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Hauptmann Günter Hoffmann (M.), hier noch als Hauptführer der elften Sektion im Jahr 2014, mit Marko Wagner (l.) und Thore-Morten Geipel.

Von Nervosität keine Spur - noch

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Laubach (tb). Mit vielem hatte Günter Hoffmann gerechnet, damit allerdings nicht: "So kommst Du aus der Sache nicht raus", machte ihm ein Freund klar, als er im Herbst seinen Rückzug aus der Führung der Ausschussgesellschaft 1540 Solms-Laubach angekündigt hatte. Aus gutem Grund: Der 63-Jährige war nach eigenen beschönigenden Worten "ein bisschen krank gewesen". Diese "Sache" war zum Glück überstanden, also willigte er ein und kandidierte für das Amt des "Hauptmanns", wie der Vorsitzende der rund 800 Männer zählenden Ausschussgesellschaft genannt wird.

Osterdienstag dann war’s offiziell: 162 der 171 anwesenden Mitglieder wählten Günter Hoffmann ins (inoffiziell) höchste Amt der alten Residenzstadt. Für ihn "eine Ehre und zugleich eine Pflicht."

Morgens um sieben stand die Rede

In Wülfrath geboren, hatte Hoffmann bis 1988 in Wallau nahe Biedenkopf gewohnt. "Nur durch Zufall", wie er sagt, verschlug es ihn in die Stadt an der Wetter. Sein Arbeitgeber, die Schottener Fahrschule Pfeiffer, bot die Filialen Laubach und Mücke zum Kauf an. Hoffmann ergriff die Chance. Dass er somit erst im "hohen" Alter von 33 Jahren zum Laubacher geworden ist, auch das nennt er als Grund dafür, dass er mit vielem, aber nicht mit der Hauptmannswahl gerechnet hatte.

1992 trat der nicht mehr ganz so neue "Neubürger" der Ausschussgesellschaft bei, und erhöhte bald sein Engagement. Zunächst war er Sektionsführer, dessen Aufgabe vor allem darin besteht, möglichst zackig "Guten Morgen, Herr Hauptführer!" auszurufen. Verantwortungsvollere Aufgaben sollten folgen.

So kümmerte sich Hoffmann als Hahnen- und Hammelkommissar um die lebendigen Hauptpreise des Ausschussfestes. Auf dass besonders die Schafböcke den Trubel beim Festzug abkönnen, werden sie an das Geschirr und vor allem an die "Dicke-Backe-Musik" gewöhnt. Bei Kommissar Hoffmann lernten die Hammel dafür den "Bauernmarsch" kennen.

Vor fünf Jahren der weitere Schritt auf der "Karriereleiter": Erstmals machten ihn die Ausschussmänner zu einem der 13 Hauptführer, und bestätigten seine gute Amtsführung im Vereinsvorstand noch vier weitere Male. Bis zu jenem Osterdienstag 2019, zur Hauptmannswahl.

Sechs Wochen sind seither vergangen, am Sonntag wird es ernst, beginnt das dreitägige Ausschussfest. Eine Tradition, der Ehrfurcht gebührt. Reicht sie doch 479 Jahre zurück, in eine Zeit, da sich die wehrfähigen Männer einmal im Jahr trafen, um den vom Grafen gestifteten Hammel auszuschießen. So wird es auch am Montag wieder sein, freilich vor ganz und gar friedlichem Hintergrund. Nurmehr wenige Tage also bis zum Beginn des Ausschusses, für dessen Gelingen Hoffmann die Hauptverantwortung trägt. Bei dem er mehrere Reden vor Menschenmengen zu halten hat. Ist er nicht nervös? "Nein", versichert der Hauptmann. Und verweist auf seine breitgefächerte Berufserfahrung, zu der auch die Leitung von Seminaren zählt. "Vielleicht", räumt er dann aber ein, "kommt das noch." Mag sein, am Montag im Schlosshof. Schließlich wird er dann vor rund 500 Ausschussmännern, nochmal so vielen Zaungästen und vor den Augen der gräflichen Familie seine Rede halten. Wie er nun verrät, steht die bereits: "An einem Sonntag bin ich um vier aufgewacht, hab mich dran gesetzt und um sieben war sie fertig." Was auch vor allzu großer Nervosität schützen dürfte: Seine Worte haben nicht nur das Lob eines Ex-Hauptmanns gefunden. "Auch meine Tochter war, bis auf kleine Korrekturen, zufrieden, und die ist Lehrerin."

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