+
Hörnsheim von oben - der Ort geht am rechten Bildrand fließend in Hochelheim über.

"Von oben"

Der Blick auf Hörnsheim

  • schließen

Hörnsheim hat sich vor 51 Jahren mit Hochelheim unter dem Namen Hüttenberg zusammengeschlossen.

Hüttenberg (pad). Die Hochelheimer machen Geld mit ihrem Käs - und wir kriegen die Molke." Aus heutiger Sicht kann man von einer gepflegten Feindschaft zwischen den beiden Nachbardörfern Hochelheim und Hörnsheim sprechen. Regelmäßig trafen sich die Jugendlichen der Dörfer an der Grenze, um sich zu raufen. Und manche Hochelheimer sollen einst über Lang-Göns nach Großen-Linden gefahren sein, nur um sich im Nachbardorf nicht blicken lassen zu müssen.

Ob es diesen Streit schon im Jahr 832 gab, ist nicht überliefert. In einer Urkunde aus dieser Zeit von Kaiser Ludwig dem Frommen wird das Dorf Hörnsheim erstmals erwähnt: Heriltibisheimeromarca. Das würde heute auf keine Ortstafel passen. 1834 zählte das Dorf, das mittlerweile Hensheim genannt wurde, 422 Einwohner. 1946 knackte es die 1000-Bewohner-Marke, als zahlreiche Vertriebene hierher kamen. Die letzte offizielle Einwohnerzahl von 1967 beträgt 851.

Von der Landwirtschaft geprägt

Während Hochelheim als Handkäseproduktionsstandort in der Region bekannt wurde, war Hörnsheim vor allem landwirtschaftlich geprägt. Auf den Feldern wuchsen Kartoffeln und Weizen, in fast jedem Hof wurde Vieh gehalten. Auf den Weiden standen die Kühe - vor allem Vogelsberger Rotvieh - und genossen das frische Gras. Hörnsheim hielt drei Gemeindebullen bereit, die bei den Kühen für Kälbchen sorgten. Selbst ein Gemeindebock für die Ziegenzucht war vorhanden.

Heute ist der Streit zwischen Hochelheim und Hörnsheim längst überwunden. Das liegt nicht nur daran, dass die Jugendliche längst keine Grenze mehr finden würden, an der man sich zum Raufen verabreden könnte. Denn diese gibt es seit 51 Jahren nicht mehr. Damals fusionierten die beiden Orte zur neuen Gemeinde Hüttenberg.

Alte Streitereien mit Hochelheim

Hans Schmidt war damals Bürgermeister von Hörnsheim - ehrenamtlich. 1964 war der gelernte Metzger gewählt worden. Er kann sich an zahlreiche Streitereien zwischen beiden Orten erinnern. So hatte man etwa eine gemeinsame Wasserversorgung, jedoch zwei Wassermeister. Um sich gegenseitig auszusperren, tauschten die Wassermeister die Schlösser der Eingangstüren. Auch die Kindergärtnerinnen der beiden Orte vermieden es, mit ihren Gruppen dieselben Wege zu gehen, nur um sich nicht zu treffen. "Viel Freundschaft war da nicht", erinnert sich Schmidt.

Doch dem jungen Bürgermeister wurde schnell klar, dass sich die Lage bald ändern würde: Die erste große Gebietsreform deutete sich an. Entweder, man würde selbst aktiv werden und sich Partner suchen - oder man würde das bekommen, was am Ende übrig bleibt. Zusammen mit seinem Hochelheimer Amtskollegen Anton Viehmann sprach er über die Lage. Es brauchte einige Überzeugungsarbeit und auch einige Geduld bei den Kommunalpolitikern - doch letztlich schlossen sich beide Dörfer zusammen. Der Vertrag zum Zusammenschluss wurde am 22. Januar 1968 unterzeichnet, am 1. August 1968 der Zusammenschluss offiziell gefeiert. Damals holten zwei Kapellen die Bewohner der beiden Orte ab, führten sie im neuen Zentrum zusammen, wo der Grundstein für das Sportzentrum gelegt wurde.

Gemeinsam gewachsen

Übrigens: Das dort noch heute das Hallenbad (wenn auch derzeit mit Zukunftssorgen belastet), die Sporthalle und die Bürgerstuben stehen, ist auch das Verdienst der Gemeindevertreter, die zwei Anträge ablehnten. Denn ein Mitglied hatte vorgeschlagen, auf der Grenze ein Stadion zu errichten. Der andere wollte hier stattdessen eine Kläranlage bauen lassen.

In der Folge des Zusammenschlusses gab es zahlreiche weitere Fusionen. Die Raiffeisenkasse Hochelheim und die Spar- und Darlehnskasse Hörnsheim fusionierten zur Hüttenberger Bank - heute eine der drei kleinsten Volksbanken in Deutschland. Der TV Hochelheim und der TV Hörnsheim taten sich im Januar 1969 zusammen - heute ist der Name TV Hüttenberg aus der Handballszene nicht mehr wegzudenken. Auch die Feuerwehren taten sich zusammen - das Gerätehaus wird derzeit erweitert. Mittlerweile teilen sich beide Orte also Handkäse und Molke, sind zudem Teil der Großgemeinde Hüttenberg geworden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare