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Natur-Kita, die Dritte

  • Thomas Brückner
    VonThomas Brückner
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Eine Binse: Gute Kinderbetreuung ist ein herausragendes Standortkriterium im interkommunalen Wettbewerb. Eine Tatsache: In Laubach, zuletzt dank Zuzugs vieler Familien wieder mit einem Nettozuwachs, gibt es da erheblichen Nachholbedarf.

550 Jungen und Mädchen im Kindergartenalter standen zum Stichtag 1. August 2021 nur 444 Plätzen gegenüber. Und: Vor allem im U3-Bereich ist das Defizit mit 73 Prozent sehr hoch, wobei freilich auf dem Land nur wenige Eltern ihre Sprösslinge schon im siebten Lebensmonat anmelden.

Dennoch ist Handlungsbedarf gegeben, es gibt eine ziemlich lange Warteliste. Die Fachberatung beim Landkreis Gießen hat Laubachs Politik denn auch ins Stammbuch geschrieben, einen »größeren Schritt« zu vollziehen. So berichtete es Bürgermeister Matthias Meyer am Dienstag den Fachausschüssen des Stadtparlaments. Per einstimmiger Empfehlung ans Plenum stellten die wenig später die Weichen, um schon mal 40 weitere Plätze zu schaffen - freilich nur für Ü3-Kinder.

Zuschuss der Stadt: 100 000 Euro im Jahr

Die Kommune unterstützt danach den Elternverein »Hand in Hand«, der am Münsterer Spielplatz (Foto) und an der Grillhütte Gonterskirchen ab 1. März 2022 einen eingruppigen Naturkindergarten betreiben will. Für die Anfangsinvestition steuert Laubach jeweils 20 000 Euro bei, der Anteil an den mit 160 000 Euro veranschlagten Betriebskosten beträgt 100 000 Euro. Im Budget enthalten ist ein Teilzeit-Geschäftsführer, da der Aufwand für zwei Kitas ehrenamtlich nicht zu schultern sei.

Gemäß so skizzierter Beschlussempfehlung wird das im Januar 2021 verabschiedete Kindergartenkonzept fortgeschrieben. Darin war noch eine zweigruppige Einrichtung in Trägerschaft des Oberhessischen Diakoniezentrums (OD) an der Grillhütte Gonterskirchen vorgesehen, der Neubau für die Hausgruppe aber am Veto der Bauaufsicht (wg. Außenbereich) gescheitert. Die Wald-Kita aber war und ist genehmigungsfähig.

Namens des Vereins »Hand in Hand« erläuterte Lucia Schüssler das Konzept. Das Vorstandsmitglied verwies zunächst auf positive Erfahrungen mit der Natur-Kita Freienseen, die ihr Kind besucht. Auch für die neuen Einrichtungen strebe man neben naturnaher Erziehung ein hohes Maß an Mitgestaltung und Einbindung der Eltern an. Ziel sei es ebenso, »wertgeschätzte Arbeitsplätze« zu schaffen. Auf die Gefahr hin, dass das Engagement der Eltern »einschläft«, wenn die Kleinen auf die Schule wechseln, soll die Kooperation mit der Stadt 2025 auf den Prüfstand kommen.

Schüssler zufolge sind in Münster für die 20 Plätze schon 15 Kinder angemeldet, Grundstück und Bauwagen als Schlechtwetterschutz schon vorhanden. Für »Goki« gebe es zwölf Interessenten, dort könnte die Grillhütte mitgenutzt werden. Zunächst werde die Verpflegung von einem Caterer geliefert, als »zweiten Schritt« erwäge man eine Hausgruppe in der Kernstadt mit U3-Bereich, wo dann auch gekocht werden könnte.

Bürgermeister Meyer warb ausdrücklich für das Konzept, zumal der Aufwand für Investition und Betrieb (v. a. wegen Elternengagement) gegenüber einer »normalen« Kita deutlich niedriger sei.

Wie er im Übrigen betonte, sei der Magistrat weiter für einen Neubau in Lauter in Trägerschaft des OD (die GAZ berichtete) als weiteres Element des novellierten Kita-Konzepts. Doch sollten zunächst die Fraktionen Zeit zur Beratung erhalten. Ein Parlamentsbeschluss zur auf rund drei Millionen Euro veranschlagten dreigruppigen Einrichtung - 25 Ü3- sowie zweimal zwölf U3-Plätze - ward daher hier erst für November avisiert. tb

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