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Knapp 30 000 Menschen sind inzwischen im Kreisgebiet zum Schutz vor Corona geimpft worden - 16 651 von ihnen im Impfzentrum.

Neuer Impfstoff in Heuchelheim

  • vonStefan Schaal
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Ab kommendem Wochenende wird im Impfzentrum in Heuchelheim auch der Wirkstoff von Astrazeneca verabreicht. Damit soll dort mit der Impfung von Menschen begonnen werden, die unter 65 Jahre alt sind und nicht zur Gruppe der höchsten Priorität zählen. Der Impfstoff steht allerdings in der Kritik.

Bei den Corona-Schutzimpfungen in Heuchelheim steht die zweite Phase bevor. Ab kommendem Wochenende soll im Impfzentrum nun erstmals der Wirkstoff von Astra-zeneca verabreicht werden.

Das Land habe die Anweisung gegeben, dass an den Wochenenden des 27. und 28. Februar sowie am 6. und 7. März in Heuchelheim Zeitfenster geschaffen werden sollen, um Impfungen mit dem Astrazeneca-Vakzin und an diesen Tagen möglichst wenige mit den Präparaten von Biontech und Moderna vorzunehmen, berichtete Mario Binsch, der Leiter des Impfzentrums.

Landrätin Anita Schneider bestätigte, dass damit allmählich die zweite Stufe bei den Schutzimpfungen beginne. Der Astrazeneca-Wirkstoff wird bisher nur für Menschen unter 65 Jahren empfohlen. Wer das Vakzin in Heuchelheim erhalten soll und wie viel davon verabreicht wird, sei unklar, sagte Binsch. »Wir warten auf einen Einsatzbefehl des Landes.« Binsch wies auf einen Erlass vom 17. Februar hin, wonach die Impfung von Menschen einzuleiten sei, die wie zum Beispiel Haus- und Zahnärzte aus beruflichen Gründen zur zweiten Priorität gehören.

Der Impfstoff von Astrazeneca wird im Kreisgebiet bereits seit mehreren Wochen Mitarbeitern in Krankenhäusern und Kliniken verabreicht. Das Präparat steht allerdings aufgrund von Nebenwirkungen wie Fieber, Schüttelfrost und Gliederschmerzen bei bis zu 40 Prozent der Impfungen in der Kritik. Die Reaktionen seien heftiger und häufiger als beispielsweise beim Impfstoff von Biontech, räumte die Landrätin ein. Dies liege aber vor allem daran, dass jüngere Personen das Astrazeneca-Vakzin erhalten, die auf derartige Wirkstoffe aufgrund ihres jüngeren Alters eben stärker reagieren.

Man müsse die Nebenwirkungen mit dem Ergebnis ins Verhältnis setzen, sagte Renate Braun, die ärztliche Leiterin des Impfzentrums in Heuchelheim. »Man hat einen Tag Fieber, dann aber setzt der Impfschutz ein.«

Binsch gab die erstmalige Verabreichung des Impfstoffs Astrazeneca in Heuchelheim am Freitag in der ersten Sitzung des neu gegründeten Impfbeirats bekannt. In dem Gremium sitzen neben der Landrätin und der Leitung des Impfzentrums auch der Vorsitzende des Kreistags sowie die Vorsitzenden des Senioren- und des Behindertenbeirats. Der Impfbeirat trifft keine Entscheidungen, sondern soll Öffentlichkeit und Transparenz herstellen, sagte Schneider.

Binsch legte den Teilnehmern der Sitzung eine Bilanz der bisherigen Impfungen vor. Demnach sind seit Ende Dezember bis Donnerstagabend 29 533 Menschen im Landkreis geimpft worden - 16 651 von ihnen im Impfzentrum in Heuchelheim, 7179 Personen in Pflegeheimen und 5703 in Krankenhäusern. In den kommenden Tagen würden die Impfungen in den Seniorenzentren abgeschlossen, sagte Binsch. Die erste und die zweite Impfung seien in 24 von 28 Altenheimen durchgeführt.

In den Krankenhäusern seien derweil Mitarbeiter, die zur höchsten Priorität gehören, zu 81 Prozent geimpft, in der zweiten Prioritätsstufe hätten bereits 3499 Mitarbeiter die Impfung vollzogen. Krankenhäuser haben bei der Impfung hohe Bedeutung, auch weil Kliniken aufgrund von Corona-Fällen immer wieder ganze Stationen hatten schließen müssen, betonte Binsch. »Wenn es zu einer dritten Welle kommt, werden wir jeden Mitarbeiter im Krankenhaus benötigen.« Ansonsten drohe die Situation, dass Rettungsdienste Krankenhäuser per Notzuweisung zwingen müssen, trotz Personalknappheit Patienten aufzunehmen. »Das ist patientengefährdend.«

Binsch trat Gerüchten um angebliche Vordrängler entgegen. Selbst Mitarbeiter im Heuchelheimer Impfzentrum erhielten keine Termine, erklärte er. Sie würden erst berücksichtigt, wenn Impfstoff übrig bleibe. Vor diesem Hintergrund seien auch 117 Hausärzte, die in Pflegeheimen tätig sind, geimpft worden.

37 Impfdosen seien ungenutzt verfallen, berichtete Binsch. In der Hälfte der Fälle habe man Fremdkörper in den Fläschchen identifiziert. Zehn Impfdosen seien in den ersten Tagen wegen Fehlern mobiler Teams beim Aufziehen der Spritze verloren gegangen, danach habe es erneute Schulungen gegeben. »37 von 30 000 Impfdosen«, sagte Binsch. »Das ist ein Promille. Das passiert.«

Nach Impfungen in Pflegeheimen im Landkreis ist es unterdessen zu zwei Todesfällen gekommen. Es hätten dabei allerdings schwere Vorerkrankungen vorgelegen, sagte Braun. In einem der beiden Fälle habe es sich um eine zum Zeitpunkt der Impfung bereits bestehende, allerdings erst später nachgewiesene Covid-19-Erkrankung als Todesursache gehandelt.

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