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Beliebter Badesee in Gefahr? Protest gegen neuen Gewerbepark

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Von: Christina Jung

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Dass auf dem Ackerland zwischen Inheiden und Trais-Horloff ein Gewerbepark entstehen soll, ist nicht neu. Auch nicht, dass die Planung Kritiker auf den Plan ruft. Jetzt allerdings regt sich neuer Protest. Eine »kleine Interessensgemeinschaft Inheidener See« wittert einen »Skandal«.
Dass auf dem Ackerland zwischen Inheiden und Trais-Horloff ein Gewerbepark entstehen soll, ist nicht neu. Auch nicht, dass die Planung Kritiker auf den Plan ruft. Jetzt allerdings regt sich neuer Protest. Eine »kleine Interessensgemeinschaft Inheidener See« wittert einen »Skandal«. © Tina Jung

Ein geplanter Gewerbepark im Kreis Gießen sorgt für heftige Diskussionen. Nun bezieht der Bürgermeister von Hungen Stellung.

Hungen – »Skandal« steht in großen schwarzen Versalien auf einem Flyer, der gerade im Hungener Stadtteil Inheiden kursiert und offenbar großflächig über die sozialen Medien verbreitet wird. Worum es geht, erfährt der Leser in etwas kleinerer Schrift darunter - direkt nach einem Foto, welches das Logistikzentrum auf der Langsdorfer Höhe zeigt. Thema ist der geplante Gewerbepark Hungen-Süd, der nach Auffassung der Verfasser die »einzigartige Naturlandschaft« am Inheidener/Trais-Horloffer See bedroht.

Befürchtet werden Großlogistik à la Lich, gigantische Hallen, eine Zunahme von Schwerlastverkehr, außerdem eine stärkere Umweltbelastung durch Abgase, Lichtsmog, Gummiabrieb, Lärmbelästigung, Versiegelung von Flächen, Grundwasserbelastung oder das Verdrängen von Flora und Fauna. Aspekte, die Kritiker schon vor anderthalb Jahren vorgebracht hatten und die im Rahmen des Bauleitplanverfahrens bereits Berücksichtigung fanden.

„Skandal“-Flyer zu Gewerbepark Hungen-Süd: Bürgermeister sieht „Hetze“

Verantwortlich für die Zeilen ist »eine kleine Interessensgemeinschaft am Inheidener See«. Sie ruft dazu auf, dass sich die Menschen gegen die Planungen wehren: Indem sie auf dem Beteiligungsportal des Landes Hessen zum neuen Regionalplan über den aktuellen Entwurf Stellung nehmen. Indem sie die Sitzungen der städtischen Gremien - heute und am Dienstag kommender Woche - besuchen und ihren Unmut kundtun.

Allerdings wird der Gewerbepark Hungen-Süd in diesem Rahmen gar nicht behandelt, wie Bürgermeister Rainer Wengorsch auf Anfrage dieser Zeitung mitteilt. Das Areal zwischen Inheiden und Trais-Horloff war bereits im alten Regionalplan als Vorranggebiet für Industrie und Gewerbe festgesetzt worden. Auf Grundlage dieser raumordnerischen Voraussetzung wurde schon der erste Bauabschnitt umgesetzt. »Daran gibt es nichts mehr zu rütteln«, so Wengorsch, der auch noch mit weiteren Unwahrheiten im Flyer aufräumt, den er als »Hetze« bezeichnet.

Denn in dem Schreiben ist von Großlogistik auf 14 Hektar und einer Hallenhöhe von 20 Metern die Rede, außerdem von hunderten Lkw-Bewegungen täglich. »Das ist alles völliger Unsinn«, ärgert sich der Rathauschef. Zum Gewerbepark gebe es einen Beschluss der Stadtverordneten vom vergangenen Juli, der einen Kriterienkatalog zur Vermarktung vorsieht, der gerade von der Verwaltung erarbeitet wird. Themen wie Nachhaltigkeit, der Ausschluss von großen Logistikbetrieben, reduzierte Gebäudehöhen auf maximal 15 Meter inklusive Photovoltaikanlage (im Außenbereich zwölf), begrenzte Grundstücksgrößen oder hochwertige Betriebe mit entsprechenden Arbeitsplätzen, zählt Wengorsch einige Beispiele auf. Und er betont, dass jeder Flächenverkauf, bei dem es um mehr als drei Hektar geht, eines positiven Votums der Stadtverordnetenversammlung bedarf.

Inheidener See im Kreis Gießen in Gefahr? „Desinformationspolitik“

Besagter Kriterienkatalog soll von den Mandatsträgern in einer der nächsten Sitzungen mit beschlossen werden, wenn das Thema Gewerbepark erneut auf der Tagesordnung steht. Das wird nicht mehr lange dauern, denn nach der ersten Offenlage werden derzeit gerade die Hinweise eingepflegt. Wengorsch: »Der überarbeitete Entwurf ist kurz vor der Fertigstellung.«

In Kürze wird dieser den politischen Entscheidungsträgern also zur Beschlussfassung über die Änderungen und eine erneute, zweite Offenlage vorliegen. Zudem soll es - sobald der Entwurf in der veränderten Form da ist - eine Bürgerinformationsveranstaltung geben, was lange bekannt sei. Mit Blick auf diese wehrt sich der Bürgermeister gegen eine angebliche »Desinformationspolitik«, die ihm die Interessensgemeinschaft Inheidener See vorwirft. Zudem informiere er in öffentlichen Sitzungen und Pressemitteilungen. (ti)

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