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Alt und runzlig, aber aus dem Dorf nicht wegzudenken. Unweit der Kirche steht unser heutiger Schatz.

Naturdenkmal und Namensgeber

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Das Gießener Land ist reich an Schätzen. Überall gibt es Orte, die des Entdeckens wert sind; Kleinode, die selbst viele "Eingeborene" bisher links liegen gelassen haben. In den Sommerferien stellen wir auch dieses Jahr einige vor. Die Kreisredaktion lädt zur "Schatzsuche" ein.

Blätter rauschen im Wind. Viele Blätter. Sie bilden eine mächtige Krone und gleichzeitig ein Dach für all jene, die darunter zusammen kommen. Hoch über den meisten Dächern des Dorfes. In der Ferne sind Motorengeräusche zu hören. Sie dringen von der Ortsausfahrtsstraße zu unserem heutigen Schatz durch. Um ihn zu finden, muss man sich auf den Weg in den Osten des Landkreises machen, wo er schon eine ganze Weile steht - 106 Jahre, um genau zu sein.

Seitdem hat er an Größe ordentlich zugelegt, ist mittlerweile ein beachtliches Exemplar seiner Art. Und wenn er sprechen könnte, hätte er vermutlich viel zu erzählen. Für die Bewohner des Dorfes, in dem sich der Schatz befindet, ist dieser von besonderer Bedeutung.

An seiner Seite werden Neuigkeiten ausgetauscht. Bei ihm trifft man sich, um gemeinsam Zeit miteinander zu verbringen. Für ein nettes Gespräch zwischendurch oder aus Anlass von Feierlichkeiten.

1913 kam der Schatz als kleiner Setzling an seinen jetzigen Standort, nachdem Forstwart Konrad Keller ihn an seinem ursprünglichen Platz ausgegraben hatte. Fortan wurde er immer größer, sah um sich herum alte Häuser verschwinden und neue entstehen. 1988 wurde zum ersten Mal sein Geburtstag gefeiert. Der 75., also ein Jubiläum. Fortan gab es alljährlich eine große Party zu Ehren des Schatzes - mit Gegrilltem, kühlen Getränken und Musik. Organisiert von einer Gruppe engagierter Dorfbewohner, die dem Naturdenkmal sogar ihren Namen widmete. Die Einnahmen aus den "Geburtstagsfeiern" spendeten sie immer für einen guten Zweck. So wurde beispielsweise das Taufbecken in der Kirche saniert - die steht übrigens nur einen Katzensprung vom Schatz entfernt - und die Weihnachtsbeleuchtung am bedeutendsten Gebäude im Ort finanziert.

Glasflasche zwischen den Wurzeln

Doch die Ehrenamtlichen stemmen noch viel mehr, Senioren- und Kindernachmittage beispielsweise und seit 2011 im angrenzenden Wald eine ganz besondere touristische Weihnachtsattraktion, die immer am ersten Advent eröffnet wird und bis zum 6. Januar zu sehen ist.

Aber zurück zum Schatz. Der wurde einst in ein vorbereitetes Beet gesetzt. Am Sedanstag. Von wem, weiß heute im Dorf niemand mehr so genau. Wer es herausfinden möchte, müsste sich im Erdreich auf die Suche begeben. Zwischen den mittlerweile mächtigen Wurzeln soll eine Glasflasche liegen, in der sich die Namen der "Pflanzer" befinden. Vielleicht sind mittlerweile aber nur noch Überreste vorhanden. Wenn überhaupt.

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