müsste.

Neue Zahlen zur Lumdatalbahn: Landrätin zeigt sich optimistisch

Das Ergebnis des Gesprächs mit Berlin: Laut Schneider will der Bund die Förder-Richtlinien im Zuge der Novelle bis Ende des Jahres festzurren. Sie habe das Projekt Lumdatalbahn in vielen Facetten vorgestellt, die Rückmeldung des zuständigen Staatssekretärs sei positiv gewesen. »Es könnte in die Förderkulisse des Bundes passen«, so Schneider. Vereinbart worden sei, dass der Bund die Vorschläge des Landes prüfen und aufgreifen wolle. Anfang 2021 werde das Land dann erneute Gespräche mit dem Ministerium führen, um die Förderfähigkeit der Reaktivierung zu prüfen. Auf dieser Grundlage könne der Kreistag dann entscheiden, ob weitere Schritte beauftragt werden.

Im Optimalfall könnten der Landrätin zufolge bis zu 90 Prozent der Infrastrukturkosten vom Bund übernommen werden - und darauf sei man angewiesen: »Der Landkreis könnte das finanziell nicht stemmen.« Allerdings könne nur das Land die Förderung beim Bund beantragen. Daher sei der nun eingeschlagene Prozess der richtige Weg.

Die Landrätin gibt sich angesichts des Gesprächs hoffnungsvoll. Die Signale aus Berlin seien positiv, »die haben nicht gesagt: Packt die Lumdatalbahn ein und geht nach Hause«. Nun müsse man weiter Schritt für Schritt gehen, »das ist nunmal so in einem solchen Verfahren«.

Zwei Berechnungsmodelle

Als es beim Pressegespräch am Mittwoch um Zahlen ging, wurde es kompliziert. Zwei Berechnungen stehen im Raum: Das vom RMV beauftragte Gutachten rechnet laut Kreis mit 36,6 Millionen Euro an Infrastrukturkosten (inklusive 25 Prozent Zuschlagsfaktor). Das Land Hessen kommt dagegen auf eine Summe von 32,5 Millionen (ohne Puffer: 26 Millionen). Der Grund: Dort geht man davon aus, dass die Kosten für Eisenbahnkreuzungen nur zu einem Drittel anzusetzen sind. jwr

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