Blick zurück: Im September 2012 wird Clemens Matthias Wunderle in sein Amt als neuer Seelsorger der neuen Pfarrgruppe Laubach/Grünberg eingeführt. Das Foto zeigt die Übergabe des Evangeliums durch den früheren Dekan Ulrich Neff (rechts). (Archivfoto: fp)
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Blick zurück: Im September 2012 wird Clemens Matthias Wunderle in sein Amt als neuer Seelsorger der neuen Pfarrgruppe Laubach/Grünberg eingeführt. Das Foto zeigt die Übergabe des Evangeliums durch den früheren Dekan Ulrich Neff (rechts). (Archivfoto: fp)

Neue Aufgaben in der alten Heimat

  • Thomas Brückner
    vonThomas Brückner
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Das Sprichwort "Alles neu macht der Mai" trifft auch hier zu. Und auch hier wird die Veränderung von Wehmut begleitet sein: Clemens Matthias Wunderle, Seelsorger der katholischen Pfarrgruppe Laubach/Grünberg, geht. Im südhessischen Gernsheim übernimmt er die Aufgaben eines Gemeindepfarrers - und noch mehr.

Vorweg: Mit dem "Papst von Oberhessen" ist es nichts geworden. Diese Perspektive hatte 2012 Dekan Ulrich Neff dem neuen Pfarrer beim Einführungsgottesdienst mit auf den Weg gegeben. Mit einem Schmunzeln zwar, doch nicht ohne Grund: Denn der "Neue", Clemens Matthias Wunderle, war jetzt nicht mehr "nur" Seelsorger in Laubach. Sondern für die neue, mit über 2000 zusätzlichen Mitgliedern in 42 Orten gut doppelt so große Pfarrgruppe Laubach/Grünberg.

Acht Jahre nach besagtem Gottesdienst wird Wunderle seine "Schäfchen" verlassen: Im Mai wechselt er ins Ried, wird Pfarrer von Gernsheim. Fast eine Heimkehr, wuchs der heute 44-Jährige doch in Darmstadt auf. Seine letzten "Amtshandlungen" werden die Feiern der Erstkommunion am 19. und 26. April in Laubach und Grünberg sein.

Für Katholiken sind Grünberg und Laubach Diaspora. Anders Gernsheim: Von den 9700 Einwohnern sind die Katholiken mit 40 Prozent klar in der Mehrheit. Das freilich hat keine Rolle gespielt, als sich Wunderle auf die Stelle bewarb. Auch diesem Mittvierziger stand eher der Sinn nach einer neuen Herausforderung. In Gernsheim ist er zunächst "richtiger Pfarrer", wie er es ausdrückt. Die Stellenausschreibung aber lässt bereits erahnen, dass die Zukunft für ihn weitere, auch administrative Aufgaben bereithält. Als Teil des bis 2030 terminierten "Bistumsprozesses".

Zum Hintergrund: In zehn Jahren werden im Bistum Mainz maximal nur noch die Hälfte der Priester im Amt sein. Und auch hier geht es um die Anpassung an den Mitgliederrückgang der Kirche. Je Dekanat wird es künftig nur noch drei Pfarreien geben, und das mit einem "sinnvoll angepassten Seelsorgepersonal". Zwingende finanzielle Konsolidierung, so das Bistum, umfasse auch die hohe Zahl an Immobilien, deren Unterhaltung neu zu regeln sei.

Die endgültigen Pfarreigrenzen stehen noch nicht fest. Wie alle während des "Bistumsprozesses" ernannten Pfarrer wird der Noch-Laubacher daher zunächst kirchenrechtlich "Pfarradministrator" sein. "Keinesfalls aber ist damit gemeint, dass ich quasi nur ›vorübergehend‹ dort sein werde. Ich komme gern, bleibe auch gern und lange in Gernsheim", sagt er lachend.

Wunderle nämlich wird dort auch mit Aufbau und Leitung einer dieser größeren Verwaltungseinheiten betraut. Zu dieser wird all das zählen, worin katholischer Glaube zum Ausdruck kommt: Kindergärten und Altenheime etwa.

Zum Ende des Prozesses wird sich - gerade in katholischen Kerngebieten - die Zahl der Mitglieder einer Pfarrei "erheblich" erhöht haben, sagt Wunderle. Um nun sein Selbstverständnis als Seelsorger zu betonen, werde er dieses auch in seiner "leitenden Pfarrerrolle" leben. Mit Hinweis auf den von Bischof Peter Kohlgraf angestoßenen Prozess stellt er hernach nochmals heraus: "Es geht hier nicht nur um ein reines Sparprogramm, sondern auch um einen ›geistlichen Weg‹." Als "ganz normaler Pfarrer in Gernsheim" will sich der Noch-Laubacher zugleich um die Belange des Bistumsprozesses kümmern - "zusammen mit den Menschen vor Ort".

"Liebgewonnenes loszulassen, ist nicht leicht", kommt das Gespräch nun auf den nahenden Abschied. Nach 14 Jahren in Laubach und acht in Grünberg - "eine schöne und segensreiche Zeit" - erachte er einen Wechsel als sinnvoll, nehme die Möglichkeit zur Veränderung wahr. Klar, der Bistumsprozess falle dabei mit ins Gewicht. Und weiter: "Es ist sicher gut, neue Wege mit neuem Personal und neuen Impulsen zu beginnen." Ein Hinweis darauf, dass seine alte Stelle wieder besetzt wird.

Am 3. und 10. Mai wird Wunderle verabschiedet. Ein Pfarrer, der einen guten, prägenden Einfluss auf die Gemeinde genommen hat - nicht zuletzt in den nicht einfachen Kindertagen der Pfarrgruppe. Spätestens dann dürfte sich bei ihm arge Wehmut einstellen.

Andererseits: Neue Aufgaben haben stets auch ihren Reiz. Erfüllen im "Erfolgsfall" mit Stolz und Zufriedenheit - ob nun als "ganz normaler Pfarrer" von Gernsheim oder "Papst vom Ried", um an die Worte Neffs anzuknüpfen.

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