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Der Seenbach oberhalb von Freienseen: An verschiedenen Stellen des Gewässers wollen Naturschützer junge Edelkrebse einsetzen, um die Population der vom Aussterben bedrohten Art zu stärken.

Neue Chancen für eine bedrohte Art

  • Thomas Brückner
    VonThomas Brückner
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Laubach (tb). Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war er in heimischen Gewässern weit verbreitet, gern gesehen und auch gegessen: der europäische Edelkrebs Astacus astacus. Und auch später noch krebste er hierzulande durch Flüsse und Bäche, sodass sich die Älteren noch an ihn erinnern dürften.

Auch in Freienseen. Dort war im Jahr 2005 der letzte seiner Art im Rahmen eines artenschutzfachlichen Gutachtens nachgewiesen worden. Freilich nur ein einzelnes männliches Tier. Ausgemacht wurde es im Mühlgraben der Löbsackmühle, wie Uwe Beyer berichtet.

Der Freienseener macht sich nun stark für die Rückkehr der bedrohten Art ins Seenbachtal. Und mit ihm der Ortsbeirat Freienseen. Der Einsatz ist dringend geboten, denn Astacus astacus ist eine bedrohte Art. Ursache ist die sogenannte Krebspest. Eine Pilz-Krankheit, die sich infolge des Einbringens amerikanischer Flusskrebsarten in Europa ausbreitet. Naturschützer fürchten daher, einheimische Verwandte, insbesondere der Edelkrebs, könnten weitgehend ausgerottet werden.

Auch im Gießener Land, bestätigt der Biologe Dr. Markus Dietz (Laubach), sind nur einzelne Bestände übrig geblieben, etwa in der Horloff. Viel zu wenig für die Sicherung einer heimischen Population.

Waschbär mag sie zum Fressen gern

Gefährdet wird der Edelkrebs aber auch durch Gewässerbaumaßnahmen, den Eintrag von Schadstoffen ins nasse Element - sowie und nicht zuletzt durch den eingewanderten Waschbär, der den Krebs zum Fressen gern hat.

Neben Uwe Beyer engagiert sich die neu in den Ortsbeirat gewählte Tjalda Hessling für die Wiederansiedlung der Tiere. Wie letztere berichtet, habe man dafür Kontakt mit Dr. Dietz und auch der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) beim Landkreis Gießen aufgenommen.

Als erster Schritt wurden vier Reusen angeschafft und ausgebracht. Dies in der Hoffnung, Edelkrebse zu finden. Denn laut UNB dürfe es zur geplanten Aussetzung von Exemplaren nur kommen, wenn vor Ort noch eine Population besteht. Mithin ist zu klären, ob der Seenbach heute und künftig ein geeigneter Lebensraum sein kann. Dass dem so ist, der Edelkrebs in Freienseen eine »Heimstatt« hat, darin zeigen sich die Naturschützer zuversichtlich. Hessling: »Es ist halt nur nach 2005 nicht mehr nachgeschaut worden.«

Mit einem gezielten Besatz also soll die Population der einheimischen Krebse neu aufgebaut werden. Auf Kosten des Ortsbeirats wurden zunächst zehn Tiere bestellt. Ziel aber ist es, 300 bis 400 Jungtiere an verschiedenen Stellen im Seenbachtal auszuwildern. Sogenannte »Sömmerlinge«, die ihren Namen der Tatsache verdanken, dass sie einen Sommer alt sind.

Zunächst also heißt es die Reusen kontrollieren, um Krebse nachzuweisen. Wegen des Kälteeinbruchs nach Ostern musste dies vertagt werden, dem Krustentier ist es zu kalt. Zwar versinkt es nicht in einen Winterschlaf, es ruht aber und ist daher kaum auszumachen. Da der Frühling aber so langsam auch Freienseen erreicht, dürften die Chancen auf einen Fund von Tag zu Tag wachsen.

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