lkl_Umzugheuchelheim_110_4c_1
+
Nachdem die vergangene Kampagne komplett ausgefallen ist, hoffen die Narren hierzulande, dass 2021/2022 wieder gemeinsam gefeiert werden kann, so wie auf dem Foto einst beim Umzug in Heuchelheim.

Unsicherheit wegen Corona

Narren auf Stand-by: So steht es um die Karnevalskampagne 2021/2022

  • Lena Karber
    VonLena Karber
    schließen

Normalerweise würden die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren laufen, denn in gerade einmal drei Monaten startet sie bereits wieder: die närrische Zeit. Bei den Karnevalsvereinen in der Region Gießen scheint die Handbremse jedoch noch angezogen, zu groß ist die Unsicherheit. Begraben hat man die Hoffnungen auf das gemeinsame Feiern aber noch nicht.

Buseck/Laubach/Gießen – Während die meisten Menschen zu dieser Jahreszeit wohl kaum einen Gedanken an Karneval verschwenden, sieht das bei den Aktiven in den Vereinen anders aus. Frei nach dem Motto »Nach der Kampagne ist vor der Kampagne« starten normalerweise vielerorts bereits um Ostern die ersten Vorbereitungen und das Training. »Eigentlich wäre jetzt schon vieles in trockenen Tüchern«, sagt Herbert Burbach, Vorsitzender des Carnevalvereins Alten-Buseck. Doch in diesem Jahr ist das Bild drei Monate vor dem Start der närrischen Zeit ein anderes. »Wir sind uns - wie wahrscheinlich jeder - sehr unsicher«, fasst Burbach die aktuelle Stimmung zusammen.

Nachdem die Kampagne 2020/2021 vollständig der Pandemie zum Opfer gefallen ist, halten sich die Karnevalsvereine hierzulande im Augenblick noch bedeckt. Kein Wunder: Ob und unter welchen Bedingungen im November, Januar und Februar Veranstaltungen stattfinden können, steht in den Sternen. Doch Faschingsfeiern unter Einhaltung der AHA-Regeln? Das scheint schwer vorstellbar. »Fassenacht lebt vom gemeinsamen Feiern und fröhlich sein und auch von der räumlichen Nähe bei den Veranstaltungen«, findet etwa Björn Erik Ruppel, Präsident des Karnevalvereins Laubach.

Karnevalskampagne in der Region Gießen noch nicht abgeschrieben

Grundsätzlich, das wird deutlich, haben die Karnevalisten die Kampagne jedoch noch nicht abgeschrieben. »Wir haben die Halle geblockt, sodass wir, wenn eine Veranstaltung möglich ist, diese auch auf irgendeine Art und Weise durchführen können«, sagt Timo Momberger, Vorsitzender der »Blauen Raben« aus Londorf und bezieht sich dabei sowohl auf die Kampagnen-Eröffnung im November als auch auf die Sitzung im neuen Jahr. Bei der Programmgestaltung wird dann aber wohl etwas Flexibilität gefragt sein, denn externe Gruppen zu buchen, das ist laut Momberger im Moment kaum möglich. Und die eigenen Gruppen stehen in Hinblick auf den 11. 11. nun unter Zeitdruck. »Es wird mit Sicherheit nicht möglich sein, zwischen August und November einen kompletten Tanz einzustudieren«, sagt der Vorsitzende. Aber man werde mit den Trainerinnen abstimmen, ob Teile präsentiert werden können - sozusagen als Tanz mit offenem Ende und Vorschau für die Sitzung.

Dass unklar ist, wie viele Gäste zu welcher Veranstaltung zugelassen sein werden, erschwert die Planungen für die Vereine zusätzlich. »Wir wollen keinen Gewinn machen, aber das Ganze muss finanziell auf vernünftigen Beinen stehen«, heißt es etwa von den Krofdorf-Gleiberger Fastnachtsfreunden. »Daher müssen wir uns überlegen, wo wir sparen können und wie viele Zuschauer wir brauchen, sodass es noch Spaß macht, aber die Kosten auch wieder reinkommen.« Dabei werden auch Alternativen erwogen: So kann sich der Vorsitzende Stefan Schneider durchaus vorstellen, dass die Kampagnen-Eröffnung auch unter freiem Himmel stattfinden könnte. »Wer weiß, was in drei Monaten ist«, betont er.

Karnevalsvereine aus dem Gießen haben „grobe Planungen“

Worüber sich die Vereine keine Sorgen machen müssen, scheinen indes die Mitgliederzahlen zu sein. »Ich war als Vorsitzender sehr besorgt, dass die Jugend denkt: Es geht ja auch ohne, dass ich jede Woche trainieren muss und man lebt ja auch ohne Karneval ganz gut«, erzählt Momberger. Aber die Befürchtungen hätten sich in Londorf nicht bestätigt. In den anderen Vereinen wurde ebenfalls kein Mitgliederrückgang festgestellt. »Das könnte allerdings davon abhängen, wie lange der Spaß jetzt noch dauert«, heißt es aus Krofdorf, wo man hofft, dass die Mitglieder im September gemeinsam das Sommerfest feiern können. »Nicht nur die Kampagne, sondern auch der Sommer hat in diesem Jahr bisher ja nicht stattgefunden«, sagt Schneider. »Von daher ist das schon alles ein bisschen betrübend.«

In Alten-Buseck standen die Mitglieder bei virtuellen Stammtischen, Training vor der Webcam oder Online-Weinproben zwar auch im Lockdown in Kontakt, dennoch ist Burbach froh, dass nun auch wieder Präsenztraining möglich ist, gerade für die Kleinen. »Wir versuchen das alles etwas spielerischer zu machen, damit die Kinder bei der Stange bleiben«, sagt er. Gleichzeitig sollen die Tänze durchaus für die anstehende Kampagne geplant werden. Auch in Krofdorf, wo das Training bislang noch nicht gestartet ist, bleibt das das Ziel. »Grobe Planungen sind vorhanden und die Leute stehen auf Stand-by«, sagt Schneider.

Karneval im Kreis Gießen: 800 Gäste in Laubach unrealistisch

Einen etwas anderen Kurs fährt man in Laubach, wo sich der Verein von dem Gedanken an die eigene Fremdensitzung bereits verabschiedet hat, da man 800 Gäste im Saal für unrealistisch hält. »Entweder feiern wir richtig und machen eine große Fremdensitzung, wie man das in Laubach gewohnt ist, oder wir lassen es ganz«, sagt der Vorsitzende.

Für die Laubacher Gruppen ist nun also klar, dass sie ein Jahr länger Zeit haben, um bühnenreif zu werden. Dass es keine gemeinsamen Feiern geben wird, ist jedoch keinesfalls ausgemachte Sache. »Wir planen zum Beispiel mit einem Umzug«, sagt Ruppel. Insgesamt ist der Optimismus also auch hier größer als im Vorjahr - denn da hatte der Verein zu diesem Zeitpunkt bereits seine komplette Kampagne abgesagt. (Lena Karber)

Im Jahr 2020/2021 fiel Karneval im Kreis Gießen weitestgehend ins Wasser. Grund war – natürlich – die Pandemie. Warum das so ein schwerer Schlag für die Region war, erzählte uns damals Sven Käs, Vorsitzender des Carneval Club Ruttershausen, im Interview.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare