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Kay-Achim Becker, scheidender Obermeister

Neue und alte Probleme

  • VonFranz Ewert
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Gießen (sel). Trotz aller vielschichtigen Probleme, die seit 18 Monaten in der Coronapandemie begründet liegen, ist das heimische Baugewerbe nach Einschätzung von Kay-Achim Becker »bis jetzt recht gut durch die Krise gekommen«. Der Bauunternehmer aus Beuern, erstattete in der ersten Präsenzveranstaltung im Kulturzentrum Buseck vor zahlreich anwesenden Kollegen seinen letzten Bericht als Obermeister der Innung des Baugewerbes Gießen und der Bezirksstelle Gießen des Verbandes baugewerblicher Unternehmer Hessen e.

V.

Nach zwei Amtsperioden und insgesamt zehn Jahren an der Spitze von Bauinnung und Bezirksstelle trat der 49 Jahre alte Becker bei den anstehenden Vorstandswahlen für die Führungsämter beider Verbände nicht mehr an. Becker bleibt allerdings als stellvertretender Obermeister und stellvertretender Bezirksstellenleiter für beide berufsständischen Organisationen aktiv. Der Bauingenieur will den Schwerpunkt seiner ehrenamtlichen Tätigkeiten für das Handwerk verstärkt auf sein Amt als Kreishandwerksmeister legen.

Jenseits des für das Baugewerbe glimpflich verlaufenen Coronajahres türmen sich jedoch damit zusammenhängende Probleme auf, die sich auch auf den Endverbraucher und Auftraggeber für Bauleistungen auswirken werden. Da ist zum einen die enorme Materialknappheit, die sowohl den Hoch- als auch den Tiefbau sowie das Ausbaugewerbe - und insgesamt zahlreiche andere Gewerke - betrifft. Leider gehe dies auch zwangsläufig mit teils eklatanten Preissteigerungen einher, sagte Becker. Da im Bauhandwerk - anders als in zahlreichen anderen Wirtschaftszweigen - das Instrument Homeoffice nicht zur Krisenbewältigung herangezogen werden konnte, hat das Baugewerbe laut Becker »subjektiv und objektiv das Gefühl«, nicht gleichbehandelt worden »und etwas hinten heruntergefallen« zu sein. Seine Bitte, die Unternehmen nicht alleine zu lassen, richtete Becker an die Politik.

Ein zweites erhebliches Problem stelle für das Bauhandwerk der Fachkräfte- und der Nachwuchsmangel dar. Wenn sich, wie aktuell für den Bereich von Stadt und Landkreis Gießen zu konstatieren, »die Ausbildungszahlen pro Lehrjahr im einstelligen Bereich bewegen«, mache das dem Gewerk zu schaffen.

Laut Becker gilt es, den Stellenwert des Handwerks in der öffentlich Wahrnehmung zu stärken. Weil das Handwerk »Probleme hat, an die jungen Leute heranzukommen«, werden neue Wege beschritten.

Langfristiges Ziel: Imagewandel

So sollen in dem von den Kreishandwerkschaften Gießen und Lahn-Dill mit Unterstützung zahlreicher anderer Institutionen auf den Weg gebrachten »Verein Handwerk Mittelhessen e.V.« sowie darin eingebettet der Aktion »Azubi-Guides« junge Handwerker, die noch in der Lehre sind, in den Abschlussklassen allgemeinbildender Schulen für eine Ausbildung werben. Authentisch und auf Augenhöhe sollen die jungen »Botschafter des Handwerks« die unterschiedlichen Berufsbilder im Handwerk vermitteln.

Dabei gehe es nicht in erster Linie um kurzfristige Erfolge, sondern vor allem um einen mittelfristigen Imagewandel, mit dem das Handwerk langfristig salonfähig gemacht werden solle. Das Konzept hat sich im Lahn-Dill-Kreis bereits bewährt. Vorsitzender des neuen Vereins Handwerk Mittelhessen e. V. ist übrigens Kay-Achim Becker.

Neuer Obermeister der Innung des Bauhandwerks Gießen und gleichzeitig der Bezirksstelle Gießen des Verbandes baugewerblicher Unternehmer Hessen ist Steffen Freitag, bisher Stellvertreter Beckers in beiden Organisationen. Er wurde einstimmig für fünf Jahre gewählt. Freitag steht in vierter Generation an der Spitze des von seinem Urgroßvater Carl Freitag 1933 gegründeten Gießener Bauunternehmens. Er tritt eine in dieser Form wohl einmalige Familientradition im Blick auf das Amt des Innungsobermeisters an: Nicht nur sein Vater Klaus Freitag war einst Obermeister, sondern auch schon sein Großonkel Walter Freitag.

Den Vorstand der 36 Mitgliedsbetriebe starken Innung Gießen komplettieren Stephan Faber (Gießen), Martin Scheld (Gießen), Matthias Will (Staufenberg), Jürgen Kress (Hungen) und Pavel Thomaschewski (Buseck). FOTO: SEL

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