Norbert und Stephanie Szalay (l.) übernehmen den Kiosk von Roswitha und Reiner Deckert.
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Norbert und Stephanie Szalay (l.) übernehmen den Kiosk von Roswitha und Reiner Deckert.

„Logana Tours“

Neue Pächter übernehmen beliebten Imbiss am Lahnufer

  • Lena Karber
    VonLena Karber
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Wer regelmäßig an der Lahn unterwegs ist, kennt wahrscheinlich den „Logana Tours“-Kiosk in Odenhausen – und dürfte dort bald Veränderungen bemerken.

Lollar – Am Sonntag ist Schluss: Nach fünf Jahren ziehen sich Roswitha und Reiner Deckert aus dem Imbiss von »Logana Tours« am Odenhäuser Lahnufer zurück. Doch neue Pächter sind bereits gefunden - und sie bringen einige kulinarische Erfahrung mit. »Ich habe alles gegeben«, sagt die bisherige Inhaberin, die mit Stolz auf die Entwicklung der vergangenen Jahre zurückblickt. »Jetzt kommen Fachleute ins Spiel.«

Obwohl es ein Werktag ist und der Sommer sich bereits verabschiedet, ist an dem Kiosk einiges los. An einem Tisch sitzt eine Gruppe Frauen in der Sonne und trinkt Radler, an einem anderen unterhalten sich einige männliche Stammgäste. Zudem sorgt die Lage am Lahn-Radweg dafür, dass neben Kanu-Fahrern auch zahlreiche Radler anhalten, um Rast zu machen. »Es ist so ein schönes Plätzchen, hier kann man sich richtig erholen«, schwärmt Roswitha Deckert und deutet in Richtung Fluss. »Es ist schon ein komisches Gefühl, den Kiosk nun abzugeben«, sagt die 65-Jährige. »Ich habe den ja aufgebaut, der ist ja mein Baby.«

Kreis Gießen: Scheidende Kiosk-Betreiber hatten holprigen Start in Odenhausen

Dieser liebevolle Kosename scheint auch in anderer Hinsicht zu passen, denn am Anfang bereitete der Kiosk seiner Inhaberin vor allem eines: schlaflose Nächte. Sohn Timo wollte damals den Bootsverleih pachten, an den war jedoch der Kiosk gekoppelt. Er überredete kurzerhand seine Eltern, diesen zu übernehmen. Roswitha Deckert, die im Außendienst einer Firma für Berufsbekleidung tätig war, traf das ziemlich unverhofft: »Am Anfang war es sehr schwierig.«

Dennoch hat der Kiosk unter Deckerts Regie in den vergangenen Jahren immer mehr Zuspruch gefunden. Aus fünf Tischen wurde ein Außenbereich mit 86 Sitzplätzen. Dabei war der Start holprig. »Im ersten Jahr wurden wir gleich viermal getestet, es gab viermal Hochwasser«, erinnert sie sich. Für die Deckerts hieß das: alles wegräumen - und gleich beim ersten Mal sorgten vergessene Flaschen im Kühlschrank für eine große Sauerei. Damals kamen der Betreiberin Zweifel, heute nimmt sie es mit Humor. »Aus Lehrgeld wird man ja klug«, sagt sie. Dank einer Großbaustelle in Odenhausen 2019 und der Coronapandemie wurde den Deckerts auch in der Folge nicht langweilig. »Und es gab sogar noch eine Steigerung«, sagt die 65-Jährige und lacht. »Dieses Jahr hatten wir einen Scheißsommer und Corona.«

Deckerts Entscheidung, den Kiosk abzugeben, hat damit jedoch nichts zu tun. »Wir haben das alles gut gemeistert«, sagt sie. Gerade in der Pandemie seien die Menschen gerne gekommen und dankbar für die Möglichkeit gewesen, einmal rauszukommen. Für Deckert bedeute der Kiosk jedoch wenig Freizeit. »Ich hatte fünf Jahre lang im Prinzip keinen Sommer«, sagt sie. Und nachdem ihr Mann bereits in Rente sei, stehe das nun auch bei ihr an. »Mit fast 66 bin ich im letzten Viertel des Lebens angekommen. Und solange es uns so gut geht, wollen wir das genießen.«

Kreis Gießen: Stephanie Szalay aus Odenhausen übernimmt Kiosk

Doch ist nicht nur die Vorfreude auf den Ruhestand, die Roswitha Deckert die Übergabe des Kiosk erleichtert - es sind auch die neuen Pächter, bei denen sie ihr »Baby« in guten Händen weiß. Schließlich hat Stephanie Szalay Erfahrungen im Verkauf, und ihr Mann Norbert kommt aus der Gastronomie. Nach seiner Ausbildung in Ungarn war der 53-Jährige für die Klostermühle in Arnsburg sowie beim Kloster Schiffenberg tätig. Zudem hat er eine Ausbildung zum Barista gemacht und zuletzt zehn Jahre lang Kunden im Gießener Kaffeehaus Papaveri der Bäckerei Künkel mit Latte Art beglückt. »Ich habe mein Bestes gegeben«, sagt Deckert. »Aber jetzt kommen Fachleute ins Spiel.«

Für Stephanie Szalay, die aus Odenhausen stammt, erfüllt sich mit dem Kiosk ein Lebenstraum. »Ich wollte schon immer ein eigenes Café oder einen eigenen Kiosk haben«, erzählt sie. Mit ihrem Mann, den sie 2012 bei Künkel kennengelernt hat, hat sie häufig über das Thema Selbstständigkeit gesprochen. Zudem gehören beide seit Jahren zu den Stammgästen des Kiosks und sind dadurch eng mit Familie Deckert befreundet. Als die Frage aufkam, ob sie übernehmen möchten, mussten die Szalays daher nicht lange überlegen. »Wir haben sofort zugeschlagen«, sagt der Gastronom. »Das ist eine Perle direkt vor der Haustür.«

Kreis Gießen: Mehr Sitzplätze und neue Speisekarte am Lahnufer in Odenhausen

Auch Pläne haben die beiden schon geschmiedet: So wollen die neuen Pächter die Zahl der Sitzplätze auf 150 bis 200 erhöhen, den Wagen vergrößern, Kaffee aus einer Siebträgermaschine mit Milchaufschäumer servieren, die Öffnungszeiten auf 10 bis 20 Uhr erweitern und den montäglichen Ruhetag abschaffen. Zudem wird es eine neue Speisekarte geben, die etwa Hackbraten mit Zwiebelsoße, Handkäs mit Musik, Flammkuchen, Minipizzen, Salate und ungarische Gulaschsuppe aus speziellen Mini-Kesseln umfasst. Saisonalen Blechkuchen soll der ehemalige Arbeitgeber Künkel liefern. »Wir wollen frische Zutaten verwenden und das regionale Handwerk unterstützen«, sagen die beiden.

Roswitha Deckert sieht ihren Kiosk also in den besten Händen. Sie wird weiterhin ans Lahnufer kommen, doch ihr Platz ist nun nicht länger hinter, sondern vor dem Verkaufstresen. Darauf freut sie sich: »Ich komme als Gast und kann gehen, wann ich will.« (Lena Karber)

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